Nord- und Südkorea vereinbaren friedliche Lösung im Atomstreit

29. April 2003, 21:43
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Auch Bush und Roh wollen eng zusammenarbeiten - Powell reagiert zurückhaltend auf Angebot Pjöngjangs

Seoul - Süd- und Nordkorea haben sich auf Verhandlungen über eine friedliche Lösung des Atomstreits verständigt. Beide Seiten würden die Zusammenarbeit fortsetzen, um den Konflikt im Dialog beizulegen, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung am Mittwoch in der Früh (Ortszeit) in Pjöngjang. Zuvor hatten bereits US-Präsident George W. Bush und sein südkoreanischer Kollege Roh Moo Hyun in einem Telefonat eine enge Zusammenarbeit zur friedlichen Lösung des Atomstreits mit Nordkorea vereinbart. US-Außenminister Colin Powell sieht unterdessen in den Vorschlägen Pjöngjangs zur Beilegung des Streits keinen Fortschritt. Powell sprach am Dienstag in Washington von "beträchtlichen" Forderungen Nordkoreas.

Nord- und Südkorea hätten sich außerdem auf eine neue Gesprächsrunde auf Regierungsebene vom 9. bis 12. Juli verständigt, hieß es in der Erklärung weiter. Wirtschaftsverhandlungen seien für den 19. bis 22. Mai angesetzt worden. Außerdem vereinbarten beide Seiten für den 15. Juni eine weitere Runde von Familienzusammenführungen.

Die Gespräche in Pjöngjang sollten eigentlich bereits am Dienstag nach drei Tagen zu Ende gehen, wurden jedoch verlängert, da sich beide Seiten bis dahin nicht auf eine gemeinsame Erklärung einigen konnten. Zuvor hatte sich der Norden noch jede südkoreanische Einmischung in den Konflikt um sein Atomprogramm verbeten und erklärte, es handle sich um einen Streit zwischen Pjöngjang und Washington.

Pjöngjang macht eine Änderung der US-Politik gegenüber dem kommunistischen Land zur Bedingung für Fortschritte in dem Streit. Die USA bestünden darauf, dass Nordkorea zuerst sein Atomprogramm aufgeben müsse, bevor über wirtschaftliche und diplomatische Fragen verhandelt werde, schrieb die amtliche nordkoreanische Zeitung "Minju Joson" am Dienstag. Solange Washington darauf beharre, "verlieren beide Seiten nur Zeit", hieß es weiter.

Bush und Roh seien sich darin einig, dass Nordkorea keine Atomwaffen besitzen dürfe und dass die Gespräche in der vergangenen Woche in Peking nützlich gewesen seien, erklärte das südkoreanische Präsidentenbüro. Der nordkoreanische Vorschlag weise nicht in die richtige Richtung, sagte Powell am Dienstag in Washington. "Aber trotzdem werden wir ihn prüfen." Nordkorea hatte nach Angaben aus EU-Diplomatenkreisen in Gesprächen mit den USA angeboten, sein Atomprogramm auszusetzen, wenn die USA ihre als feindlich bezeichnete Haltung aufgäben. Nordkorea hat wiederholt einen Nichtangriffspakt gefordert. Die US-Regierung lehnt einen förmlichen Vertrag ab, erwägt aber eine Art schriftliche Zusicherung.

Ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums zweifelte unterdessen die Angaben der USA an, wonach Nordkorea in der vergangenen Woche den Besitz von Atomwaffen eingeräumt hat. Soweit er wisse, habe Pjöngjang eine solche Erklärung nicht abgegeben, sagte Liu Jianchao in Peking. Der australische Außenminister Alexander Downer erklärte am Dienstag, seiner Meinung nach habe Nordkorea die Leistungsfähigkeit seines Atomprogramms übertrieben, um seine Verhandlungsposition zu verbessern.

Im Oktober hatten die USA mitgeteilt, dass Nordkorea entgegen ihren Abrüstungsvereinbarungen von 1994 die Existenz eines heimlichen Atomwaffenprogramms zugegeben habe. Dagegen machte Nordkorea eine "feindliche Politik" der USA gegenüber Pjöngjang für die Nuklearkrise verantwortlich. US-Präsident George W. Bush hatte Nordkorea im Jänner 2002 gemeinsam mit dem Irak und dem Iran auf eine "Achse des Bösen" platziert.(APA/AP)

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