Wenn Maschinen miteinander kommunizieren

12. Oktober 2010, 19:24
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Post-PC-Zeitalter, digitale Vernetzung und Web-Evolution: Experten legten bei einer Tagung ihre Visionen dar

Das Internet der Zukunft wird zu weiten Teilen von der Kommunikation zwischen Maschinen beherrscht sein: Bereits in zwei Jahren könnte das Datenaufkommen für die Verständigung von Maschine zu Maschine (M2M) größer sein als der zwischenmenschliche Austausch, lautete die programmatische Klammer der Veranstaltung "Was verspricht uns die digitale Vernetzung?" Diese fand im Rahmen des Forums "Zukunft heißt Innovation" statt, das vergangene Woche vom Verkehrsministerium im Wiener Museumsquartier abgehalten wurde.

Dort traf Wolfgang Wahlster, Direktor des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz in Saarbrücken, auf heimische Vertreter aus Wissenschaft und Wirtschaft, um in die technologische Kristallkugel zu blicken. Und zu rekapitulieren, was die Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) schon heute können.

Bereits seit einem halben Jahrhundert, holte Wahlster aus, habe sich der Siegeszug des Computers abgezeichnet, und damit den Grundstein dafür gelegt, dass Computer-Know-how heute als "vierte Kulturtechnik" gelte - neben Lesen, Schreiben und Rechnen. Bereits um 1960 war der Zentralrechner mit vielen Benutzern für Großunternehmen erschwinglich geworden; 20 Jahre später gab es den Heim-PC für jeden, und um die Jahrtausendwende zeigte sich, dass zunehmend Einzelpersonen über mehrere Computer(-zugänge) verfügen. Heute, im "Post-PC-Zeitalter" (Wahlster), sind handliche Smartphones, mit denen die wichtigsten Computerfunktionen in die Westentasche passen, keine Besonderheit mehr.

"Weg vom Browser-basierten Netz, rein in die Systeme", definierte TU-Wien-Wirtschaftsinformatikerin Gerti Kappel die Web-Evolution. Als Beispiel nannte sie den Kugelschreiber mit Prozessor, "der sich das Geschriebene merkt". Via Funknetz wird es sofort auf einen Server geladen und ist unmittelbar nach einem Termin zur Bearbeitung bereit.

Ohne das Internet als Kommunikationsplattform hätten vor allem kleinere Unternehmen kaum mehr eine Chance, versicherte Stefan Poledna, Vorstandsvorsitzender der Wiener Firma TTTech (Time-Triggered Technology). Vor elf Jahren gegründet, beliefert das Unternehmen heute Auto- und Flugkonzerne wie auch die US-Raumfahrtbehörde Nasa mit Steuersystemen.

In hochkomplizierten elektronischen Prozessen, die Gefahren für Leib und Leben ausschließen sollen, komme es auf die bestmögliche Steuerlogik an: Nicht nur, dass eine technische Intervention erfolgt, wenn im erwarteten Ablauf etwas schiefgeht, sondern auch, wann und in welcher Reihenfolge bestimmte Aktionen gesetzt werden, spiele eine Rolle. "Wenn die Ampel auf Grün schaltet und Sie erst nach fünf Minuten losfahren, dann ist das wahrscheinlich problematisch", erläuterte Poledna. Die Kommunikation der Steuereinheiten innerhalb des Systems - ob Auto oder Spaceshuttle - ist genau so wichtig wie deren Rückkoppelung mit der Steuerzentrale: digitale Vernetzung eben.

Markus Beck beschrieb eine der Herausforderungen seines Arbeitgebers, des Seilbahnherstellers Doppelmayr, folgendermaßen: "Wie bleibt das Seil in der Rolle?" Ziel des zu entwickelten Systems war es, dass die Seilbahnstationen eine Meldung erhalten, sobald sich ein Problem anbahnt - und nicht erst, wenn ein Seil schon herausgesprungen ist. Die Lösung: Sensoren an jeder Rolle. Bewegt sich ein Trägerseil zu weit seitlich, erfolgt eine Warnung und die Fahrtgeschwindigkeit sinkt - wodurch das Seil an seinen Platz zurückpendelt. Wenn das Seil aufgrund starker Winde trotzdem seine Bahn verlassen sollte, wird das ganze System gestoppt. Auch hier spiele die Reaktionszeit eine wichtige Rolle, sagte Beck, um einem tragischen Unfall vorzubeugen. Verbesserungspotenzial des zum Standard erhobenen Systems sieht er im Funk: Die kabellose Vernetzung würde die Reaktionsgeschwindigkeit und damit die Sicherheit steigern.

Schlaue Stromzähler

Karl Derler, Geschäftsführer der Linz Strom Netz GmbH, verwies auf jene 20 Prozent seiner Kunden (oder 50.000 Haushalte), die bereits über ein "Smart Meter" verfügen: Das sind intelligente Stromzähler, die den Stromverbrauch aufzeichnen und Spitzenverbrauchszeiten darlegen. Die Daten werden an einen Zentralrechner geschickt, der wiederum die Gesamtdatenströme analysiert. Mittelfristig, schwebt Derler vor, soll so die Stromlieferung dem Bedarf angepasst werden. Zudem könnte Strom dann geliefert werden und wichtige Maschinendienste wie etwa der Waschmaschine genau dann erledigt werden, wenn genug Energie lieferbar ist - und nicht nur, wenn der Preis gerade niedrig ist. Man war sich einig: Digitale Netze werden noch für so manche Innovation sorgen. (Bernhard Madlener /DER STANDARD, Printausgabe, 13.10.2010)

 

  • Schon heute melden Sensoren im Vor- hinein, ob ein Seil aus der Rolle zu geraten droht. Die Zukunft könnte aber noch ausgeklügeltere Sicherheitssysteme bringen.
    foto: doppelmayr

    Schon heute melden Sensoren im Vor- hinein, ob ein Seil aus der Rolle zu geraten droht. Die Zukunft könnte aber noch ausgeklügeltere Sicherheitssysteme bringen.

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