"Wir sind zu allem bereit"

14. Oktober 2010, 17:12
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Johann Gudenus (FPÖ) im derStandard.at-Interview über Koalitionen, Sarrazin, Kreisky und warum er sich vor einer "radikalen Islamisierung" fürchtet

Johann Gudenus, bisher Sicherheitssprecher der Wiener FPÖ, wird künftig Klubobmann der Freiheitlichen im Wiener Rathaus sein. Mit derStandard.at sprach er über Ausländer-Inseln in der Adria, Müttergehälter und Gott. Das Gespräch führten Lisa Aigner und Rosa Winkler-Hermaden.

derStandard.at: Wie fühlt man sich als Hoffnungsträger von Strache?

Gudenus: Ich fühle mich sehr gut in einer Partei, in der junge Leute aufgebaut werden. Ich bin einer davon. Ich freue mich auf diese Herausforderung und werde mich die nächsten fünf Jahre in Wien beweisen. Mir gefällt die Arbeit hier im Rathaus sehr gut. Wir haben ja noch viel vor. Es war erst der Startschuss, die absolute Mehrheit der SPÖ zu brechen. Bei der nächsten Wahl in fünf Jahren wollen wir unser Spektrum an Wählern erweitern.

derStandard.at: Haben Sie mit so viel Stimmenzuwachs gerechnet? Man hatte am Wahlsonntag das Gefühl, selbst die FPÖ war überrascht vom Zuspruch der Wählerinnen und Wähler.

Gudenus: Ich habe ganz ehrlich mit 21 bis 23 Prozent gerechnet. Ich hab mir gedacht, alles was unter 21 Prozent ist, wäre enttäuschend – von meiner Erwartungshaltung her und von der Stimmungslage auf der Straße. Obwohl es auch ein Erfolg gewesen wäre. Mit 27 Prozent habe ich nicht gerechnet. Das war überwältigend und sehr schön.

derStandard.at: Wie sieht die interne Analyse für den Zuwachs der Stimmen aus?

Gudenus: Wir konnten nicht nur der Sozialdemokratie Wähler abspenstig machen, sondern auch der Volkspartei. Wir sind anscheinend auch ein Angebot für viele bürgerliche Wähler. Die Wiener Volkspartei hat diese Wähler großteils verraten, sie hat zu wenig Stellung bezogen und kurz vor der Wahl nichts anderes gemacht, als FPÖ-Themen zu kopieren. Da haben die Wähler schon gewusst, sie gehen lieber zum Schmied und nicht zum Schmiedl.

derStandard.at: Bei der Wahltagsbefragung von SORA kam heraus, dass die FPÖ dieses Mal bei Personen über 60 Jahren vergleichsweise stark war. Und eher bei Männern als bei Frauen. Wie erklären Sie sich das Wahlverhalten?

Gudenus: Wir haben sicherlich versucht, mehr in ältere Wählerschichten einzudringen, mehr Fuß zu fassen. Ältere Wähler sind meistens Gewohnheitswähler, sprich sie wählen in Wien seit vielen Jahren die SPÖ. Wir haben versucht, mit unserem besseren Angebot zu zeigen, dass wir die Partei sind, die die bessere Alternative ist. Die Menschen fühlen sich nicht mehr so gut behandelt, weil die SPÖ nicht mehr eine Sozialpartei ist, wie sie vorgibt.

derStandard.at: Strache spielt doch eigentlich immer mit seinem Jugend-Image. Bei den Jungwählern aber war die SPÖ vorne.

Gudenus: Ich glaube das nicht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir plötzlich, nach den anderen Trends der letzten Jahre, vor allem bei den Nationalratswahlen, hier in Wien anders liegen. Ich habe die Stimmungslage ganz anders erlebt und ich glaube auch nicht, dass die Politik von einem Peko Baxant allzu attraktiv für junge Wähler ist. Er vergleicht eine demokratische Wahlauseinandersetzung mit Stalingrad.

derStandard.at: Die SORA-Studie besagt aber, dass die Wiener Jugendlichen zwischen 16 und 20 Jahren zu 46 Prozent SPÖ wählten und die FPÖ mit 20 Prozent an die dritte Stelle hinter die Grünen verwiesen haben.

Gudenus: Es gibt verschiedene Studien, ich glaube ihnen nicht. Wir ziehen mit unsere Kampagne alle an, weil wir mit unseren Themen alle ansprechen. Das Thema Sicherheit spricht alle an, weil alle von steigender Kriminalität betroffen sind, weil jeder ein Bedürfnis nach mehr Sicherheit hat. Das Thema soziale Gerechtigkeit betrifft alle Generationen. Wenn es immer mehr Tarif- und Gebührenerhöhungen in Wien gibt, sind alle davon betroffen: Jungfamilien, wie Senioren, die wenig Pension haben.

derStandard.at: Der FPÖ wird aber oft vorgeworfen, dass sie zwar mit Themen an die Öffentlichkeit geht, aber eigentlich noch nie bewiesen hat, ob sie die Vorschläge auch umsetzen kann.

Gudenus: Ich verwehre mich gegen das Vorurteil, die FPÖ zeigt nur Probleme auf und hat keine Lösungsvorschläge. Es gibt das Handbuch Freiheitliche Politik, unser Parteiprogramm und das Wahlprogramm, da steht alles drin. Wir haben aus der Oppositionsrolle heraus die anderen Parteien vor uns her treiben können. Der kostenlose Kindergarten ist eine alte freiheitliche Forderung, genauso wie das Bettelverbot.

derStandard.at: Was haben die FPÖ-Wähler jetzt davon, dass sie die FPÖ gewählt haben? Sie wird ohnehin nicht in der Regierung sein.

Gudenus: Das muss nicht sein, es kann sich auch der bei der SPÖ viel ändern. Wir sind zu allem bereit, solange unsere Vorschläge umgesetzt werden.

derStandard.at: Wer werden denn die Stadträte sein?

Gudenus: Das werden wir sehen. Es gibt bewährte Leute von jung bis alt.

derStandard.at: Im Wahlkampf hat die FPÖ immer wieder Bruno Kreisky als Vorbild genannt, Strache hat sich mit Zilk verglichen...

Gudenus: ...Die haben sich nicht verstecken müssen, aber Häupl traut sich nicht mehr auf seine eigenen Straßenfeste.

derStandard.at: Haben Sie auch SPÖ-Vorbilder?

Gudenus: Ich hab keine politischen Vorbilder und schon gar keine in der SPÖ-Geschichte. Große Persönlichkeiten waren Kreisky und Zilk sicher. Sie würden sich im Grabe umdrehen, wenn sie sich den Wahlkampf der SPÖ oder der SJ ansehen würden.

derStandard.at: Vor ein paar Jahren haben Sie als RFJ-Chef in einem Interview vorgeschlagen, dass Österreich eine Insel für Flüchtlinge in der Adria pachten soll. Stehen Sie nach wie vor zu diesem Vorschlag?

Gudenus: Es gibt Ideen in der UNO, dass man die Flüchtlingslager immer in der Nähe des Krisenherdes einrichtet, damit die Leute eine Möglichkeit haben, wieder zurückzukehren und ihr Land aufzubauen. Das sind Ideen, die man weiterverfolgen müsste.

derStandard.at: Wäre es nicht inhuman, wenn Leute auf einer Insel isoliert von anderen Menschen leben müssten?

Gudenus: Nichts anderes setzt die Bundesregierung jetzt mit der einwöchigen Mitwirkungspflicht um. Man sieht, dass freiheitliche Forderungen aufgenommen werden. Ob es jetzt eine Insel sein muss – das sind Dinge, die man als Jugendpolitiker vielleicht ein bisschen schärfer ausdrückt. Heute würde ich das vielleicht anders formulieren.

derStandard.at: Würden Sie diesen Vorschlag und den Begriff der „Umvolkung", den Sie auch einmal öffentlich verwendet haben, als bürgerlich bezeichnen?

Gudenus: Mit Schemata wie bürgerlich oder nicht bürgerlich hat das nichts zu tun. Wir verzeichnen seit Jahrzehnten eine Massenzuwanderung, die im Endeffekt ungezügelt ist und wo es viele Probleme gibt, welche die Bevölkerung spürt. Man kann es auch Überfremdung nennen. Nicht zuletzt Thilo Sarazzin zeigt auf, welche Folgen das hat und welche Lösungen es hier gebe.

derStandard.at: Inwiefern zeigt Thilo Sarrazin Lösungen auf?

Gudenus: Er zeigt auf, dass Zuwanderung aus Gebieten, die muslimisch geprägt sind, nicht in solch einem Ausmaß passieren sollte. Das ist eine Lösung für die Zukunft, man sollte auch präventiv tätig sein.

derStandard.at: Die FPÖ vertritt die Position, dass weniger Zuwanderer nach Österreich kommen sollen. Haben Sie dann nicht die Befürchtung, dass die Bevölkerung stark schrumpft und so kein Wirtschaftswachstum mehr erzielt werden kann?

Gudenus: Das muss Hand in Hand mit einer positiven Familienpolitik gehen. Junge Familien mit Kindern müssen mehr gefördert werden und sollen nicht bestraft werden, wenn sie mehr Kinder haben.

derStandard.at: Sie schlagen ein Müttergehalt bis zum 6. Lebensjahr vor. Warum soll es kein Vätergehalt geben?

Gudenus: Es soll ein Ausbau des Kindergeldes sein. Man kann es auch anders nennen, man kann von mir aus auch Elterngehalt dazu sagen. Die Wahlfreiheit ist wichtig, Eltern sollten sich aussuchen können, wie das Kind betreut wird. Das Kindergeld sollte auf jeden Fall über 500 Euro und nicht mehr als 800 Euro ausmachen.

derStandard.at: Finden Sie es besser, wenn Frauen bei den Kindern zu Hause bleiben?

Gudenus: Das soll jeder halten, wie er will. Meine Freundin nimmt das Kindergeld für unser Kind in Anspruch. Auch beim Kindergarten wollen die Freiheitlichen die Wahlfreiheit. Die Ausnahme sollte nur für jene Kinder gelten, die nicht ausreichend Deutsch sprechen. Zurzeit müssen alle in den Kindergarten.

derStandard.at: Im Wahlkampf haben Sie den Spruch „Die FPÖ schützt freie Frauen" plakatiert. Warum muss man freie Frauen überhaupt schützen? Können die sich nicht selbst helfen?

Gudenus: Das kann man so oder so sehen. Ich glaube, dass vor allem die steigende Islamisierung in Österreich und vor allem in Wien es mit sich bringt, dass immer mehr Frauen unterdrückt werden. Der Zwang der hier besteht, verstößt gegen die Menschenrechte.

derStandard.at: Es gibt keinen gesetzlichen Zwang.

Gudenus: Da viele Muslime die Scharia über unsere Gesetze stellen schon. Das wurde in Schulen im islamischen Unterricht so gelehrt und das ergab eine Umfrage unter den islamischen Religionslehrern. Das können wir uns in der westlichen Welt nicht gefallen lassen. Wir trennen Religion und Staat. Das Religionsgesetz von 1912 sagt, dass der Islam als Religion anerkannt wird, aber nur soweit er sich an die Gesetze hält. Das wird immer ausgeklammert. Wir wollen freie Frauen in einer freien Welt und keine Zwangsehen oder Genitalverstümmelungen.

derStandard.at: Aber wenn so etwas passiert, wird das gesetzlich verfolgt.

Gudenus: Ich glaube, dass sich radikale Muslime oftmals hinter der Religionsfreiheit verstecken.

derStandard.at: Sind Sie religiös?

Gudenus: Ich bin schon religiös, ja. Ich bin katholisch und getauft und habe mir immer Gedanken gemacht über alle Religionen dieser Welt und habe Einiges darüber gelesen. Ich bin kein Experte was Religionen betrifft, aber ich mache mir schon viele Gedanken über Gott.

derStandard.at: Fürchten Sie sich vor dem Islam?

Gudenus: Nein, ich respektiere den Islam. Aber es gibt Tendenzen eines radikalen Islam und eine steigende Islamisierung oder auch religiös motivierte Terroristen, die natürlich Extremerscheinungen sind. Ich fürchte mich vor einer radikalen Islamisierung.

derStandard.at: Was ist Islamisierung?

Gudenus: Islamisierung ist, wenn der Islam nicht mehr als Religion verstanden wird, sondern als politische Anschauung und als Ideologie. Das ist leider oftmals der Fall, aber das wird auch oft nicht unterschieden. Wir unterscheiden den Islam als Weltreligion von den Auswüchsen des politischen Islam.

derStandard.at: Glauben Sie, dass Sie Ihren Wählern und Wählerinnen den Unterschied zwischen Islamismus und Islam genug kommunizieren?

Gudenus: Das wird in jeder Rede von HC Strache und allen, die darüber reden, erwähnt.

derStandard.at: Wir möchten Ihnen jetzt noch ein Posting eines Users zu Ihnen vorlesen: „Tja, reingefallen, liebe Blauwähler, wer Strache wählt, bekommt Gudenus" – Was ist Ihre Antwort?

Gudenus: Wer Strache wählt, bekommt eine bessere Politik, für ein besseres, sozialeres, gerechteres und sicheres Wien und Gudenus ist in seiner Mannschaft. (derStandard.at, 14.10.2010)

JOHANN GUDENUS (34) studierte Jus an der Universität Wien. Er war Obmann des RFJ (Ring Freiheitlicher Jugend) und sitzt seit 2005 für die FPÖ im Wiener Landtag. Sein Vater ist der ehemalige FPÖ-Bundes- und Nationalratsabgeordnete John Gudenus.

  •  "Ich verwehre mich gegen das Vorurteil, die FPÖ zeigt nur Probleme auf und hat keine Lösungsvorschläge."
    foto: derstandard.at

    "Ich verwehre mich gegen das Vorurteil, die FPÖ zeigt nur Probleme auf und hat keine Lösungsvorschläge."

  • "Mit 27 Prozent habe ich nicht gerechnet. Das war überwältigend und sehr schön."
    foto: derstandard.at

    "Mit 27 Prozent habe ich nicht gerechnet. Das war überwältigend und sehr schön."

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