Arm, ärmer, psychisch krank

Zwei von drei chronisch psychisch kranken Menschen leben unter der Armutsgrenze

Wien - Zwischen psychosozialen Erkrankungen und Armut bestehe ein deutlicher Zusammenhang: Zwei von drei chronisch psychisch kranken Menschen leben unter der Armutsgrenze, warnt "pro mente", der Dachverband der Vereine und Gesellschaften für psychische und soziale Gesundheit. Die Organisation befürchtet, dass der Sparstift auch sie treffen wird - und das zu einer Zeit, in der "Hochkonjunktur bei uns herrscht", sagte Vorstandsvorsitzender Werner Schöny am Donnerstag bei einem Pressegespräch in Wien.

Im Rahmen der Aktion "arm. ärmer. psychisch krank" steht "pro mente Austria" für drei Forderungen: Psychisch und finanziell benachteiligte Menschen sollen materiell abgesichert werden, an der Gesellschaft teilhaben können und eine kostenlose Psychotherapie auf Krankenschein erhalten. Eine Reduktion der Mittel sei in Zeiten steigender Armutsgefährdung kurzsichtig und nicht vertretbar. Immerhin 492.000 Menschen, rund sechs Prozent der heimischen Bevölkerung, seien akut von Armut betroffen. "Die Lage ist ernst", so Schöny.

Bedarf im psychosozialen Bereich steigt

Behandlung, Prävention und Bewusstseinsbildung im psychosozialen Bereich ist seit mehr als 45 Jahren die Kernkompetenz von "pro mente". Unter anderem ist die Gesellschaft Teil der Armutskonferenz. Die Tätigkeitsfelder sind sehr breit aufgestellt - in allen Belangen würden Bedarf und Nachfrage zunehmen, hieß es.

Bei geringem Einkommen treten zum Beispiel Depressionen doppelt so oft auf, so "pro mente". Die Lebenserwartung sinke drastisch: Menschen unter der Armutsgrenze sterben durchschnittlich um acht bis zehn Jahre früher als der Rest der Bevölkerung.

"Soziale Ungleichheiten schaden allen", meinte "pro mente Wien"-Geschäftsführer Michael Felten. Gesellschaften mit großen Einkommenscheren würden mehr Kriminalität, Sucht und eine geringe Lebenserwartung verzeichnen. Sich um die Bedürfnisse der Ärmsten zu kümmern, sei wichtig für den sozialen Frieden im Land. Dazu zähle auch die geistige Gesundheit der Betroffenen, die gerade bei jenen, die Existenzängste quälen, überdurchschnittlich gefährdet sei. Er plädierte dafür, gerade in diesem Bereich nicht in erster Linie "nachzubessern", sondern "vorauszuschauen": Die finanzielle Basis für Prävention und Bewusstseinsbildung dürften nicht dem Sparstift zum Opfer fallen. (APA)

Informationen zu "pro mente" und zum Thema "Armut in Österreich"

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