Arktis-Expedition kehrt mit Sorgenfalten zurück

13. Oktober 2010, 18:06
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Kieler Forscher resümieren: Arktisches Ökosystem "alles andere als stabil"

Kiel - Nach einer fünfwöchigen Sommerexpedition sind Forscher des Kieler Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) aus der Arktis zurückgekehrt. Die deutsch-russische Expedition TRANSDRIFT XVII, die am 1. September im russischen Hafen Tiksi startete, ist Teil des Projekts "Laptewsee-Polynja", benannt nach dem untersuchten Randmeer des Nordpolarmeers. Als "Polynja" wird eine offene Wasserfläche inmitten einer Eisregion bezeichnet.

Ziel der Expedition war die Untersuchung von einer der Schlüsselregionen der arktischen Meereisproduktion, eben der Laptewsee sowie Teilen der angrenzenden Karasee. Neben hunderten von Wasserproben aus verschiedenen Tiefen, mit deren Hilfe meereschemische und meeresbiologische Parameter bestimmt und im Vergleich mit älteren Daten auf Veränderungen untersucht wurden, lag ein Schwerpunkt auf der Untersuchung der meeresphysikalischen Parameter. Dazu gehörten etwa hochauflösende lokale Messungen vom Schiff aus. Außerdem bargen die Forscher Langzeit-Meeresobservatorien, die für ein Jahr vor Ort unter Wasser Daten sammeln konnten, und brachten diese nach dem Auslesen der Daten für ein weiteres Jahr wieder in Position. Die Beobachtungen dieser Langzeit-Meeresobservatorien geben zum einen Rückschlüsse auf langfristige reale Veränderungen der Arktis und liefern zum anderen die Grundlagen für Modellrechnungen und Prognosen.

Klarer Trend, unabsehbare Folgen

"Das detaillierte Auswerten der Daten nimmt zwar einen längeren Zeitraum in Anspruch, aber schon nach erster Sichtung der Daten an Bord wird deutlich, dass das sensible System der Arktis alles andere als stabil genannt werden kann", so das erste Fazit des Expeditionsleiters Torben Klagge vom IFM-GEOMAR. Der leitende Ozeanograph, Sergej Kirillow vom Arctic and Antarctic Research Institute im russischen St. Petersburg, zeigt sich vor allem besorgt über das deutlich wärmere Wasser in verschiedenen Tiefen: Es könne direkt für eine zeitlich verzögerte und vor allem verminderte Meereisbildung verantwortlich gemacht werden.

Igor Dmitrenko vom IFM-GEOMAR erklärt die Erwärmung mit dem Einfließen von atlantischem Wasser, das normalerweise nur in den tieferen arktischen Becken zirkuliert, aber in den vergangenen Jahren überraschenderweise mehr und mehr auch in den flachen Schelfregionen auftritt. Dieser Trend ließ sich seit 2000 zuerst auf den sibirischen Schelfen beobachten und tritt hier auch heute noch am deutlichsten zutage - hat jedoch Auswirkungen auf die gesamte arktische Eissituation: Das hier produzierte Meereis wandert mit Hilfe der Transpolardrift bis nach Grönland, so dass Änderungen in der Menge direkte Folgen für das europäische Klima haben. Gerade die Laptewsee, die einen Anteil von knapp einem Drittel an der arktischen Meereisproduktion hat, ist eine Schlüsselregion für diese sich schnell verändernden Prozesse. Welche weitreichenden Auswirkungen die laufenden Veränderungen auf das globale Meeresökosystem haben werden, ist nach den Forschern zufolge noch nicht einmal grob abzuschätzen. (red)

  • Luftaufnahme der Laptewsee-Polynja
    foto: heidemarie kassens, ifm-geomar

    Luftaufnahme der Laptewsee-Polynja

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