Film-Highway mit unzähligen Abzweigungen

12. Oktober 2010, 14:03
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Fünfte DVD-Staffel: Die Kuratoren Claus Philipp und Ernst Kieninger sowie der Verleger der Reihe, Georg Hoanzl, im Gespräch mit Stefan Mayer

STANDARD: Provokant gefragt: Was macht den österreichischen Film so besonders, dass man ihm eine eigene Edition widmen muss?

Philipp: Der österreichische Film setzt sich aus vielen sehr divergenten, in unterschiedlichsten Bereichen des Filmschaffens angesiedelten Handschriften zusammen, die es für sich wert sind, dokumentiert zu werden. Vieles, was wir in der Edition versammeln, ist zum Teil in sogenannten Abseits-Situationen entstanden und hat eigentlich für sich nicht viel Publikum versprochen. Das gilt von Michael Haneke bis Wolfgang Murnberger, die letztlich über die Jahre hinweg doch zu einiger Bekanntheit gelangt sind.

STANDARD: Die Edition hat sich zu einer Erfolgsgeschichte gemausert - wie ist die Idee dazu entstanden?

Hoanzl: Wir haben schon lange eine Möglichkeit gesucht, österreichischen Filmen eine größere Öffentlichkeit im Handel zu geben. Dabei hatten wir ein Vertriebsproblem: Ausgezeichnete Filme wie etwa Die Siebtelbauern von Stefan Ruzowitzky funktionierten im Kino ganz gut. Im Handel ist es dann aufgrund des enormen Angebots - jährlich erscheinen knapp 10.000 DVD-Titel - aber nahezu unmöglich, eine marktrelevante Präsenz aufzubauen. Meine Hoffnung war, dass in einer gut zusammengestellten Produktreihe jeder Titel in der Reihe diese wiederum verstärkt. Die Idee ist einfach aus dem Bedürfnis heraus entstanden, mit dem österreichischen Film mehr zu bewirken als das, was damals möglich war - insbesondere im DVD-Bereich.

STANDARD: Die ursprüngliche Prognose lag bei 100.000 verkauften DVDs - mittlerweile sind es fast eine Million verkaufte Exemplare. Worauf ist zurückzuführen, dass die Reihe sowohl auf dem Markt funktioniert, als auch als quasi lexikalische Referenz für den österreichischen Film gilt?

Hoanzl: Dadurch, dass jedes Jahr eine neue Staffel hinzugefügt wird, gewinnen die bereits veröffentlichten Titel an Spannung, was dem Interesse des Publikums guttut. Normalerweise verliert ein Medienprodukt durch die Kontinuität der Vermarktung an Spannung - bei dieser Reihe ist es aber eher so, dass durch die Kontinuität die Spannung aufrechterhalten wird.

Kieninger: Es ist gelungen, ein Label zu schaffen: "Der österreichische Film" war immer schon ein politisches Schlagwort, aber mit dieser Edition hat es erstmals eine greifbare Dimension gewonnen. Man hat jetzt die Möglichkeit, sich zu Hause ein umfassendes österreichisches Filmarchiv einzurichten - hundert Jahre Filmgeschichte. Gegenwartskino trifft auf historische Filme: So ist insgesamt eine Art Kunstkatalog des österreichischen Kinos entstanden.

Hoanzl: Die Edition bewegt sich in einem Rahmen, in dem der österreichische Film auf ein riesiges internationales Angebot trifft. Es ist jedoch gelungen, ihm eine Marktbedeutung und Präsenz zu geben, die ihn mit 175 verfügbaren Titeln de facto zur Nummer eins im Handel macht. Es handelt sich somit um ein kulturpolitisches Projekt, das gleichzeitig in einer Marktwirklichkeit - die keine Romantik kennt - reüssiert.

Philipp: In der ersten Staffel haben wir den Anspruch eines Kanons noch weit von uns gewiesen und im Gegenteil gesagt, es müssten sowohl erfolgreiche Filme vorkommen als auch Positionen, die am gängigen Markt niemals auf DVD herausgebracht werden würden. Etwa nach dem Prinzip: Josef Hader nimmt im Rucksack weniger bekannte Filmemacher mit, und beide treffen gemeinsam auf dieselbe Familie, dieselben DVD-Konsumenten. Nach der ersten Staffel etwa habe ich in einem Grazer Anwaltsbüro den Wienfilm 1896-1976 von Ernst Schmidt Jr. gesehen. Es ist wirklich interessant, wozu die Leute greifen, wenn sie ein "reiches" Angebot vorfinden.

Kieninger: Das ist ein gewisser Festival-Effekt: Es gibt die Highways, die großen Namen - aber man wird damit neugierig gemacht, auch die Abzweigungen zu suchen und einmal zu schauen, was in den Nebengassen los ist. Die Entdeckungsfreude wird stimuliert, und damit beginnt das Ganze, zu einem "Gesamtkunstwerk" zu werden.

Philipp: Übrigens würde ich das als Haltung gerne auch dem ORF und diversen anderen Fernsehprogrammierern ans Herz legen: Weil ich davon überzeugt bin, dass, wenn eine gewisse Glaubwürdigkeit einmal etabliert ist, man um einiges vielfältiger programmieren könnte, ohne wirklich Risiken einzugehen. Den österreichischen Film also nicht nur als Förderbegriff oder als "Last für den Steuerzahler" zu verstehen - sondern tatsächlich als reiches kulturelles, mentalitätsgeschichtliches, unterhaltsames Feld - innerhalb und außerhalb des sogenannten "Mainstreams".

STANDARD: Herr Kieninger, Sie haben in diesem Zusammenhang einmal von der "Demokratisierung des Archivzugangs und des Zugangs zur Filmgeschichte" gesprochen ...

Kieninger: Ja, es ist wirklich ein spannendes Projekt für das Filmarchiv, weil es mit dem Kernauftrag, den wir ausführen, nicht möglich ist, allen alles zu zeigen. Wir haben es mit hochgradig fragilen filmischen Originalen zu tun, die oft in Restaurierung stehen und nicht in der Breite zugänglich sind. Den Nutzungsdruck, den es für uns gibt, können wir nun dank dieser Edition besser kanalisieren. Die Nachfrage nach österreichischen - auch historischen - Filmen ist massiv. Mit diesem breiten "Katalog" können wir nun vieles anbieten und zugänglich machen. Insofern leistet die Reihe auch Vermittlungsarbeit fürs Filmarchiv. Andererseits gibt es auch Rückkoppelungseffekte, dass die DVD neugierig macht auf das filmische Original. Die DVD-Edition ist also ein komplementäres Projekt zum österreichischen Kino - und keine Konkurrenz. Auch bei Retrospektiven im Kino merken wir, dass in der Edition veröffentlichte Titel durchaus besser angenommen werden als zuvor.

STANDARD: Welche Kriterien gibt's bei der Auswahl der Filme?

Philipp: Es war von Beginn an nicht die Auswahl eines Filmkritikers, sondern eigentlich eine mit der Haltung eines Alltagshistorikers getroffene. Wenn man die Kultur eines Landes vermessen will, dann wird man nicht nur im Burgtheater schauen, sondern man wird sich auch dafür interessieren, was Boulevard, Kleinkunst, bildende Kunst usw. geleistet haben. In allen Höhen und Niederungen, deswegen findet man in dieser Edition auch frühe Schmuckstücke des Stummfilms genauso wie Hans-Moser-Filme oder auch Filme von Michael Haneke, der sehr breit vertreten ist. Von Staffel zu Staffel haben wir glücklicherweise erlebt, dass sich hier ein riesiger Fundus auftut - es wäre überhaupt kein Problem, schon wieder die nächste Staffel zusammenzustellen. Es gibt immer noch genug in den Archiven, da sind Entdeckungen, die man immer wieder macht, bei der Relektüre dessen, was man von der TV-Serien-Produktion bis zum unabhängigen Film findet - ich verweise nur auf Kopfstand von Ernst Josef Lauscher mit dem jungen Christoph Waltz, der jetzt wieder jeden interessiert.

Kieninger: Wobei sich das umgedreht hat: Am Anfang sind wir den Filmen nachgelaufen und haben Überzeugungsarbeit leisten müssen, damit man sie überhaupt in die Reihe hineinbekommt. Jetzt ist die Dynamik aus der Edition heraus so groß, dass wir schon "Wartelisten" haben.

STANDARD: Gibt es Beispiele für Filme, die Sie gerne drin hätten, aber nicht verwenden können?

Philipp: Na ja, da geht's um Fragen, die weder mit Verlegern noch mit Filmemachern zu tun haben. Das scheitert zum Teil an ganz pragmatischen Punkten, etwa wenn man einen guten Film von Axel Corti aus den Siebzigerjahren herausbringen will und die Musikrechte schlicht nicht vergütbar sind, weil zur damaligen Zeit auf Musikrechte in Bezug auf Zweitverwertung auf Video und Fernsehen keine Rücksicht genommen wurde - dann ist das längerfristig schwer zu lösen.

Kieninger: Ergänzend kann man zum Stichwort Fernsehfilme auch sagen, dass es auch ein Verdienst der Edition ist, zum ersten Mal die Fernsehfilmgeschichte wirklich bewusst gleichberechtigt neben die Kinogeschichte zu stellen. Dass wir also großartige Fernsehspielfilme aus der ORF-Produktion herausbringen und damit auch die Bedeutung, die dieses Genre gehabt hat, würdigen. Wir haben etwa Fritz Lehners Filme Notturno und Schöne Tage herausgebracht ...

Philipp: ... sowie die Alpensaga von Dieter Berner, die - ich weiß, das ist jetzt sehr hoch gegriffen - möglicherweise das österreichische Äquivalent zu Bernardo Bertoluccis Novecento war. Damals hätte man ohne das Fernsehen so große Epen über österreichische Zeitgeschichte gar nicht drehen können. Diese Dinge wieder zusammenzuführen bedeutet, auch Regisseure wieder zu ihrem Recht kommen zu lassen, die zum Teil überhaupt kaum jemals die Chance hatten, für das Kino zu arbeiten - Fritz Lehner hat einen einzigen Kinofilm gedreht, Axel Corti ist erst zum Kinofilm gekommen, nachdem er mit Welcome to Vienna einigermaßen Erfolg hatte. Aber diese Arbeiten können jetzt auch gleichrangig mit dem geschätzt werden, was im Kino zu sehen war.

STANDARD: Gibt es in der Auswahl manchmal auch Uneinigkeit zwischen dem Stadtkino und dem Filmarchiv?

Philipp: Es war am Anfang fast erschreckend: Bei der ersten Liste, die wir erstellt haben, waren bei Ernst Kieningers Liste vielleicht fünf Filme dabei, die mir gerade nicht eingefallen waren, und umgekehrt.

Hoanzl: Das möchte ich von außen bestätigen: Die beiden sind sich wirklich wortlos einig, das ist wie Synchronschwimmen.

STANDARD: Gibt es persönliche Favoriten aus der neuen Staffel?

Hoanzl: Es ist so: Ich stehe auf die Edition, weil sie so einen breiten Bogen schlägt, damit muss sich jeder selbst auseinandersetzen. Das Überraschende an den letzten Titeln, also 151 bis 175, ist, dass sie genauso daherkommen, als ob sie die ersten wären. Innerhalb der Gesamtreihe gibt es so viele Möglichkeiten, sich selbst einen Zugang zu verschaffen - das ist gerade das Schöne daran. Ich bin zu sehr verliebt in das Ganze, um Einzelne nach vorne zu stellen.

Kieninger: In der Archivarbeit lässt uns die Tatsache emotional mitleben, dass wir bei vielen den Materialhintergrund erst liefern müssen. Filme, die praktisch nicht mehr existieren, weil es keine Kopien mehr gibt, weil die Negative verschwunden sind. Beim Durchgehen unserer Wunschlisten stellen wir oft fest, dass da einfach keine Basis mehr vorhanden ist. Wenn es aber gelingt, auch mit der Kraft dieses Projektes Restaurierungen durchzuführen oder verschollenes Material wiederaufzutreiben, dann freuen wir uns mit diesen Titeln ganz besonders, wenn sie aus den Tiefen des Archivs wieder heraustreten. In der neuen Edition sind das Titel wie eben Kopfstand, der für das Filmarchiv eine Restaurierungsaufgabe war, oder auch die allerältesten österreichischen Spielfilme, die Saturn-Filme - ganz frühe erotische Kurzfilm-Miniaturen, die vor nahezu hundert Jahren eigentlich ein erstes österreichisches Filmwunder bedeutet haben. Diese Filme sind digital restauriert worden und werden jetzt in bester Form veröffentlicht.

Philipp: Die Edition ermöglicht vor allem auch das Querlesen: Ich kann wirklich sehen, wie ein ehemaliger Kabarettist wie Josef Hader sich über die Filme hinweg zum Filmschauspieler entwickelt. Genauso sieht man auch in frühen Fernseharbeiten spätere Stars aufblitzen oder dass Techniken des Avantgardefilms plötzlich auch bei Filmen von Franz Novotny Anwendung finden, dass Elfriede Jelinek in diversen Verfilmungen auftaucht - insofern gefällt mir die Zusammenlese sehr gut. Ein-, zweimal pro Staffel gelingt es auch, dass man Kompilationen erstellt, die sonst niemals irgendwie zusammen gelesen worden wären. Zum Beispiel Karin Bergers Film Ceija Stojka mit dem Kurzfilm Unter den Brettern hellgrünes Gras auf einer DVD - das ist ein Angebot, da kann man sich glücklich preisen. Es ist aber für alle Beteiligten mit enormem Aufwand verbunden.

STANDARD: Einige österreichische Filmschaffende haben in den letzten Jahren international für Aufsehen gesorgt, etwa die schon erwähnten Christoph Waltz oder Michael Haneke. Entwickelt sich der österreichische Film in eine gute Richtung?

Philipp: Ich würde sagen, dass der österreichische Film janusköpfig sowohl die Bereitschaft zur widerständigen Handschrift wie zur bereitwilligen Preisgabe sämtlichen nepotistischen Duckmäusertums immer noch parallel in sich trägt. Die eigentliche Qualität der Gegenwart ist, dass dieses Ringen der unterschiedlichen Positionen miteinander nicht mehr so krampfhaft auf ein Ausspielen der Arthaus-Position gegen den Boulevard hinausläuft.

Diese Fronten sind nicht mehr so starr gegeben. Aber in jedem Filmschaffen gibt es einfach Faserschmeichler und Kratzbürsten nebeneinander, dadurch wird es bunt. Ich behaupte, dass sich der österreichische Film mit zunehmender internationaler Anerkennung in eine bessere Richtung entwickelt, auch im Kampf darum, dass dieser Anerkennung fördertechnisch Rechnung getragen wird. Im Kino kann jeder Produzent ein Lied davon singen, dass es immer noch zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel ist.

Kieninger: Die Edition trägt aber auch dazu bei, die internationalen Festivalerfolge von heimischen Filmen nach Österreich zurückzuübersetzen und für politisch Verantwortliche verstehbar zu machen. Im Grunde genommen ist es auch ein Lobbying-Projekt geworden, was wir daran ablesen können, dass die Nachfrage nach österreichischen Filmen - was Fernsehprogramme oder Filmretrospektiven betrifft - teilweise dramatisch zugenommen haben. Die DVD-Edition ist der Katalog, aus dem man sich Programme zusammensuchen kann. Wir hoffen, dass sich dieses Interesse irgendwann auch im ORF abbildet. Die Nachfrage internationaler Sendeanstalten steigt.

Philipp: Eines der schönsten Komplimente kam von Bundesministerin Claudia Schmied, die erzählt hat, wie sie als Lektorin auf der Wirtschaftsuniversität ihren Studenten Postadresse: 2640 Schlöglmühl von Egon Humer gezeigt hat. Ohne so eine Edition wäre die Verfügbarkeit auch nicht gegeben, so einen Klassiker des Dokumentarfilms, mit einer gewissen Blickweise auf eine devastierte regionale Wirtschaft, zu Lehrzwecken einzusetzen.

STANDARD: In der neuen Staffel gibt es acht Dokumentarfilme, also rund ein Drittel. Den Filmerfolgen des Genres wird nun auch mit einer Doku-Box namens "Home Stories" Rechnung getragen - wie ist es dazu gekommen?

Hoanzl: Die Interessensgemeinschaft Österreichischer Dokumentarfilm, dok.at, wollte zu ihrem zehnjährigen Jubiläum eine Werkschau machen. Gemeinsam mit deren Obmann Constantin Wulff und Roland Teichmann vom Österreichischen Filminstitut ist daraus die Idee entstanden, dok.at innerhalb der Reihe eine Auswahl treffen zu lassen und diese als eigene Box zu bündeln. So wurden zwanzig Titel ausgewählt - Home Stories deswegen, weil sie sich mit der Innensicht unserer Gegenwart und Wirklichkeit auseinandersetzt. Filme, die in Österreich, mit Österreich spielen.

STANDARD: Weitere Boxen sind in Planung - Satire, Spannung und Filmkunst ...?

Hoanzl: Ja, aber dabei handelt es sich um den Versuch, gewissermaßen Eintrittstüren für den österreichischen Film zu eröffnen. Diese drei Zehner-Boxen geben sehr populär die Möglichkeit, sich diese Sparte zu eröffnen.

Philipp: Das ist etwa so, als ob eine Band fünf Jahre lang bei einem großen Musiklabel spielt, dann gibt's irgendwann einmal ein "Best of"-Album.

Hoanzl: Und vielleicht gibt es irgendwann eine Filmarchiv-Box, genauso könnte ich mir vorstellen, die ORF- oder Fernsehfilme zu bündeln und innerhalb des Ganzen darzustellen. Die Filmedition ist ein großes Gewächshaus, in dem vieles gedeiht, und jetzt kann man sich Möglichkeiten suchen und den Blick fürs Erste auf dieses oder jenes konzentrieren.

Kieninger: Wenn man 175 oder bald 200 Filme hat, dann ist schon ein gewisser Druck da, Fokussierungen vorzunehmen. Das ist aufgrund dieser unerwarteten Dimension möglich geworden.

STANDARD: Kommt jetzt jedes Jahr eine neue Staffel heraus?

Hoanzl: Für nächstes Jahr steht eine Staffel mit den Titeln 175 bis 200 an, da haben wir auch die Übersicht über die Filme. Wie wir dann über die 200 hinaus vorgehen, wird erst zu klären sein. Dass wir den Rahmen dichthalten wollen, ist klar, wir möchten Wesentliches beitragen, um das Thema zu verdichten und die Spannung zu halten.

Philipp: Man kann einen drastischen Vergleich ziehen: Heutzutage ist selbst ein neuer Scorsese-Film, wenn er auf DVD herauskommt, nach drei Wochen schon wieder aus den Regalen der großen Geschäfte draußen. "Unsere" Filme sind die ganze Zeit über immer verfügbar ...

Hoanzl: Das große Kunststück ist, dass es uns gelingt, den Marktgesetzen zu trotzen, sowohl den Solidaritätsbogen von populären zu weniger populären Filmen als auch die lange Dauer des Projekts betreffend - seit fünf Jahren wächst die Edition. Im gesamten europäischen Raum ist uns keine vergleichbare Produktreihe bekannt.

Philipp: Bei aller Betonung des Österreichischen ist die Kollektion jedoch nicht populistisch-nationalistisch, selbstverliebt-patriotisch, sondern es ist ein internationalen Standards folgender Zugang - also keine Nabelschau, sondern eine auf allen Klaviaturen spielende Mentalitätsgeschichte.

Kieninger: Was die Zukunft betrifft: Es ist ein offenes Projekt, und wir können in zwei Richtungen neue Filme erwarten. Das eine ist die Gegenwartsproduktion, derzeit stehen alleine an die 20 heimische Filme in der Postproduktion, die demnächst herauskommen werden. Auf der anderen Seite graben wir nach hinten in der Filmgeschichte und schließen die Lücken. Aufgrund unserer weltweiten Bemühungen entdecken wir immer wieder neue Juwelen oder auch Leitfossilien der österreichischen Filmkultur, etwa aus der Stummfilmzeit. Diese Edition kann also in die Geschichte zurück- und in die Zukunft hineinwachsen - das ist natürlich ein riesiges Potenzial. (SPEZIAL/DER STANDARD - Printausgabe, 9. Oktober 2010)

Georg Hoanzl ist Geschäftsführer der Künstleragentur und Vertriebsgesellschaft Hoanzl, von ihm stammt die ursprüngliche Idee zur Edition "Der österreichische Film".

Ernst Kieninger ist seit 1996 Leiter des Filmarchiv Austria und einer der beiden Kuratoren der Reihe.

Claus Philipp - ebenfalls Kurator der Reihe - war bis 2008 Filmkritiker und Kulturressortleiter des STANDARD und ist heute Geschäftsführer des Wiener Stadtkinos und von dessen Filmverleih.

  • Ein junger Christoph Waltz in Ernst Josef Lauschers "Kopfstand": "Der interessiert jetzt wieder jeden."
    foto: filmarchiv austria

    Ein junger Christoph Waltz in Ernst Josef Lauschers "Kopfstand": "Der interessiert jetzt wieder jeden."

  • Kuratoren und Verleger sind sich einig: "Die DVD-Edition ist ein komplementäres Projekt zum österreichischen Kino - und keine Konkurrenz."
    foto: standard/regine hendrich

    Kuratoren und Verleger sind sich einig: "Die DVD-Edition ist ein komplementäres Projekt zum österreichischen Kino - und keine Konkurrenz."

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