Bürokratie schreckt tausende Touristen ab

13. Oktober 2010, 11:11
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Der wachsende Markt in China und Indien bleibt Europa zum Teil verschlossen, weil Reisende vor dem Aufwand für ein Visum zurückschrecken

Laut einem Bericht der European Tour Operators Association (ETOA) sind die Bedingungen für den Erhalt eines Visum für Europa für viele Reisende so kompliziert, dass sie lieber auf die Reise verzichten. Insgesamt sind es über 450.000 Touristen jedes Jahr, die vor den Visumaformalitäten für Europa zurückschrecken. Das meldet das Online-Branchenmagazin Focus on Travel News.

Vor allem Inder und Chinesen verzichten aufgrund des umständlichen, langwierigen und wenig entgegenkommenden Prozederes in europäischen Ländern auf die Reise. Besonders kompliziert ist das Erlangen eines Visums für Großbritannien, so dass es hier auch am häufigsten passiert, dass potentielle Besucher ihre Pläne rückgängig machen. Über 58.000 Reisewillige haben ihre Reise nach Großbritannien abgeblasen, da die Visumformalitäten zu lange gedauert haben. 314.000 haben aufgrund des Aufwands nicht einmal versucht, ein Visum zu beantragen. Ebenfalls wenig Unterstützung erhalten Touristen aus Frankreich.

Bevor ein Antragsteller aus China beispielsweise ein Visum für Großbritannien erhält, muss er den Antrag auf Englisch ausfüllen und beim Konsulat vorsprechen. Dort werden Fingerabdrücke genommen und Fragen über das Privatleben, die Gesundheit und die Besitzverhältnisse gestellt. Zu guter Letzt wird dann manchen Antragstellern auch noch ein negativer Bescheid übermittelt. Aber der weitaus größere Teil verzichtet überhaupt auf die Reise, weil der Prozess zu lange dauert und zu entwürdigend ist.

"Antragsformular müssen in der Sprache des Antragstellers zur Verfügung stehen", ist Tom Jenkins von ETOA überzeugt. "Alles andere ist eine Missachtung der einfachsten Verkaufsregeln und alles andere als Einladend für Reisende. Es spiegelt nur die Arroganz gegenüber dem Antragsteller wider. Es ist unvorstellbar, dass man in China von Europäern erwarten würde, dass sie ihren Antrag auf ein Visum auf Chinesisch ausfüllen."

China ist einer der am stärksten wachsenden Märkte für den Europäischen Tourismus. 26 Prozent der potentiellen Besucher aus China haben jedoch ihre Reisepläne rückgängig gemacht, weil der Prozess zum Erhalt eines Schengenvisums einfach zu langsam von statten geht.

Deutschland geht in dem ETOA-Bericht übrigens als das beste Beispiel hervor und überzeugt mit Pünktlichkeit, schneller Abwicklung, Flexibilität und Freundlichkeit.

Die aus der umständlichen Bürokratie resultierenden Verluste für den europäischen Tourismus werden von der ETOA auf rund 500 Millionen Euro pro Jahr geschätzt. (red)

 

  • Bis ein Schengenvisum im Reisepass klebt sind einige Hürden zu nehmen - manchmal auch zu viele.
    foto: wikiedia.org

    Bis ein Schengenvisum im Reisepass klebt sind einige Hürden zu nehmen - manchmal auch zu viele.

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