Viermal Nein im Raucherstreit

13. Oktober 2010, 19:26
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Die Frage, was und wo geraucht werden kann, beschäftigt alle - Argumente hat jede Seite

Wien - Geht es um das Rauchen, sind die Österreicher ein Volk von Neinsagern. Die Nichtraucher sagen Nein zum Passivrauch in Lokalen, die Tabakindustrie sagt Nein zur Bevormundung, die Trafikanten sagen Nein zu geplanten neuen EU-Richtlinien und die Wirte sagen Nein zu den bestehenden Gesetzen. Ein Überblick.

Manuel Güll, Sprecher von Imperial Tobacco Österreich: "Die Frage ist, wo die Grenze des staatlichen Eingreifens ist", erklärt er. "Der Bürger wird entmündigt und nicht mehr für voll genommen." Angst vor einem völligen Rauchverbot in Lokalen hat er nicht wirklich. "Nach der Einführung des Banns in Irland ist unser Absatz um drei Prozent gesunken. Drei Jahre späte hatte er wieder das vorherige Niveau erreicht."

Rauchen verlagert sich

Gülls Schlussfolgerung: "Das Rauchen verlagert sich einfach von der Gastronomie in den privaten Bereich, der Gesamtkonsum ändert sich nicht. Wird aber in der Wohnung geraucht, erhöht das möglicherweise die Gesundheitsgefahr für die Familienmitglieder und hat eine schlechte Vorbildwirkung."

Umgerechnet 3,4 Milliarden Euro Gewinn hat die Gruppe weltweit im Jahr 2009 gemacht. Ob Güll Angst hat, dass sein Geschäft verschwindet, wenn Verbote und Aufklärungskampagnen wirken und Jugendliche nicht mehr zu rauchen beginnen? "Wir wollen nicht, dass diese Gruppe raucht, da das eine Einladung für die Gegner ist. Es geht um informierte Erwachsene", weicht er aus.

Peter Trinkl, Vertreter der Trafikanten in der Wirtschaftskammer: Die Pläne, in der EU eine einheitliche Zigarettenpackung einzuführen und die Ware nur mehr unter dem Pult aufbewahren zu dürfen, treiben den Standesvertreter auf die Palme. "Dem Ziel der EU, eine rauchfreie Gesellschaft, wird das alles nichts nützen", sagt er am Mittwoch bei einer Pressekonferenz. 

"EU hat kein Konzept"

3100 Trafiken gibt es in Österreich, an 4000 weiteren Orten wie Tankstellen und Lokalen werden Zigaretten verkauft. "Wir verurteilen den Weg und nicht das Ziel. Es liegt kein Konzept bei der EU vor, Zielvorgaben werden nie überprüft. Das ist nur ein Arbeitsnachweis."

Eine noch bis 17. Dezember laufende Bürgerbefragung der EU ist für Trinkl eine Farce. "Da werden 13 Seiten Fragen gestellt, die nur auf Englisch verfügbar sind und in denen Fachbegriffe vorkommen." Um dennoch Druck auf die Politik auszuüben werden nun 1,2 Millionen Folder verteilt, die zur Teilnahme an der EU-Befragung auffordern.

"Wollen nicht mehr mitrauchen"

Franz Doppelhofer, Organisator des Nichtrauchervolksbegehrens: Rund 9000 Menschen haben derzeit schon ihre Unterstützungserklärungen für das Volksbegehren für rauchfreie Lokale abgegeben, auf Facebook hat die Gruppe mittlerweile knapp 110.000 Mitglieder. Erreichen will Doppelhofer ein völliges Rauchverbot in der Gastronomie. "Wir sind nicht gegen Raucher an sich, aber wir wollen nicht mehr mitrauchen müssen", erklärt er. Aber der Trend in Europa gehe klar in seine gewünschte Richtung. Ob das Zigarettenverbot beim Wirt nicht nur zum Rauch in den eigenen vier Wänden führen würde? "Da muss man sagen, dass Raucher, die vor Kindern rauchen, schlicht verantwortungslos sind." Zur Not könne er sich sogar mit dem bestehenden Gesetz arrangieren. "Aber es müsste wirklich exekutiert werden. In Italien gibt es harte Strafen, bei uns schert es niemanden."

Oswald Schellmann, Wirt in Wien und Raucheraktivist: Die derzeitigen Gesetze hält der Gastronom für eine charmante österreichische Lösung, ganz zufrieden ist er dennoch nicht. "Es steht nirgends, was ich machen soll, wenn ein Gast trotz Aufforderung seine Zigarette nicht ausdämpft. Ihn mit Gewalt dazu zwingen? Die Polizei rufen?" Ein komplettes Raucherverbot würde zwar für Chancengleichheit sorgen, aber viele kleine Lokale würden dann zusperren. "Das Argument des Nichtraucherschutzes für Mitarbeiter kann ich akzeptieren, das des Gästeschutzes nicht. Die Menschen sind ja keine Idioten und jeder soll selbst entscheiden können, ob er in ein Raucher- oder Nichtraucherlokal geht." Gleichzeitig gibt er sich keinen Illusionen hin. Über kurz oder lang wird die EU ein völliges Rauchverbot verordnen, ist Schellmann sicher. (Michael Möseneder, DER STANDARD Printausgabe, 14.10.2010)

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    foto: cremer, montage: ladstätter
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