Berlin

Zu viele, um sie auszugrenzen

13. Oktober 2010, 20:25

Jeder siebente Berliner ist Ausländer - Rechte chancenlos

Berlin - Doch, auf dem Kottbusser Damm in Berlin gibt es auch deutsche Läden. Aldi zum Beispiel. Sonst aber findet man auf der Magistrale, die Neukölln und Kreuzberg verbindet, hauptsächlich türkische Namen - Aygül Juwelier, Bodrum Imbiss, Zahnarzt Dr. Gülten Cakir. Das jedoch ist ein Teil der Berliner Normalität.

Keine Ausländerwahlkämpfe

Nirgendwo sonst in Deutschland leben so viele Ausländer wie in der deutschen Hauptstadt: rund 450.000. Jeder siebente in Berlin hat also keine deutsche Staatsbürgerschaft. 23 Prozent davon sind Türken. Sie sind vor Serben und Bürgern der russischen Föderation die größte Gruppe. Und dennoch: Ein Ausländerwahlkampf und ein Wahlerfolg wie jener der FPÖ wären in Berlin schlicht undenkbar. 2006, bei der letzten Landtagwahl, wurden die Stimmen von Rechtsextremen nur unter "Sonstige" zusammengefasst.

"Berlin ist immer eine tendenziell linke Stadt gewesen", sagt Steffen Kröhnert vom Berlin-Institut für Bevölkerung zum Standard. Den Westen haben die 68er und viele Wehrdienstverweigerer geprägt, die extra dorthin kamen, um der Bundeswehr zu entgehen. Im Osten ist die PDS sehr stark. Diese ist zwar keine bekennende Multikulti-Partei, grenzt sich aber stark von den Rechten ab.

"Sie sind akzeptiert"

Außerdem: Es gibt in Berlin einfach so viele Ausländer, dass man sie gar nicht mehr ausgrenzen könnte, selbst wenn man wollte. Kröhnert: "Sie sind hier akzeptiert. Studien zeigen ja, dass es vor allem dort Vorurteile gibt, wo auch kaum Ausländer sind." So gesehen wundert sich der Sozialwissenschafter auch ein wenig über den Wahlausgang in der österreichischen Hauptstadt: "Wien ist da eher der Ausnahmefall."

In Berlin gebe es außerdem nicht nur "Problemmigration", sondern auch viele türkische Ärzte oder iranische Unternehmer. Kröhnert: "Von den 16 deutschen Bundesländern hat Berlin den höchsten Anteil von gebildeten Migranten. Das schafft Vertrauen."

Eitel Wonne ist jedoch auch in der Berliner Integrationspolitik nicht alles. Der Neuköllner Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) meinte schon 2004: "Multikulti ist gescheitert." Er verweist auf Viertel, wo deutsche Gesetze nicht viel gelten und kaum jemand Deutsch spricht. Er fordert daher Kindergartenpflicht ab dem ersten Lebensjahr. (bau, DER STANDARD Printausgabe, 14.10.2010)

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20 Postings
donaquijote
20
22.10.2010, 03:32
ja ehh, wiss ma ja - dass es in deutschland tatsächlich solche viertel gegeben hat

... und wenn mir heute einer sagt, multikulti a la germania ist gescheitert, dann freut es mich, weil das war wirklich ein negieren und wegschauen derer, die schon vorher da waren.
und wien war immer anders, es gab immer und gibt eine durchmischung. in wien waren auch die vielen kultur- und sonstigen vereine nicht wirklich isoliert und alleine, nie. es gab auch immer eine gewisse offentheit umgekehrt. da war kein misstrauen. in wien gibt's auch seit ewigen zeiten eine ganz echte moschee - auf die ich auch als wienerin sehr stolz bin.

die frage in wien heute ist eher, ob sich da nicht gewisse soziale milieus aus der gesellschaft abgeschoben fühlen - weil, was da von politikern so aggressiv rüberkommt ist nicht nur ausländerfeindlichkeit.

R1210
46
14.10.2010, 12:01
Wien - Berlin

Zitat:Dabei hat inzwischen beinahe jeder zweite Wiener Migrationshintergrund: 44 Prozent der Stadtbewohner sind entweder selbst im Ausland geboren oder haben zumindest einen Elternteil mit ausländischer Herkunft.

Also ist es in Berlin noch wesentlich besser als in Wien - wobei ja in Deutschland offensichtlich ohnehin die *bessere* Gruppe lebt. Nach Österreich kommt der Bodensatz an Bildung

cannery row
06
14.10.2010, 11:29
..

Da war wohl eher der wunsch Vater des Artikels..

karl65
42
14.10.2010, 10:53
Wunschdenken

Mag sein, dass in Berlin selbst bisher kein "Ausländerwahlkampf" geführt wurde. Aber in den östlichen Bundesländern gibt's enorme Probleme mit Neonazis.

cwebb1977
03
14.10.2010, 11:26

Ein ganzer Artikel handelt von den Problemem mit Ausländern und sie fantasieren reflexartig was von Neonazis zusammen. Wow.

politisch verfolgt
10
20.10.2010, 10:13
die

kommen im artikel aber explizit vor.

Peter the Sleeper
13
14.10.2010, 09:42
ja, ja in berlin is es so super..

man lese mal nach..
http://www.wienerzeitung.at/DesktopDe... cob=521686

so nicht1
00
15.10.2010, 10:21

Kernaussage des Artikels: das Feld den Rechtspopulaisten zu ueberlassen grenzt an Gemeingefefaehrdung. Aber auf dem Ohr ist die SPOE leider taub.

sepp schilehrer
37
14.10.2010, 08:07

Und....soll Berlin vielleicht ein Vorbild für uns sein...?

Soll eh jeder, wie er glaubt, mir graust vor Berliner Zuständen...

Bumbu
 
33
14.10.2010, 12:29
Soll eh jeder, wie er glaubt, mir graust vor Berliner Zuständen...

Ein bißchen Berlin könnte Österreich nur gut tun. Ich habe mich nirgendwo so wohl gefühlt wie in dieser Stadt.

Ich habe übrigens einmal ein Dreivierteljahr in Neukölln gewohnt, war ganz OK dort. Probleme hatte ich nur mit einer pranoiden Mitbewohnering (Bayern), nicht mit den türkischen Kids auf der Straße.

der feuerrote frederik
00
14.10.2010, 15:37
IHNEN GRAUST VOR BERLINER ZUSTÄNDEN?

Bumbu
 
11
15.10.2010, 10:02
Nicht mir sondern dem schilehrenden Vorposter.

Wie ich sagte: Ich finde Berlin toll, hat mehr Lebensqualität als jeder andere Ort, an dem ich gelebt habe.

dieDritteGeneration
13
21.10.2010, 19:21

Würden Sie auch mit Kindern in Neukölln leben wollen, und diese dort zur Schule schicken?

Bumbu
 
00
22.10.2010, 16:48
auch mit Kindern in Neukölln

Kann die Frage mangels Kinder nicht beantworten.

KTHXBYE
01
23.10.2010, 10:26

Das ist wenigstens ehrlich. Kommt auch nicht mehr oft vor.

Konopke
00
14.10.2010, 11:06
z.B. welche?

sepp schilehrer
12
14.10.2010, 12:36

Fussballspiel in Berlin letzte Woche gesehen...?

Chien de Pique
00
14.10.2010, 00:48

Ich dachte, die PDS wurde als solche 2007 aufgelöst?

Li Bra
00
14.10.2010, 14:04

Stimmt. 2007 kam es zum Zusammenschluss von PDS und WASG zur Partei "Die Linke".

kinderansprecher
00
26.10.2010, 14:54

Sieht man sich das Wahlverhalten in Bezirken mit niedrigen Ausländeranteilen an, könnte man kurioserweise eine Verbindung zu Floridsdorf, Donaustadt und Simmering herstellen, wo der Ausländeranteil niedrig ist, die FPÖ jedoch große Wahlerfolge erzielt hat.

Nur dass bei uns eine Partei "Die Linke" als Oppositionspartei fehlt.

http://www.statistik-berlin-brandenburg.de/produkte/... Kap-03.pdf
http://www.statistik-berlin-brandenburg.de/produkte/... Kap-01.pdf

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