Freundinnen in existenziellen Wendezeiten

14. Oktober 2010, 17:09
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Sehenswertes Debüt aus Frankreich: "La vie au Ranch" von Sophie Letourneur

Die Ranch liegt mitten in Paris. Eigentlich ist die Ranch eine Wohnung, zwei junge Frauen leben dort. Sie kennen einander schon seit dem Lyzeum, jetzt studieren sie und wagen zusammen erste Schritte in die erwachsene Unabhängigkeit. Die Ranch ist Stützpunkt, Refugium und "open house" für den Freundeskreis. Dort wird debattiert und getrunken, gekudert und gesungen, gelernt und gepennt - "La vie au Ranch", das "Leben auf der Ranch" eben.

Es gibt viel improvisiert wirkende Szenen beziehungsweise entsprechendes Schauspiel, das einen langsam mit hineinnimmt ins relativ alltägliche Geschehen, in die Albernheiten, naiven Überlegungen, kleinen und großen Krisen, die Luxusprobleme von ökonomisch abgesicherten Studenten, Pariser Bürgerkindern. Zugleich erzählt Sophie Letourneur in ihrem Langfilmdebüt auf diese leichte Art von einer ganz spezifischen existenziellen Wendezeit: davon, wie Freundschaften brüchig werden, konfliktträchtig oder schlicht nicht mehr haltbar sind, weil sich die Leben auseinanderentwickeln. Und davon, wie sich stattdessen neue Beziehungen unterschiedlicher Natur formieren.

Letourneur, selbst Jahrgang 1978, hat sich eigentlich schon seit Mitte der Nullerjahre an diese Thematik und diese Lebensphase herangearbeitet: Ihre ersten kurzen und mittellangen Filme ("Freundinnen", "16 im Sommer", u. a.) erzählten verwandte Geschichten - allerdings waren ihre Heldinnen damals noch Teenager, mit den Filmen sind sie älter geworden. Uraufgeführt wurde "La vie au Ranch" im Vorjahr beim Festival in Belfort. Dort avancierte der Film prompt zum Publikumsliebling - möge ihm dies auch in Wien beschieden sein. (Isabella Reicher/ DER STANDARD, Printausgabe, 15.10.2010)

 

25. 10., Urania, 16.00; 26. 10., Stadtkino, 23.00

  • Die WG als emotionaler Umschlagplatz und Stützpunkt einer Pariser Studierendenclique: "La vie au Ranch"
    foto: viennale

    Die WG als emotionaler Umschlagplatz und Stützpunkt einer Pariser Studierendenclique: "La vie au Ranch"

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