ORF-Inforedakteure stimmen für Dittlbacher als TV-Chefredakteur

12. Oktober 2010, 16:00
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Deutliche Mehrheit für den derzeit stellvertretenden Innenpolitikchef - Redakteurssprecher fordern objektive Vergabekriterien

Wien - Mit deutlicher Mehrheit stimmten die ORF-Inforedakteure Dienstag für Fritz Dittlbacher als neuen TV-Chefredakteur. Er erhielt bei der Redakteursversammlung 49 Stimmen, je elf Redakteure sprachen sich für den "ZiB 2"-Sendungsverantwortlichen Wolfgang Wagner und "ZiB 2"-Moderator Armin Wolf aus. Der ORF soll dem Vernehmen nach in den nächsten Tagen Dittlbacher offiziell bestätigen.

In das vordergründig einmütige Procedere mischten sich kritische Stimmen am Küniglberg. Im Mail an General Alexander Wrabetz merkte die Redakteursversammlung an, es sei "unverzichtbar, endlich objektive Kriterien für Postenbesetzungen zu schaffen, Assessments nach eindeutigen, nachvollziehbaren, verbindlichen Kriterien und mit gesicherter Vertraulichkeit durchzuführen."

Die ÖVP sieht in Dittlbacher den Wunschkandidaten von SPÖ und Kanzler Werner Faymann. Dittlbacher, 1963 geboren, studierte Geschichte und Publizistik und ging 1984 zur Arbeiterzeitung (AZ), die damals noch SPÖ-Parteiorgan war. Chefredakteur Robert Hochner bestellte ihn nach der AZ-Privatisierung zum Innenpolitikchef.

Unter Kollegen gilt Dittlbacher aber keineswegs als Parteisoldat. Beim ORF durchlief Dittlbacher die Stationen Innenpolitik sowie Hörfunk und er war EU-Korrespondent in Brüssel.

1999 verschwanden aus einem "ZiB"-Beitrag über die Euroteam-Affäre zwischen Fertigstellung des Beitrags und Sendung acht Sekunden. Acht Sekunden, in denen der Name von Kanzlersohn und Euroteam-Manager Jan Klima vorkamen. Verantwortlich für die Sendung: der damalige Chefredakteur Robert Stoppacher und als diensthabender Redakteur Fritz Dittlbacher.

Verwandtschaftsbeziehungen

Dittlbacher tritt seinen neuen Job nach seiner Vaterkarenz an. Seine Frau Lou Lorenz bleibt weiterhin am Bildschirm bei der ZiB 2. Eine diesbezügliche Weisung aus Gerd Bachers Zeiten über verbotene Verwandtschaftsbeziehungen wird laut ORF-Geschäftsführung nicht wirksam. Vakant wurde der Job nach Karl Amons Bestellung zum Hörfunkchef. Dittlbacher braucht noch einen Stellvertreter. Der Posten wird nicht ausgeschrieben, sondern nach hausinterner Geschäftsverteilung vergeben. An oberster Stelle steht dabei offenbar Innenpolitikchef Hans Bürger. Als weitere Interessenten werden ZiB 2-Anchor Armin Wolf und ZiB 2 -Sendungschef Wolfgang Wagner gehandelt. Beide bewarben sich auch schon für jenen Posten, den nun Dittlbacher bekommt.

Sparzwängen zum Opfer fallen könnte der Job des ORF-1-Infochefs nach Waltraud Langers Wechsel zu den ORF-Magazinen. (Doris Priesching/DER STANDARD; Printausgabe, 13.10.2010/APA)

  • Fritz Dittlbacher.
    foto: standard/newald

    Fritz Dittlbacher.

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