"Goldrekord ist Papiergeldschwäche"

14. Oktober 2010, 14:19
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Der schwache Dollar und die Geld­schwemme der Notenbanken treiben Blüten: Der Goldpreis peilt die Marke von 1.400 Dollar an

London/Wien -Der von Rekord zu Rekord eilende Dollar-Goldpreis beruht eigentlich auf einer optischen Täuschung - "wir befinden uns weniger in einem Bullenmarkt für Gold, sondern eher in einem Bärenmarkt für Papiergeldwährungen", sagte der Goldexperte der Erste Group, Ronald-Peter Stöferle. Der Absturz der US-Währung hatte sich in der Nacht von Mittwoch fortgesetzt und war in den Vormittagsstunden des Donnerstag vorläufig zum Stillstand gekommen.

Zahlreiche Anleger schichteten ihr Geld zudem in Rohstoffe und Metalle um, die üblicherweise in Dollar notiert werden. Gold verteuerte sich auf bis zu 1.387,10 Dollar/993,8 Euro je Feinunze (31,1 Gramm). Silber erreichte mit 24,90 Dollar ein neues 30-Jahres-Hoch. auch Eine Tonne Kupfer kostete mit 8.490 Dollar so viel wie seit Juli 2008 nicht mehr. Die richtungsweisende US-Sorte WTI stieg um bis zu 1,3 Prozent auf 84,12 Dollar je Barrel (159 Liter). Auch die agrarischen Rohstoffe erlebten einen Höhenflug.

Währungen von Rohstoff-Ländern

Nachgefragt waren Währungen von Rohstoff-Ländern und den sogenannten "emerging Markets" - die Bewegungen des Dollar gegenüber dem Euro hielt sich in engen Grenzen.

Die Erstebank sieht das auslösende Moment für die jüngste Runde des Dollar-Abverkaufs in der jüngsten Ankündigung der US-Notenbank, zu weiteren unkonvetionellen Maßnahmen greifen zu wollen.

Von diesem sogenannten "quantitative easing 2" wenig begeistert zeigt sich auch die UniCredit in einem am Donnerstag verschickten Text: Die Erwartungshaltung, dass dies die US-Wirtschaft wieder zum Wachsen bringe, sei "schlichtweg naiv", meint man dort: "Kosten und Risiken einer erneuten quantitativen Lockerung überwiegen bei weitem den damit verbundenen Nutzen", schreibt Andreas Rees, der deutsche Chefökonom der Gruppe.

Goldpreis um ein Viertel gestiegen

Seit Ende 2009 ist der Goldpreis inzwischen um mehr als ein Viertel gestiegen. Der Dollar-Index, der die Kursentwicklung zu sechs wichtigen Währungen widerspiegelt, fiel auf den niedrigsten Stand seit etwa einem Jahr. Zu der als sicherer Anlagehafen geltenden Schweizer Valuta fiel der Dollar auf ein Rekordtief von 0,9466 Franken. Zur japanischen Währung lag er mit 81,07 Yen auf einem neuen 15-1/2-Jahres-Tief. Der australische Dollar erreichte erstmals seit Anfang der 80er Jahre fast die Parität zu seinem US-Pendant. Parallel dazu übersprang der Euro die psychologisch wichtige Marke von 1,41 Dollar und war damit so teuer wie seit fast neun Monaten nicht mehr.(APA)

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    Aus Furcht vor einer galoppierenden US-Inflation wenden sich erneut viele Anleger vom Dollar ab.

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