Schön tot

12. Oktober 2010, 17:00
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Beim zweiten Salzburger Krimi-Fest treten bis Freitag zahlreiche heimische Autoren mit Mord, Totschlag und Spannung auf

Salzburg - Dass das Böse immer und überall ist, belegt das zweite "Krimi-Fest" in Salzburg. Morgen beginnt der Großeinsatz zehn deutschsprachiger Autoren mit dem einzigen nichtösterreichischen Vertreter: Der 51-jährige Deutsche Friedrich Ani hat einen syrischen Vater und zuletzt "Die Tat" (dtv) veröffentlicht. Darin heftet sich Hauptkommissar Max Vogel an die Fersen eines Serienkillers, überraschende Wendungen sind garantiert.

In eine Zeit des millionenfachen Massenmords führt "Mandragora" (Braumüller) der irakisch-österreichischen Autorin und Filmemacherin Susanne Ayoub: Die junge Lehrerin Petra Wolf hat Nazi-Gefängnis und Krieg überlebt, als sie im zerbombten Wien 1945 ihre Freiheit wiederfindet. Was steckt hinter dem vermeintlichen Mordversuch an der Familie ihres Schuldirektors? Welche Rolle spielt eine esoterische Geheimloge, in der sich Nazis mit gutbürgerlicher Fassade bizarren Sexritualen hingeben?

Apropos gutbürgerliche Fassade - das brisante Thema Kindesmisshandlungen behandelt Paulus Hochgatterer in "Das Matratzenhaus" (Deuticke): Eine rätselhafte Missbrauchsserie in einer fiktiven österreichischen Kleinstadt ruft Kommissar Kovacs und Psychiater Horn auf den Plan.

"Evelyns Fall" (Folio Verlag) heißt Eva Rossmanns neuer Roman, in dem eine Sozialhilfeempfängerin tot aufgefunden wird. "Der Metzger holt den Teufel" (Piper) von Thomas Raab sowie Wolfgang Murnbergers Verfilmung des Haas-Romans "Der Knochenmann" beenden die Donnerstag-Metzelei.

Am Freitag liest der 53-jährige Wiener Erwin Riess aus seinem jüngsten Roman "Herr Groll und der rote Strom" (Otto Müller): Der rollstuhlfahrende Protagonist aus Floridsdorf betreibt eine Lebensberatungskanzlei im Heurigenlokal, daneben sorgt der Donauschiffer für einen herzmaroden Fischer. Als die Leiche einer jungen Frau angeschwemmt wird, führen Spuren zu einer Verschwörung in der feinen Gesellschaft.

Kurt Palm drückte einst in der Vöcklabrucker HAK mit Innenministerin Maria Fekter die Schulbank. Einen natürlich rein fiktiven Nachhall findet dies in "Bad Fucking" (Residenz): ein toter Sonderling, die Suche nach der vermissten Innenministerin, die als Bauunternehmerin ein Asylantenheim errichten lässt, kompromittierende Fotos, Erpressung und eine Hitzewelle suchen den nahe Petting gelegenen Ort heim.

"Schön tot" sind die weiblichen Opfer im gleichnamigen Serienkillerkrimi (Haymon) von Edith Kneifl. Zum Finale gibt O. P. Zier die "Mordsonate" (Residenz) und Manfred Baumann den "Jedermanntod" (Gmeiner). Danach Party. (Gerhard Dorfi/DER STANDARD, Printausgabe, 13.10. 2010)


>> 14. & 15. 10.: Salzburg, Literaturhaus, 19.00

  • Eva Rossmann kommt mit ihrem Roman "Evelyns Fall"  zum Salzburger 
Krimi-Fest.
    foto: andy urban

    Eva Rossmann kommt mit ihrem Roman "Evelyns Fall" zum Salzburger Krimi-Fest.

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