Historischer Machtwechsel in Burundi

30. April 2003, 16:56
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Tutsi Buyoya übergibt Präsidentenamt an Hutu Ndayizeye

Bujumbura - Im ostafrikanischen Bürgerkriegsland Burundi hat es am Mittwoch einen historischen Machtwechsel gegeben. Präsident Pierre Buyoya von der Volksgruppe der Tutsi übergab sein Amt an seinen bisherigen Stellvertreter Domitien Ndayizeye, einen Hutu. Ndayizeye wird mit Alphonse Marie Kadege wieder ein Tutsi zur Seite gestellt. Dieser Wechsel an der Staatsspitze war im Jahr 2000 im Friedensvertrag von Arusha vereinbart worden.

Seit der Unabhängigkeit Burundis von der belgischen Kolonialherrschaft 1962 ist das kleine Land in Ostafrika von blutigen Auseinandersetzungen zwischen der Bevölkerungsmehrheit der Hutu und der Tutsi-Minderheit gezeichnet. Beide Volksgruppen werfen sich gegenseitig Völkermord vor.

Von den sechs Millionen Einwohner des Landes sind rund 83 Prozent Hutu. Die Tutsi stellen nur etwa 15 Prozent der Bevölkerung, kontrollieren aber Regierung und Militär. Die Spannungen führten schließlich 1993 zum Bürgerkrieg, dessen unmittelbarer Auslöser der Mord an dem ersten demokratisch gewählten Hutu-Präsidenten Burundis, Melchior Ndadaye, durch die von den Tutsis dominierte Armee war. Seither wurden rund 300.000 Menschen getötet, die meisten von ihnen Zivilisten.

Nach acht Jahren Bürgerkrieg setzte Burundi den entscheidenden Schritt in Richtung Frieden. Die Vertreter der Hutu und Tutsi einigten sich darauf, für zunächst drei Jahre eine gemeinsame Übergangsregierung bilden. Durch die politische Zusammenarbeit sollten die blutigen Auseinandersetzungen zwischen den verfeindeten Volksgruppen endlich beendet werden. Mentor des Modells war der ehemalige südafrikanische Präsident Nelson Mandela, der diesen Schritt in zahlreichen zähen Verhandlungsrunden errang.

Die wichtigste Aufgabe der Übergangsregierung war die Durchsetzung eines Waffenstillstands in dem tief zerstrittenen Land sein. Extremistische Tutsi-Politiker kündigten jedoch Widerstand gegen die neue Staatsführung, die Hutu-Abgeordneten und die rund 700 südafrikanischen Soldaten an, die übergangsweise für die Sicherheit der Parlamentarier sorgen sollten. Und auch die fünf radikalsten Hutu-Parteien ließen sich erst nach langem Zögern auf die Vereinbarungen ein. Ende 2004 schließlich sollen die Burundesen selbst frei wählen und damit den Friedensprozess abrunden.

Doch auf den Hügeln rund um die Hauptstadt Bujumbura ist wenig von den Friedensplänen zu spüren. Erst vor wenigen Tagen flüchteten wieder über 50.000 Zivilisten vor heftigen Gefechten zwischen Armee und Hutu-Rebellen in der Gemeinde Kanyosha. In vielen Regionen des Landes sterben regelmäßig Dorfbewohner zwischen den Fronten von Armee und Rebellen. Tausende Vertriebene irren heimatlos durch ihr eigenes Land. Rund eine halbe Million Menschen suchen Zuflucht in Nachbarländern, hauptsächlich Tansania. (APA)

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    Tutsi Pierre Buyoya (R) übergibt Präsidentenamt an Hutu Domitien Ndayizeye(L) - in der Mitte: Nelson Mandela

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