Golfen mit Gegenwind

13. Oktober 2010, 16:21
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Soma Bay, abgeriegeltes Tauch-, Surf- und LuxusResort, hat so gar nichts mit Ägypten zu tun

Robert Fellermeier tauscht demnächst Sand gegen Schnee. Am Fuße des St. Gotthards in der Schweiz wird er die vom ägyptischen Bau-Tycoon Samih Sawiris initiierte Entwicklung eines Luxusresorts leiten. Während das 1,5 Milliarden Franken schwere Projekt in Andermatt auf Skepsis in der Bevölkerung stößt, steht den Tourismus-Investitionen am Roten Meer nichts entgegen.

Seit neun Jahren sitzt Fellermeier in Soma Bay, wo der Bayer Bau und Management von Hotels und Infrastruktur leitet. Das Wort Soma stammt aus dem Indischen und bezeichnet eine Droge, die Halluzinationen auslöst. Die 650 Millionen Dollar, die bisher in die Landzunge 45 Kilometer südlich von Hurghada gepumpt wurden, sind freilich Realität. Das Ergebnis hat so gar nichts mit dem Massentourismus des Landes zu tun. Während sich unweit des Luxus-Resorts Hotelburgen auftürmen, setzt Fellermeier auf gediegene Atmosphäre abseits von Straßenlärm, aufdringlichen Händlern und Ballermann.

Ruhe und Action

Soma Bay ist nicht Ägypten, mehr eine künstliche Ferienwelt. Und Soma Bay ist nicht Soma Bay. Die Mischung der Resorts sorgt für unterschiedliche Klientel mit divergierenden Bedürfnissen. Wer im feinen Kempinski absteigt, findet eine im maurischen Stil gehaltene Architektur mit 7000 Quadratmetern Pool- und Lagunenlandschaft plus 400 Meter breitem, flach abfallendem Hotelstrand vor. Mehr Mitarbeiter als Gäste verwöhnen die zahlungskräftige Kundschaft mit jeglichem Komfort. Am Abend ist Bettruhe angesagt. Selbst in der Hochsaison ab Herbst steige die Auslastung nicht allzu weit über 50 Prozent, versichert Hoteldirektor Hany Abdelmoneim.

Wer etwas mehr Rummel sucht, ist besser im benachbarten Robinson Club aufgehoben, wo sich auch eine Diskothek befindet. Eine Laufrunde dem Strand entlang - am Abend mit Blick über die Bucht in die gegenüberliegende Hafenstadt Safaga mit Sonnenuntergang über dem Roten-Meer-Gebirge besonders zu empfehlen - führt am Sheraton vorbei zum sportlicheren The Breakers. Surfer und Taucher suchen in diesem preislich attraktiveren Umfeld eine Bleibe für das Vergnügen im Wassersportparadies. Schon das Hausriff zahlt sich zum Schnorcheln aus, Profis tauchen tiefer, ein altes Wrack liegt nicht allzu weit von der Küste entfernt.

Ins Wasser fallen in Soma Bay auch die Golfbälle, vor allem bei Gegenwind. Dann kann sich so manche unter normalen Umständen bewältigbare Distanz als gewaltige Herausforderung erweisen. Golflegende Gary Player hat den spektakulären Platz designt. Die Fairways schlängeln sich wie grüne Landzungen durch die Wüste rund um das Golfhotel Cascades und entlang des Soma Bay. Dass mehr Platz im Sand als im Gras zur Verfügung steht, merkt zumindest der ungeübte Spieler rasch. Dem steht allerdings die angenehmere Tatsache gegenüber, dass die Ballsuche in den Dünen einfach und der Rettungsschlag daraus dank hartem Untergrund beherrschbar ist.

Bewässert wird die Oase übrigens mit Meereswasser, das zuvor durch eine Entsalzungsanlage fließt. Da der Andrang am Golfplatz zumindest in der Hauptsaison wächst, plant Fellermeier neue 18 Löcher. Aus der Wüste wird ein künstlicher Rasen. Für Fellermeier kein Problem: Jetzt rasteten immerhin Störche auf den Palmen, die früher an der Halbinsel vorbeizogen ...

Das familiäre La Résidence des Cascades lockt zudem mit einem Spa- und Thalasso-Zentrum, in dem auch die ärgsten Surf- und Golf-Verrenkungen korrigiert werden. Im Wohlfühlbereich verschwimmen die Grenzen zwischen Traum und Halluzination. Zumindest bis zur Abreise über Hurghada, wenn man sich wieder im echten Ägypten befindet. (Andreas Schnauder/DER STANDARD/Printausgabe/09.10.2010)

Info: Reisen nach Soma Bay bietet z. B. der Veranstalter Bentour an, nächstgelegener Flughafen ist Hurghada.

  • Sonnenuntergang über Safaga, gegenüber dem Kempinski Hotel in Soma Bay.
    foto: mg

    Sonnenuntergang über Safaga, gegenüber dem Kempinski Hotel in Soma Bay.

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