Schweiz zeigt sich frauenfreundlich

30. April 2003, 11:23
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Gewerkschaftsbund für Lohn-Gleichstellung - UNO-Ausschuss fordert Umsetzung des Mutterschaftsurlaubs und Änderung von Rollenstereotypen

Bern - Der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) will unter dem Motto "FrauenMachtGewerkschaft" für die Gleichstellung der Frauen in der Arbeitswelt kämpfen. Er schlägt vor, eine nationale Lohn- und Gleichstellungskonferenz durchzuführen. Zwar sei die Gleichstellungspolitik in den letzten Jahrzehnten von langsamen, aber kontinuierlichen Schritten geprägt gewesen, sagte SGB-Präsident Paul Rechsteiner am Dienstag in Bern. Doch viele Frauen arbeiteten heute zu sehr tiefen Löhnen und insbesondere allein erziehende Mütter seien von Armut betroffen.

Frauen die Gewerkschaft schmackhaft machen

Der Gewerkschaftsbund will an den 1.-Mai-Kundgebungen Frauen dazu auffordern, einer Gewerkschaft beizutreten. Die Erfahrung zeige, dass die gewerkschaftliche Organisation die wirksamste Methode sei, Arbeitsbedingungen zu verbessern, sagte Rechsteiner. Noch seien die Frauen in allen Gewerkschaften untervertreten.

SGB-Vizepräsidentin Doris Schüepp wies darauf hin, dass Frauen im Jahr 2000 21,3 Prozent weniger verdient hätten als Männer. Dies sei zwar eine Verbesserung um 1,6 Prozent gegenüber 1996, als das Gleichstellungsgesetz in Kraft getreten sei. Wenn jedoch die Entwicklung in diesem Tempo weitergehe, könne man erst in 53 Jahren mit Lohngleichheit rechnen.

Lohn- und Gleichstellungskonferenz

So lange will der SGB nicht warten. Er schlägt vor, nächstes Jahr eine Lohn- und Gleichstellungskonferenz durchzuführen. Arbeitgeber, Behörden und Gewerkschaften sollen sich an einen Tisch setzen. Dabei müsse geklärt werden, wieso Frauen - trotz der verfassungsrechtlichen Bestimmung "gleiche Löhne für gleichwertige Arbeit" - weniger verdienen würden.

Klagen gegen ungleiche Löhne seien in den letzten Jahren meistens von Frauen geführt worden, die beim Bund, bei Kantonen oder Gemeinden angestellt seien, sagte Schüepp. In der Privatwirtschaft hätte sich dieses Instrument hingegen bisher kaum durchsetzen können.

Ein Grund sei der schlechtere Kündigungsschutz, ein anderer, dass das Gleichstellungsgesetz Lohnvergleiche nur innerhalb desselben Arbeitsgebers zulasse. Wegen der vielfach kleinen Personalbestände in der Privatwirtschaft seien Lohnvergleiche, wie sie das Gesetz verlange, kaum möglich.

Nettomindestlöhne

Zwar hätten die Großverteiler Migros und Coop auf Druck der Gewerkschaften ab dem diesem Jahr Nettomindestlöhne von 3.000 Franken (1.330 Euro) eingeführt, sagte Cathrine Laubscher Parratte, unia-Zentralsekretärin. Damit sei ein erster wichtiger Schritt getan.

Aber mit einem Lohn von 3.000 Franken sei in der Schweiz kein würdevolles und unabhängiges Leben möglich. Mit einer Petition, die am 1. Mai lanciert werde, würden die Gewerkschaften unia und VHTL die Migros - den größten Arbeitgeber in der Branche - deshalb auffordern, erfahrenem Verkaufspersonal mindestens 4.000 Franken brutto zu bezahlen.

Mutterschaftsurlaub

Die Schweiz soll außerdem den Mutterschaftsurlaub rasch einführen und wirksame Maßnahmen gegen die stereotype Rollenverteilung ergreifen. Dazu ruft der UNO-Ausschuss gegen Frauendiskriminierung die Regierung in Bern auf. Der Bundesrat erörterte am Mittwoch die Schlussbemerkungen des UNO-Ausschusses zur Berichterstattung der Schweiz über die Umsetzung der UNO-Konvention von 1979 gegen die Diskriminierung der Frau. Lob erntet die Schweiz für den Verfassungsartikel und die Gesetzesänderungen zur Gleichstellung von Frau und Mann.

Neben weiteren Schritten zur Gleichstellung im Erwerbsleben und zur paritätischen Vertretung der Frauen im öffentlichen und politischen Leben verlangt der Ausschuss aktive Maßnahmen, um Gewalt gegen Frauen, die Diskriminierung von Ausländerinnen, Frauenhandel, sexuelle Ausbeutung von Prostituierten und Armut zu beseitigen.

Das Schweizer Innenministerium wird alle mit der Gleichstellung beauftragten AkteurInnen informieren und sie ermuntern, die Empfehlungen des Ausschusses umzusetzen. Die nächste Berichterstattung über die Bemühungen der Schweiz ist 2006 fällig.(APA)

  • Der Gewerkschaftsbund will für die Frauen in der Arbeitswelt kämpfen...
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