Wildwuchs im Wonnemonat

30. April 2003, 12:59
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Alle wollen den größten Maibaum haben und steht er endlich, wird gefeiert

Wien/Mank - Alle wollen den Größten haben und steht er endlich, wird gefeiert. Der Maibaum ist ein weithin sichtbarer Trieb des Wonnemonats, in vielen Gemeinden ragen die wurzellosen Glücks- und Fruchtbarkeitssymbole wieder in den Himmel. Die meisten allerdings illegal, denn dass das Aufstellen der Brauchtumsfichten eigentlich behördlich bewilligt werden muss, wird gern übersehen.

Nach dem Baurecht kann ein Maibaum als "bauliche Anlage" interpretiert werden, das sind alle Bauwerke, die keine Gebäude sind. Im Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuch wiederum findet sich der Begriff "Werk", darunter fallen Anlagen aller Art, wie Baugerüste, Strommasten und eben auch Maibäume. Die Klärung der rechtlichen Identität der Stämme mag spielverderberisch sein, ist aber wesentlich für die Frage: Was geschieht, wenn ein starkes Mailüfterl Bruder Baum umwirft, abbricht oder den Kranz zum Absturz bringt? Im Schadensfall kann sich ein "Wildwuchs" zur Haftungsfalle für die Aufsteller auswachsen.

Kraxeln und versichern

In der Kleinstadt Mank im Mostviertel (NÖ), wo bereits heute, Mittwoch, am Abend ein Nachtkraxeln stattfindet, ist der Baum deshalb versichert. "Er steht auf öffentlichem Grund, also ist auch die Gemeinde verantwortlich", sagt Amtsleiter Martin Kellner.

Nicht unter allen geschmückten Wipfeln bleibt Ruh'. In manchen Gegenden gehören auch nächtliche Sägegeräusche dazu. Das Umlegen des Maibaums in der jeweiligen Nachbargemeinde ist eine Volksstreiterei, die vor allem von rivalisierenden jungen Männern ausgetragen wird. Harmloser und weiter verbreitet ist das Stehlen des Maibaums noch vor dem Aufstellen. Wird die volle Pracht rechtzeitig zurückgegeben, handelt es sich - höchstgerichtlich ausjudiziert - nicht um Diebstahl, sondern um Brauchtum. (simo/DER STANDARD, Printausgabe, 30.4./1.5.2003)

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    Maibaum-Setzen in Salzburg

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