Konzept gegen rechts verzweifelt gesucht

13. Oktober 2010, 18:49
  • Artikelbild
    foto: standard/cremer

    Konsequenzen aus den steirischen und Wiener Wahlergebnissen ziehen: Das war der Auftrag für das SPÖ-Präsidium. Werner Faymann, Laura Rudas und Michael Häupl (v. li.) überlegen noch, wie.

Die FPÖ-Wahlerfolge drücken der SPÖ aufs Gemüt - Nun sucht sie eine Linie in der Integrationspolitik, ohne dabei das Gleichgewicht zu verlieren

Wien - 6,1 Prozent gewann die FPÖ in der Steiermark, 11,4 Prozent waren es am Sonntag bei der Wien-Wahl. Die SPÖ sucht nach einem Konzept, um diese Entwicklung zu stoppen - auch aus Eigeninteresse. Was die FPÖ gewinnt, verliert die SPÖ.

Gerade die von den Blauen so bemühte Integrationsdebatte soll noch mehr ins Zentrum der roten Strategie rücken und die Wähler wieder zurückholen. Die SPÖ diskutiert jetzt neue Ansätze. Relativ konkret wurde Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek, die sich für jede Gemeinde einen Beauftragten für Integration wünscht. Parteichef und Bundeskanzler Werner Faymann hofft, durch eine Rot-Weiß-Rot-Card klar zu machen, dass es keinen ungeregelten Zuzug nach Österreich gebe.

Salzburgs Landeshauptfrau Gabi Burgstaller wiederum plädierte dafür, sich möglichst mit den Menschen in betroffenen Regionen auseinanderzusetzen. Es würde nicht schaden, in "Ghettos" mit hohem Ausländeranteil zu gehen und sich die Sorgen der Bevölkerung direkt anzuhören. Jedenfalls gebe es Handlungsbedarf.

Vor einer Sitzung des Bundesparteipräsidiums am Mittwoch äußerten sich die Mitglieder nur vage. Die SPÖ müsse das Thema Integration "viel offensiver angehen", sagte ein Sprecher von Verteidigungsminister Norbert Darabos. Das habe vor allem die Wien-Wahl gezeigt. Zwar habe die SPÖ im vergangenen Jahr in Wien "viel getan" - Stichwort Hausmeister im Gemeindebau -, doch das wolle und müsse man nun "noch stärker als bisher" forcieren. Darabos leitet und koordiniert im Rahmen von Österreich 2020 ein Integrationskonzept. Als Grundlage für die Konzeption gilt der parteiinterne Präsidiumsbeschluss: "Zusammenleben nach klaren Regeln".

Sozialminister Rudolf Hundstorfer ist der Meinung, die SPÖ müsse im Bereich Integration "die Hausaufgaben besser machen". Das bedeute aber nicht einen Ruck nach rechts, sondern dass die richtigen Antworten im Sinne einer toleranten Gesellschaft gegeben werden müssen.

Wahlmotiv Abstiegsangst

Von einem allzu rechtslastigen Kurswechsel raten diverse Politologen der SPÖ ab. Sie würde nur noch mehr Wähler an Blau und Grün verlieren, wenn es jetzt zu einer kopierten "Law and Order"- Haltung kommen sollte, meint Günter Ogris. Er empfiehlt der Partei, sich verstärkt um die Aufstiegschancen Jugendlicher zu kümmern. "Ein Kopftuch beißt niemanden real, die Ängste sitzen ganz woanders." Den FPÖ-Protestwählern gehe es viel mehr um gute Ausbildung und Lebensqualität, als um Zuwanderung. Das sei reine Symbolik. Die SPÖ müsse bei den Abstiegsängsten der Menschen ansetzen.

Der Politologe Peter Filzmaier bewertet den anvisierten Spagat der Roten als "unlösbar". Lang hätten diese den Fehler gemacht, das "Ausländerthema" auf Asyl zu reduzieren. Filzmaier fragt sich, ob die SPÖ wirklich dorthin schaue, "wo es wehtut". Sie solle sich darauf konzentrieren, den Mehrwert und die Notwendigkeit von Migranten zur Finanzierung des Sozialsystems zu vermitteln. Ein eigenes Staatssekretariat oder Ministerium für Integration würde nur dann Sinn machen, wenn es auch reale Kompetenzen zugeteilt bekomme. (APA, juh, fib, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.10.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 314
1 2 3 4 5 6 7
cantanto
01
23.12.2010, 16:47
Kann sich noch wer an den schwer faschistoiden Innenminister Löschnak erinnern?

Der hat alle Forderungen Heiders erfüllt und diese noch bei weitem "übertroffen". Alles um die proletoide Na*ikernwählerschichte zu halten.

Es hab nach WW2 ein Abkommen zwischen ÖVP und SPÖ keine Na*is aufzunehmen, doch die SPÖ hat das im großen Stil gemacht, so war auch der Ex-LH von Kärnten, der Poldi W, ein bekennender HJler und so haben ziemlich alle Kärntner SPÖ Bürgermeister Wahlempfehlungen für das Jörgale abgegeben.

Die Verlogenheit in dieser Partei ist himmelschreiend!

cantanto
31
23.12.2010, 16:31
Was für ein Lügenhaufen!

Wie soll eine Partei bitte ein "Konzept gegen Rechts" entwickeln, wenn sie selber seit Jahrzehnten eindeutig rechts steht - meist rechts von der ÖVP und oft auch rechts von den braunen?

Mit "bekennenden" Ex-LHs und dergleichen braunen Bodensatz, die Haiders Wahl zum LH unterstützten sowie Funktionären besonders in Wien, bei denen sogar manchen FPÖler schwindlig wird, weil er glaubt er sei Kommunist!

Die Roten in Österreich sind im Durchschnitt eine nationalsozialistische Partei!

tintin68
00
Legastheniker und Farbenblind ?

@cantano...der SPÖ nachzusagen sie sei eine nationalsozialistische Partei ist sowas von Unsinn, daß es eigentlich nur noch weh tut so einen Blödsinn lesen zu müssen. Die Tatsache, daß es in jeder großen Bewegung auch einzelne weniger rühmliche Mitglieder gibt sollte nicht zu so dermaßen dummen Aussagen Anlaß geben. Auch wenn du die SPÖ nicht magst ändert das nichts daran, daß diese Partei immerhin versucht vernünftig und sozial gerecht zu agieren und bei weitem nicht in dem Maß, wie ÖVP und FPÖ ihre eigenen Leute zu versorgen, sich daran unverschämt persönliche Vorteile verschaffen, und vor allem sich dauernd zu Dingen zu äußern von denen sie offensichtlich keine Ahnung haben (z.B. Soziales, Bildung und Schule)

Walter J. Ferstl
11
21.12.2010, 11:03
"Konzept gegen rechts"

Niessl und Schlögl hinauszuwerfen wäre schon einmal ein Anfang...

x12r13
00
20.12.2010, 13:14
Falsche Grundannahme

"Sie solle sich darauf konzentrieren, den Mehrwert und die Notwendigkeit von Migranten zur Finanzierung des Sozialsystems zu vermitteln."
Umkehrthese: Wenn es keine Migranten gibt, was genau hat der Durchschnittssozialhilfeempfänger für Nachteile?
Welche Nachteile hat die Mittelschicht?
Welche Nachteile hat der Industrielle?
Es wird immer mit "Arbeiten die sonst keiner macht" argumentiert. Wer hat die Arbeiten gemacht bevor die Ausländer ins Land gekommen sind?
Oder reden wir schon wieder von hochbezahlten kosovarischen Schlüsselarbeitskräften?

Strache - der kürzeste Witz Österreichs!
11
1.11.2010, 16:42
Lasst ihn doch regieren wie schon einmal

mein Gott wäre der erschrocken!
Das geht ein paar Wochen gut dann ist das Land um noch mehr Spesen ärmer, alles durcheinander was jemas aufgebaut worden ist und dann schleicht ersich mit den Kärntner Kasnudeln wieder!
Ihr Land ist ihnen ja nichts mehr wert, denn da gibts nichts mehr heraus zu holen, die haben sie schon abgenegert!
Bei den Wählern aber ist alles möglich, weil denen ist das Land egal Hauptsache die blau retuschierten Augen für die Mädchen und der Held für die bleden Buam!
Lauter depperte, die keine Ahnung haben und auch nicht nach sehen was uns passiert ist mit den FPÖlern schon 3 MAL, in ein paar Tagen mitregieren.
Und sie schnallen auch nicht, dass die Sponsoren Industrielle sind die nix für kleinen über haben!

Gimli
00
30.10.2010, 23:39

Schön langsam wird mir klar, wieso auch ein Strache immer mehr zulegt.
"Ein Kopftuch beißt niemanden real, die Ängste sitzen ganz woanders."...und anderen Aussagen kann kaum noch wer hören.
Die Multikulti-Bewegung und ihr wesentlichster verbliebener Effekt, den türkischen Nationalismus in Europa zu fördern, hat bei der Bevölkerung nicht nur abgedankt. Sie ist auch nie dort angekommen und ist vielmehr das ideologische Experiment einiger gar nicht elitärer Eliten geblieben.
Dabei hätt schon der Kommunismus gelehrt, das Systemziele, die menschlichen Natur zu ändern, entweder scheitern oder eben die ganze Gruppe scheitert. Da kann man Propaganda machen soviel man will. Der Mensch ist wie er ist. Diese Energie ist leider nur Verschwendung

Laird of Glenmore
00
17.10.2010, 20:56
Wie wäre es mit Resozialdemokratisierung der SPÖ?

Wenn Wort und Tat wieder übereinstimmen, wird sich die Glaubwürdigkeit der SPÖ erhöhen.

Ein bissl auf Victor Adler besinnen täte jedenfalls nicht schlecht ...

Plato
12
15.10.2010, 20:01
Akzentuiertes Profil zeigen

gesucht:
leistungsorientiert und trotzdem sozial wo nötig,
gegen Korruption und Vertuschung,
zukunftsorientiert und tolerant, aber wertkonservativ,
international trotz gesundem Patriotismus
Verwaltungsreform und zeitgemäßes Schulsystem,
Elitenbildung nur aufgrund von Fähigkeiten

nicht gefragt:
Nationalismus, Radikalität jeder Art,
Korruption, Vertuschung
Verschleppung von Skandalen bis in die Ewigkeit,
Funktionärs-Apparatschiks,
Elitenbildung aufgrund von Herkunft und Vermögen
Betonierer zur Verteidiugung von Priviliegien,
Bundesländer-Kantönli-Geist und übersteigerter Föderalismus,

J H1
00

brauchbarer Ansatz!

Maximinianus
20
16.10.2010, 22:53
Gesunder Partriotismus:

das klingt so wie gutartiger Tumor! (c) Marc Uwe Kling

J H1
00

sagst du nicht "I'm from Austria" wenn du im Ausland bist? liest du gerne, dass ein oesterr. Sportler einen internationalen Wettkampf gewinnt? freust du dich wenn Oe in einem internationalen Vergleich gut abschneidet? dann brauchst du dich nicht schaemen, das ist gesunder Patriotismus.

skip it
03
15.10.2010, 08:38
wie waer's mir aufrechtem gang?...

Martin Boeker
 
11
14.10.2010, 20:08
Wie wärs mit Soldarität?

Vielleicht finden sich Sozialdemokraten, die sich dafür einsetzen.

Pierre d´Aubusson
00
16.10.2010, 18:38
"ari" und "v"

Die Anzahl der "aris" und der "v"´s, die ich den Genossen schon geschenkt habe, also in Vorleistung gegangen bin, ist groß.
Bei den Gewerkschaftern, die verstanden haben, worums den Leuten geht, habe ich mich schon persönlich bedankt. Einer ist noch in Amt und Würden, ein anderer Anständiger, der immer aufrecht ging, wohnt bei mir in der Großgemeinde. Er ist zurückgetreten, weil er sich nicht bücken wollte.
Mein eigener (jetzt Sozialminister) war nicht unter denen, denen ich je Dank schuldete.

Und solange wir mit Solidität statt Solidarität abgespeist werden können, werden sie von Revolution sprechen können, soviel sie wollen, es kommt höchstens eine Resolution heraus.
Obenauf sind die Kriecher, die Karrieristen...

Schwalbe
22
14.10.2010, 17:53
Faire Pensionen für alle, Grundeinkommen und runter mit den Mieten!

Schluss mit hohen Spekulationsgewinnen auf Wohnimmobilien, auf grundlegende Nahrungs-, Kommunikations- und Verkehrsmittel!

Schwalbe
21
14.10.2010, 17:48
Freier Bildungszugang für Kinder und Erwachsene!

Schwalbe
20
14.10.2010, 17:47
Reisefreiheit für alle über die EU-Grenzen hinaus!

J H1
00

wo darfst du denn nicht hinreisen, schwalbe?

Schwalbe
20
14.10.2010, 17:46
Wahlrecht nach nach 3 Jahren Aufenthalt!

(unabhängig von der Staatsbürgerschaft)

Schwalbe
12
14.10.2010, 17:38
Offenlegung aller Parteifinanzen!

ignazius rummsfeld
01
14.10.2010, 17:07
Konzept gegen rechts verzweifelt gesucht...

Weniger Korruption!

Nichtschweiger
 
24
14.10.2010, 16:43
Es würde mir eine gewisse Schadefreude bereiten die SPÖ....

...vor dem von ihr angerichteten Scherbenhaufen (nicht nur in der Integrationspolitik) stehen zu sehen und ihre Ratlosigkeit zu erleben wenn nicht auch diejenigen Österreicher die diese Partei nie gewählt haben (weil sie schon vorher gewußt haben wo das endet) diesen Mist verfehlter sozialistischer Politik auszubaden hätten.

Insulaner1
13
14.10.2010, 15:37
Arbeiterpartei

Man merkt einfach nix mehr davon dass die SPÖ eine Arbeiterpartei ist. Die SPÖ ist für Migranten da, die SPÖ ist für Muslime da, die SPÖ ist für Frauen da, aber ist sie auch für ArbeiteInnen da? Wenn ja, merken tut man davon nicht unbedingt etwas.

J H1
00

deswegen geht's den Immigranten sooo gut in
Wien, gell?! und deswegen waehlst du den Strache....

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 314
1 2 3 4 5 6 7

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.