Sag mir, was du für die Gesellschaft tust

12. Oktober 2010, 17:02
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Wer Gutes tut, soll darüber sprechen - großer Trend hin zu Nachhaltigkeitsberichten - ordentliches Geschäftsfeld für Berater und Wirtschaftsprüfer

Es gibt keine gesetzliche Verpflichtung, die Unternehmen zwingen würde, einen Nachhaltigkeitsbericht zu verfassen. Dennoch kann es sich heute kein Unternehmen von Rang und Namen mehr leisten, auf einen jährlichen Sutstainability Report zu verzichten. Wer die Öffentlichkeit nicht über die eigenen Corporate Social Responsibility (CSR)-Aktivitäten unterrichtet, hat Erklärungsbedarf.

Nicht zuletzt deshalb ist die Bereitschaft in den Chefetagen, immer mehr Ressourcen, personell wie finanziell, für das Thema CSR locker zu machen, drastisch gestiegen. Wenn man schon Gutes tut, will, nein, muss man auch darüber sprechen. Transparenz ist mehr denn je maßgeblich für das Image eines Unternehmens. Kunden haben die Wahl. Im Zweifelsfall entscheidet er sich lieber für jenen Geschäftspartner, der für soziale Verantwortung steht.

Kein Wunder also, dass sich der Nachhaltigkeitsbericht neben dem Geschäftsbericht zu einem wichtigen Baustein der unternehmerischen Informationspolitik gemausert hat.

Brainbows

Weitblickende Berater machten diesen Aspekt ihren potenziellen Partnern bewusst und verdienen seither gut am CSR-Boom. Mittlerweile haben alle internationalen Consulter eigene Departments ins Leben gerufen, die ihre Kunden bei der Konzeption und inhaltlichen Gestaltung der Sustainability Reports unterstützen sollen.

Eines der ersten Unternehmen, das seine Geschäftstätigkeit auf Lobbying und Beratung in den Bereichen nachhaltige Entwicklung, Umwelt, Energie fokussierte, war Brainbows. Monika Langthaler, ehemalige Nationalratsabgeordnete der Grünen, und ihr Weggefährte, Christian Nohel, gründeten Brainbows vor genau zehn Jahren. Heute blicken sie sehr zufrieden auf das letzte Dezennium zurück: "Anfangs haben wir schwer Termine bei Managern bekommen" , erinnert sich Langthaler, "niemand wusste so recht, was wir meinen, wenn wir von der Wichtigkeit nachhalti-gen Wirtschaftens sprachen. Aber nachdem wir unsere ersten Aufträge eingefahren hatten, erkannten unsere Brötchengeber schnell, wofür wir stehen und - noch wichtiger - welchen Nutzen unsere Arbeit für ihr Unternehmen brachte."

Wood.stock

Wie der Bericht aussehen soll - die Antwort muss wohl jedes Unternehmen für sich selbst finden. "Um diese Frage zu beantworten, sollte man sich als Unternehmen des eigenen Selbstverständnisses bewusst sein" , sagt der Pressesprecher der Österreichischen Bundesforste (ÖBF), Bernhard Schragl, "unseres ist schnell erklärt: Die ÖBF gehören der Republik. Wir betreuen rund zehn Prozent der Staatsfläche, das heißt, wir gehören allen Österreichern und wir fühlen uns verpflichtet, alle über unsere Aktivitäten ansprechend zu informieren."

Wood.stock, so heißt der bunte Nachhaltigkeitsbericht der ÖBF, wird daher nicht nur an Geschäftspartner versendet, sondern in abgespeckter Form auch Tageszeitungen beigelegt: "So kommen wir nicht an 2000, sondern gleich an 300.000 Menschen heran" , sagt Schragl.

Für eine ganz andere Form der Berichterstattung hat sich der internationale Verpackungs- und Papierkonzern Mondi entschieden. Uwe Fölster, Leiter für Sustainable Development: "Unser Nachhaltigkeitsbericht soll nicht beliebig sein. Deshalb hat sich Mondi von Anfang an entschlossen, alle veröffentlichten Daten von externen Wirtschaftsprüfern auditieren zu lassen. Und wir halten uns streng an die Standards der Global Reporting Initiative (GRI)."

Auch die Business Impact Task Force oder das Netzwerk CSR Europe haben Richtlinien für die Erstellung von Nachhaltigkeitsberichten erarbeitet.

Verantwortliche, die sich nicht nur auf die Expertise anderer verlassen wollen, haben selbst die Möglichkeit, sich auch auf wissenschaftlichem und praktischem Niveau weiterzubilden. Neben unendlich viel Fachliteratur gibt es Studiengänge und Kurse an Fachhochschulen und Universitäten.

"Die Harvard Business School (HBS) bietet etwa im Zuge ihres Executive Education Program hervorragende Kurzkurse für Manager auch zum Thema CSR an" , sagt Werner Wutscher, Vorstandsmitglied des Rewe-Konzerns und Harvardabsolvent, "ich kann sie jedem nur empfehlen." Schnell Entschlossene können schon die Koffer packen; vom 7. bis 10. November findet an der HBS der nächste CSR-Kurs statt. (Judith Hecht, DER STANDARD, Printausgabe, 13.10.2010) 

 

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    foto: naturidyll hotels
    Foto: Naturidyll Hotels
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