Plötzlicher Herztod

Reanimation ohne Beatmung erhöht Überlebenschance

15. Oktober 2010, 15:43
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    foto: apa/university of pittsburgh

    Peter Safer erfand in den 50-er Jahren die Mund-zu-Mund-Beatmung.

Bei plötzlichem Herzstillstand ist reine Herzmassage günstiger - Bei Herzstillstand als Sekundärfolge wie nach Unfall oder Ertrinken ist Beatmung wichtig

Wien/St.Louis - In jedem Erste Hilfe-Kurs wird als lebensrettende Sofortmaßnahme bei Herzstillstand die Herzdruckmassage kombiniert mit Mund-zu-Mund-Beatmung gelehrt. Doch unter bestimmten Voraussetzungen kann die Überlebens-Wahrscheinlichkeit von Personen mit plötzlichem Herzstillstand deutlich gesteigert werden, wenn auf die Beatmung verzichtet und nur Herzmassage durchgeführt wird. Das zeigt eine Analyse österreichischer Mediziner, die an der Medizin-Uni Wien und der Washington University School of Medicine in St. Louis (US-Bundesstaat Missouri) durchgeführt und nun in der Fachzeitschrift "The Lancet" veröffentlicht wurde.

Der aus Österreich stammende Peter Nagele, Leiter der Abteilung für Trauma-Anästhesie am Barnes-Jewish-Hospital am Washington University Medical Center in St. Louis, und Michael Hüpfl von der Universitätsklinik für Anästhesie der Medizin-Uni Wien haben die Daten von drei Studien analysiert. Dabei erhielten Ersthelfer telefonisch von der Notrufzentrale Anweisungen - entweder nach der herkömmlichen Methode mit Herzmassage und Beatmung oder nur mit Herzmassage. Weil die einzelnen Studien jeweils zu wenige Patienten hatten, konnten statistisch keine Überlebensvorteile bei einer der beiden Methoden nachgewiesen werden.

Höhere Überlebenswahrscheinlichkeit

Mit Hilfe einer speziellen statistischen Methode konnten die Wissenschafter aber die Daten der drei Studien kombinieren und somit 3.700 Fälle analysieren. "Dabei zeigte sich, dass Patienten mit Herzstillstand eine um 22 Prozent höhere Überlebenswahrscheinlichkeit haben, wenn sie nur mittels Herzmassage wiederbelebt wurden, verglichen mit der klassischen Methode mit Mund-zu-Mund-Beatmung", erklärte Nagele.

Voraussetzung dafür war, dass die Helfer entsprechende Anweisungen aus der Notrufzentrale erhielten. Denn es empfiehlt sich nur bei Patienten mit plötzlichem Herzstillstand, auf die Beatmung zu verzichten. "Dann ist noch genug Sauerstoff im Körper, und es ist wichtiger, die Blutzirkulation so regulär wie möglich aufrechtzuerhalten als zusätzlich zu beatmen", so Nagele, der schätzt, dass dadurch in Nordamerika und Europa 5.000 bis 10.000 Leben gerettet werden können.

Kein Verzicht bei Ertrinken

Der Verzicht auf Beatmung sollte aber nicht erfolgen, wenn der Herzstillstand eine Sekundärfolge ist, etwa bei einem Unfall oder Ertrinken. Dann sei es neben der Herzmassage sehr wohl entscheidend, durch Beatmung wieder Sauerstoff ins System zu bringen.

Auch im seltenen Fall eines Herzstillstandes bei einem Kind sollte weiterhin eine Kombination von Mund-zu-Mund-Beatmung und Herzmassage als lebensrettende Sofortmaßnahme durchgeführt werden, betonen die Mediziner. Denn üblicherweise ist der Herzstillstand bei Kindern eine Folgeerscheinung etwa eines schweren Asthma-Anfalls oder einer allergischen Reaktion. In diesen Fällen brauche der Körper Sauerstoff. "Wir raten nachdrücklich, bei Kindern die von den Kinderspezialisten des European Resuscitation Council und der American Heart Association empfohlenen Vorgangsweise durchzuführen: so schnell als möglich auch zusätzlich die Beatmung durchzuführen ", so Nagele, der langjähriger Notarzt beim Roten Kreuz war, und Hüpfl, der auch Chef-Arzt der Johanniter-Unfall-Hilfe ist.

Einig sind sich die Studienautoren: "Die schlechteste Alternative für alle Fälle ist es, weder Herzdruckmassage noch Beatmung in den ersten Minuten durchzuführen. Darum sollen alle, die ein solches Ereignis beobachten, sofort Hilfe rufen und zumindest Herzdruckmassage durchführen, bis weitere Unterstützung eintrifft - da kann man nichts falsch machen." (APA)

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Posting 1 bis 25 von 39
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ÖVP, die abzocker der nation
02
17.10.2010, 20:17
sinnlose erkenntnis

für einen laien der erste hilfe leisten soll wenn er einen bewusstlosen findet der nicht atmet und keinen kreislauf hat. woher soll man da wissen ob es sich um einen "primären oder sekundären herzstillstand" handelt?

Urban Fischer
00
29.8.2011, 10:47
keinesfalls eine sinnlose Erkenntnis

das Hauptproblem ist das viele Menschen nicht reanimiert werden weil die Helfer nicht beatmen wollen/koennen aus verständlichen Gründen und sich diese gesamte Reanimation auch nicht zutrauen .
das wichtigste bei einer erfolgreichen Reanimation ist es sobald wie möglich und mit sowenig pausen wie möglich die Herzdruckmassage anzuwenden, bis Hilfe eintrifft. selbst dabei wird durch die Thoraxkompressionen eine geringe Belüftung der Lunge erreicht.
Also - wer ein Leben retten will der drückt. alles andere macht die Rettung/der Notarzt und ist für Laien egal. die meisten Reanimation werden übrigens im eigenen Familienkreis notwendig!

Christoph Scheer
 
01
17.10.2010, 16:35
der herr

heisst safAr

hadioread
00
18.10.2010, 09:13

sie sind der dritte der darauf hinweist, aber auch wenn ich der vierte bin wird das niemand mehr lesen, und auch nicht ausbessern :(

kiwi100
00
17.10.2010, 13:24
Gibt es eigentlich eine Erhebung, die sich ...

... einmal angeschaut hat, bei wie vielen Fällen es sich um einen "echten" Herzstillstand (Asystolie) handelt und wie viele noch flattern oder flimmern und wie viele nach einer Reanimation noch mind. ein Jahr überleben und wie viele bei welcher Lebensqualität? Alle reden vom Wiederbeleben, manche tun es professionell jeden Tag, überall hängen Defibrillatoren ... da wäre es doch auch gut zu wissen was das Langzeitergebnis dieses ganzen Aktionismus ist?

gärtner
20
17.10.2010, 18:21
ja düster halt,

ein herzstillstand kommt ja nicht aus heiterem himmel,
da is das herz schon lange vorher geschädigt
und wird nachher natürlich nicht besser.

von den lebenden tomaten red ich da noch gar nicht.

kiwi100
00
17.10.2010, 12:55
Gibt es eigentlich eine Statistik ...

die erhoben hat, wie viele der Reanimierten einen "echten" Herzstillstand hatten und nicht noch flatterten oder flimmerten und wie viele nach Reanimation noch mind. ein Jahr überlebt haben und wie viele davon mit einer ansprechenden Lebensqualität. Alle reden von Wiederbelebung, einige machen es professionell fast täglich, überall hängen Defibrillatoren, aber was wissen wir über das (Langzeit)Ergebnis (Outcome) dieses ganzen Aktionismus?

Plus Lucis
01
17.10.2010, 08:57

Das ist natürlich nett, wenn man in Studien die genauen komplexen Voraussetzungen für die optimale Erste Hilfe findet.

Es ist aber auch zu berücksichtigen, dass telefonische Anleitung nicht unbedingt der Normalfall ist und auch Menschen sterben, wenn die Ersthelfer zögern, weil sie Angst haben, etwas falsch zu machen.

kiwi100
00
17.10.2010, 14:23
Gibt es eigentlich eine Erhebung, die sich ...

... einmal angeschaut hat, bei wie vielen Fällen es sich um einen "echten" Herzstillstand (Asystolie) handelte und wie viele noch flatterten oder flimmerten und wie viele nach einer Reanimation noch mind. ein Jahr überlebten und wie viele bei welcher Lebensqualität? Alle reden vom Wiederbeleben, manche tun es professionell jeden Tag, überall hängen Defibrillatoren ... da wäre es doch auch gut zu wissen was das Langzeitergebnis dieses ganzen Aktionismus ist?

Got Your Noes!
00
17.10.2010, 16:36

eine echte asystolie kommt nicht allzuoft vor, bei fast jedem infarkt kommt es erst zu bis zu 10 minuten polslosen flattern, und das ist gleichzusetzen mit einem stillstand. in jedem fall pumpen, egal ob das herz noch "schlägt" oder nicht, denn der kreislauf läuft nicht mehr. und zur anderen frage (hatten wir am freitag in der vorlesung): in einer stadt (weiß nicht mehr welche) in den USA hat man versuchsweise alle streifenwagen mit AEDs ausgestattet. bei allen 14 dokumentierten stillständen während eines einatzes überlebten die opfer. danach dürften sie in die übliche statistik gefallen sein, und die werden sie googlen müssen.

Seria
00
17.10.2010, 12:55

man kann nichts falsch machen. Nichts tun wäre das Schlimmste was man tun kann. Ansonsten: pumpen, pumpen,...bis der Notarzt kommt

Alf von Melmak
 
00
17.10.2010, 01:01
In jedem Erste Hilfe-Kurs wird als lebensrettende Sofortmaßnahme bei Herzstillstand die Herzdruckmassage kombiniert mit Mund-zu-Mund-Beatmung gelehrt.

'
Stimmt so nicht.

Die Diskussion, daß u.U. (v.a. aus Zeit- und Rythmusgründen) reine HDM vorzuziehen ist, wird in der Ersthelferausbildung beim Roten Kreuz seit Jahren angesprochen.

Got Your Noes!
00
16.10.2010, 17:00

bei uns in der vorlesung hats gestrngeheißen "auf jeden fall zuerst mit der massage beginnen". aber ich werd den herrn drauf ansprechen am montag.

tiggerle
00
17.10.2010, 16:27

das ist auch die neuere lehrmeinung im moment!

Got Your Noes!
01
17.10.2010, 16:31

nicht unlogisch, schließlich ist das blut noch o2 gesättigt beim stillstand. und das gehirn ist durch den beginn mit der druckmassage kürzer unversorgt. eigentlich ganz gut nachvollziehbar.

Chocoholic
00
19.10.2010, 11:35
Das wurde auch uns beigebracht, daß im Normalfall

Ausreichend sauerstoff im körper ist und somit eher zum hirn gepumpt werden muß, daher ein auslassen wegen beatmung die pumpwirkung ausläßt ...

Herr Pfleger1
00
16.10.2010, 14:12
wahnsinn ....

eine erkenntnis, die von schwedischen forschern bereits vor einigen jahren erbracht wurde ....

M. P.4
 
01
16.10.2010, 13:53

Eine Studie aus Japan ist bereits vor 2 Jahren zu ähnlichen Ergebnissen gelangt. Dort scheut man sich aus kulturellen Gründen vor der Mund-zu-Mund Beatmung und die wenigen, die überhaupt reagierten, haben nur den Thorax massiert. Ein wichtiger und im Text unerwähnter Faktor ist der durch die Beatmung verursachte Zeitverlust und dadurch die Unterbrechung der Herzmassage. Wahrscheinlich werden diese Ergebnisse selbst in die Richtlinien für professionelle Helfer (Paramedics und Ärzte) bald Eingang finden, denn hier wird durch die Intubation und oft falsche Beatmungtechniken viel Zeit verloren.

Markus -
10
16.10.2010, 15:50

Wer unter Herzdruckmassage nicht intubieren kann, hat in der Notfallmedizin nichts verloren.
Reanimationen sind die leichtesten Intubationen.

hot doc
03
16.10.2010, 21:44
lieber marcus!

satz 1 ist richtig.

satz 2 ist unsinn. wer am op-tisch in ruhe einen tubus einführt, hats viel leicher, und selbst wenn man unter notfallbedingungen einen respiratorisch insuffizienten intubiert, geht das viel leichter als das gerüttle und gedränge, wenn man unter hdm einen patienten verrohrt.

hadioread
00
16.10.2010, 17:24

In meiner Rettungssanitäterausbildung wurde mir gesagt dass sie in den USA schon seit einigen Jahren auf die Beatmung verzichtet, weil man der Meinung ist dass bei ungeübten Ersthelfern zu viel Zeit mit der Beatmung verschwendet wird. Also werden diese Ergebnisse nicht irgendwann Eingang finden, sondern es wird schon seit Jahren darüber diskutiert.

Markus -
00
16.10.2010, 18:43

Möglichst kurze hands-off Zeiten bei der Herzdruckmassage haben absolute Priorität! Nicht erst lange überlegen, ob man sich dazu überwinden kann einen Fremden Mund-zu-Mund zu beatmen, da ist es besser durchgehend Thoraxkompressionen zu machen.
Das gilt für den Laien, der als Ersthelfer vor Ort ist. Danach muss der Patient vom Notarzt selbstverständlich intubiert und beatmet werden, weil die wenigen mit einer Rückkehr des Spontankreislaufs kommen praktisch alle auf ein Beatmungsbett auf eine Intensivstation zur Nachbetreuung. Ausnahmen sind extreme Raritäten, z.B. ein junger Patient, der einen beobachteten Herzstillstand wegen Kammerflimmerns erleidet und unmittelbar defibrilliert wird.

Fredl Huber
01
16.10.2010, 11:17
an die Redaktion:

der Mensch heißt „Peter Safar“ und nicht „Safer“, nach ihm auch die „Safargasse“ im 3. Bezirk…

Seria
11
15.10.2010, 23:23

ganz schlimm ist es zu paniken und nichts zu tun. Einfach pumpen, das die Rippen knacken. Ca 100mal / Min. Und den Notarzt anrufen.
Den Patienten flach legen und die Beine hochlagern und pumpen, pumpen,... bis der Notarzt kommt

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