"In Wahrheit ist das ein Abenteuer"

14. Oktober 2010, 13:42
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Noah Falk, Erbe und Macher des Leserriesen "Ganze Woche", meidet die Öffentlichkeit - Doch um seinen selbst entwickelten TV-Recorder vorzustellen, lädt der Millionenmann zum Heurigen und erzählt von Elefanten und Giraffen

Wien - Schon einmal zeichnete Noah Falk das Logo für ein neues Produkt. Eine Giraffe, für "täglich Alles". Auf Karton gedruckt, ragte der kunterbunte Tierkopf über tausende Sonntagsselbstbedienungstaschen der Tageszeitung von Noahs Vater Kurt Falk. Die Giraffe "war nicht so erfolgreich", räumt Noah Falk ein: Sein Vater stoppte täglich Alles 2000 nach acht Jahren millionenschweren Angriffs auf die "Krone".

"Aber ich bleibe bei den Tieren", sagt Noah Falk, seit dem Tod des Vaters 2005 Eigner der "Ganzen Woche". Diesmal zeichnete er einen blauen Elefanten ("Big Blue"). Die sind stämmiger, haben die vielfache Lebenserwartung von Giraffen. Falk erklärt seine Wahl anders, mit ihrer Merkfähigkeit. Wie sein neues Produkt, sagt er.

Falk ließ sich von Kathrein einen möglichst einfach zu bedienenden Satempfänger und Festplattenrecorder bauen. Aus Ärger über andere Geräte, sagt er: "Ich brauche kein zweites Standbein" neben der Ganzen Woche. "Täglich" fragt er sich zwar, ob man Medien noch drucken muss. Die Nachfrage bejahe das. Mit 327.000 Exemplaren verlegt er Österreichs meistverkauften Wochentitel.

"Zwei Minuten Lebenszeit"

Falk nervt aber , dass "zwei Minuten Lebenszeit weg sind", bis der Fernseher heute Programm zeigt. Bis der Werbeblock vorbei ist, auch zehn Minuten. Er engagierte also fünf Hausfrauen und Studenten, die Werbung in jeder aufgenommenen Sendung zum Ausblenden zeitcodieren. Von der Aufzeichnung erfahren sie über die Mobilfunk-Verbindung zu den Empfängern. Privatsender forcieren technische Sperren, um Überspringen von Werbung zu verhindern; auch die ORF-Tochter ORS fordert solche Möglichkeiten.

Mit dem ORF hat Falk "Schwierigkeiten": Die (mit zehn Tasten recht überschaubare) Fernbedienung hätten die Gebührenfunker verschlampt bei den Tests, ob er für das Gerät ORF-Codekarten bekommt. Für die ersten Geräte kaufte Falk sie also "bei Mediamarkt".

298 Euro verlangt er für die Box und das erste Jahr ohne Werbung, aber auf Wunsch mit der "Ganzen Woche". Die Redaktion seiner Fernsehbeilage TV Dabei liefert auch die Programminfos für den Empfänger, damit der Sendungen von oder mit Lieblingsschauspieler oder -regisseur findet und gern auch automatisch aufzeichnet.

1000 Stück ließ er fürs Erste zusammenschrauben. 100 Anfragen hat er bisher. Falk hofft - neben PR durch seine Präsentation und Promotion seiner Ganzen Woche - auf "Mundpropaganda". "In Wahrheit ist das ein Abenteuer", sagt er.

5000 Stück könnte er sich als nächste Tranche vorstellen, im Eigenvertrieb. Vertriebspartner "wollen Geld haben. Und ich will keines hergeben."

Der trend schätzt das Vermögen von Noah und Bruder Samuel Falk auf 650 Millionen Euro. (fid)

  • Vertriebspartner "wollen Geld, und ich will keines hergeben": "Simpsons"-Fan Noah Falk (40).
    foto: standard/newald

    Vertriebspartner "wollen Geld, und ich will keines hergeben": "Simpsons"-Fan Noah Falk (40).

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