Kompromissloser Jazz für die Massen

14. Oktober 2010, 17:46
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Kommende Woche geht in Salzburg das Festival "Jazz & The City" über viele Bühnen

Unter Leiter Gerhard Eder hat es sich zu einem in viele Richtungen forschenden Festival gewandelt.

Salzburg - "Jazz für alle!" verspricht das Programm, und das ist beinahe wörtlich zu nehmen. Bedeutet "Jazz & The City" doch improvisierte Musik aller Art, an verschiedenen Spielorten, bei freiem Eintritt. Tatsächlich sind es 100 Konzerte, die an fünf Tagen in rund 50 Galerien, Cafés, Gaststätten und anderen Lokalitäten der Salzburger Altstadt bis hin zum ehrwürdigen Landestheater zu erleben sind.

"Jazz für alle" ist indessen ein Motto, das manchem Jazzfan in Gedanken die Grausbirnen hochsteigen lässt - ob der Vorstellung eines möglichst massenkompatiblen und folglich leichtgewichtigen Programms. Doch Skeptiker können aufatmen. Kommerzielle Klänge nach Art von Smooth-Jazz-König Kenny G muss man in Salzburg nicht befürchten.

"Wir haben ein durchgehendes Qualitätslevel eingezogen, ich gehe schon davon aus, dass manche Dinge nicht alle interessieren", sagt Gerhard Eder, seit 2008 künstlerischer Leiter von "Jazz & The City", das im Jahr 2000 als "Jazz in der Altstadt" gegründet worden ist.

Unter Eders Ägide wandelte es sich von einem der lokalen Szene gewidmeten Prolog zum international besetzten Salzburger Jazzherbst von Johannes Kunz zu einem in vielerlei Richtungen forschenden Event. "Es hat sich zu einem sehr offenen Festival entwickelt. Es werden nicht nur Jazz-, sondern auch weltmusikalische Aspekte berücksichtigt. Der hohe Anteil an lokalen Bands wird mit interessanten musikalischen Aspekten überregionaler Bedeutung kombiniert", skizziert Gerhard Eder seine Vorstellungen.

"Salzburger Musiker, die neben einem internationalen Kapazunder wie Joachim Kühn im Programm stehen, fühlen sich ernster genommen, als wenn sie unter ihresgleichen bleiben."

So stehen also wackere Salzburger Formationen von der Summerhill Dixie Band bis zum jungen Free-Funk-Afro-Beat-Kollektiv Kosmotron neben namhaften nationalen und internationalen Acts, verortet in den Konzeptschienen "Schräge Heimat" und "Jazz Moments": Ernst Molden und Walther Soyka, Juan Carlos Caceres' Tango-Negro-Trio mit Bandoneon-Gast Davide Pecetto oder Tomás San Miguel, Erneuerer der uralten baskischen Txalaparta-(Naturxylofon-)Tradition seien ebenso genannt wie die Pianisten-Granden Joachim Kühn (siehe Text unten) und Craig Taborn. Oder die österreichischen Vorzeige-Saxofonisten Harry Sokal und Wolfgang Puschnig.

"Es ist natürlich eine verrückte Idee. Aber ich habe die Möglichkeit, mit 100 Konzerten in fünf Tagen so etwas wie eine Erlebniswelt aufzutun und musikalische Wanderungen anzubieten, die sich jeder selbst zurechtlegen muss", so Gerhard Eder, der lange Jahre das Jazzfestival Saalfelden geprägt und geleitet hat, bis er 2004 abgelöst wurde.

Zukunftspläne

Eder wälzt in Bezug auf "Jazz & The City" bereits Zukunftspläne: "Das Festival ist jetzt noch ein Appendix für den Salzburger Jazzherbst. Meine Intention ist, ein eigenes Festival zu positionieren - da gibt es viele Überlegungen. Auch die, ob man bei demselben Termin bleibt oder das Festival in den März oder April verlegt."

Die Herausforderung der Programmierung gegenüber dem Saalfelden Festival sei wesentlich größer, betont der 57-Jährige. "Dort hatte ich eine Spielstätte und konnte relativ ungehindert programmieren, ohne Rücksichtnahme auf Befindlichkeiten anderer. Hier habe ich einen relativ hohen Kommunikationsaufwand, um meine Ansichten anderen Leuten verständlich und erlebbar zu machen, etwa den Lokalbesitzern. Da kann man natürlich nicht einfach drüberfahren und sagen: Friss oder stirb!" (Andreas Felber / DER STANDARD, Printausgabe, 15.10.2010)

 

Das vollständige Programm finden Sie unter www.salzburgjazz.com

  • Die Fado-Sängerin Mísia verkörpert beim Salzburger "Jazz & The 
City"-Festival dessen Ausrichtung hin zu welt-musikalischen Nuancen.
    foto: j & t c

    Die Fado-Sängerin Mísia verkörpert beim Salzburger "Jazz & The City"-Festival dessen Ausrichtung hin zu welt-musikalischen Nuancen.

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