Sponge-Bob auf Speed

12. Oktober 2010, 18:14
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Zu einem Fixpunkt familiärer Debatten zählt mit Sicherheit der TV-Konsum der Kinder

Die Last der Erziehung mag vielfältig sein und jeden Tag mit neuen Problemen locken. Zu einem Fixpunkt familiärer Debatten zählt mit Sicherheit der TV-Konsum der Kinder. Einvernehmliche Regelungen werden zwar berücksichtigt und/oder sogar eingehalten. Man soll schließlich auch dem pädagogischen Gegner Respekt erweisen. Allerdings maulend und das Erziehungssystem ständig kritisch infrage stellend: "Du schaust auch jeden Tag Nachrichten. Warum wirst du nicht dumm vom Fernsehen?"

Ruhe jetzt! Wer krank, arm und also mehrere Tage lang mit Grippe im Bett liegt, darf ebenso fernsehen, wie es sich der Nachwuchs nicht nehmen lässt, Gottschalk und Florian Silbereisen zu verehren. Ersterer wird zu Hause zähneknirschend geduldet. Beim ostdeutschen Erbschleicher müssen die Kinder zur Trash-Nachbarin ausquartiert werden. Sie hat sie schließlich mit metrosexuellem Humtata angejunkt.

Junkies reagieren auf Crack übrigens ähnlich wie Kinder auf Fernsehen. Während man sich an Bücher oder Heroin erst mühsam gewöhnen muss, ist man bei Crack und KiKa schon nach dem Erstkonsum volle Kanone abhängig.

Seit die Kinder erwachsen werden und das Sandmännchen ablehnen, kreischt derzeit übrigens gern "iCarly" aus dem Apparat. Diese rund um die fiktive anarchistische Internet-TV-Show dreier US-Teenager gebaute, derzeit in der Zielgruppe des deutschen Senders Nickelodeon erfolgreichste tägliche Serie mit ihren hunderten Seitenhieben auf die Popkultur kreischt zwar hysterisch aus den Boxen wie Sponge-Bob auf Speed. Allerdings stellt man auch als Erwachsener bald bedenkliche Suchterscheinungen an sich fest. (Christian Schachinger/DER STANDARD; Printausgabe, 13.10.2010)

  • Teenager in "iCarly".
    foto: www.nick.de

    Teenager in "iCarly".

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    Miranda Cosgrove, Star in "iCarly".

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