Österreich schneidet bei Gleichstellung der Frauen mäßig ab

12. Oktober 2010, 18:01
467 Postings

59 Prozent aller Länder haben die Benachteiligung der Frauen im Vergleich zum Vorjahr reduziert, geht aus einer neuen Studie hervor. Österreich verbesserte sich leicht auf Platz 37, hat aber nach wie vor große Defizite

Österreich hat sich beim vom World Economic Forum erhobenen "Gender Gap" um fünf Plätze verbessert, mit Rang 37 ist das Land in Sachen Frauen-Gleichstellung aber weit von der Spitze entfernt. Ganz vorne landeten erneut vier von Island angeführte skandinavische Staaten, gefolgt von Neuseeland. Eruiert werden in der dem Standard vorliegenden Studie die Stellung der Frau in Wirtschaft und Politik sowie ihre Ausbildung und Lebenserwartung.

Die mäßige Position Österreichs ist vor allem Folge der - im Vergleich zu Männern - schlechten Bezahlung (Platz 122) und des geringen Anteils von Führungspositionen in Verwaltung und Wirtschaft. In politischen Funktionen sind Frauen hingegen relativ gut vertreten. Schlusslicht des neuen Rankings ist Jemen.

*********

 Wien - So schnell kann es gehen: Frankreich hat seit der Erstellung des letzten WEF-Gender-Berichts weniger Frauen in der Regierung, die USA haben den weiblichen Anteil in führenden öffentlichen Positionen dagegen erhöht. Während Frankreich vom 18. auf den 46. Platz in Sachen Frauengleichstellung durchgereicht wurde, verbesserten sich die USA deutlich und schafften erstmals den Sprung unter die besten 20 Staaten. An der Spitze hat sich wenig verändert. Island führt vor drei weiteren skandinavischen Staaten (siehe Grafik).

Das WEF (World Economic Forum) ist jener Thinktank mit Sitz im Kanton Genf, der jährlich die Crème de la Crème aus Wirtschaft und Politik zum Gedankenaustausch in Davos versammelt. Im "Gender Gap Report" werden nicht nur die Einkommensunterschiede analysiert, sondern auch Faktoren wie der Anteil der Frauen an der Beschäftigung, an wirtschaftlichen oder öffentlichen Führungspositionen sowie deren Ausbildung und Lebenserwartung. Laut aktuellem Bericht haben sich gegenüber 2009 immerhin 59 Prozent der 134 Länder verbessert. Seit der ersten Analyse 2006 konstatiert Studien-Mitautorin Saadia Zahidi einen Fortschritt in 86 Prozent der Staaten.

Österreich kommt dabei nicht so recht vom Fleck. Zwar verbesserte sich das Land gegenüber dem Vorjahr vom 42. auf den 37. Platz, doch geht das eher auf eine Verschlechterung bisher vor Österreich gelegener Staaten zurück. Die vom WEF anhand der genannten Kriterien ermittelte Lücke zwischen Frauen und Männern wurde wie schon 2009 erst zu 70 Prozent geschlossen. Zum Vergleich: Island kommt auf 85, Schlusslicht Jemen auf 46 Prozent.

Die mäßige Platzierung ist vor allem auf die Ungleichbehandlung der Frauen in der Wirtschaft zurückzuführen (Rang 102), während die Stellung in der Politik (23) weit besser ausfällt. In ersterem Feld schlägt sich die ungleiche Bezahlung bei gleicher Tätigkeit nieder - bei diesem Unterpunkt kommt Österreich auf Platz 122 zu liegen. Auch bei Top-Positionen der Frauen in Verwaltung und Konzernen (74) sowie bei Facharbeitern (72) hat das Land große Defizite. Im Bereich Politik schafft Österreich beim Faktor Anzahl der Frauen in der Regierung die einzige Top-10-Platzierung. Beim Geschlechter-Verhältnis im Parlament kommt es immerhin noch auf den 26. Rang.

Beim Länder-Index liegen von den alten EU-Mitgliedern nur Frankreich, Griechenland und Italien hinter Österreich. Unter den Top-20 finden sich neben Industriestaaten Lesotho, die Philippinen, Südafrika und Sri Lanka. Die rote Laterne unter den entwickelten Ländern trägt mit Platz 94 Japan. Auf alle 134 Länder umgelegt, zeigt sich, dass die mangelnde Gleichstellung vor allem aus der politischen Benachteiligung resultiert, gefolgt von jener in der Wirtschaft. Bei Gesundheit und Bildung gibt es kaum geschlechtsspezifische Unterschiede. (as/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.10.2010)

  • Artikelbild
    grafik: der standard
  • Bild nicht mehr verfügbar

    Zaghaft, aber doch: Österreich hat sich im internationalen Vergleich in Sachen Gleichstellung verbessert. Der Wermutstropfen dabei: Das geht auf eine Verschlechterung bisher vor Österreich gelegener Staaten zurück.

Share if you care.