Schwerhörigkeit

Social Deafness: Das Ohr als "soziales Organ"

12. Oktober 2010, 14:38
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    foto: ap/gero breloer

    Die Behandlung schwerhöriger Menschen ist eine große soziale Herausforderung

Wie Altersschwerhörigkeit das soziale Leben beeinträchtigt - Schlechtes Hören ist medizinisches und psychologisches Problem

Mannheim - "Was haben Sie gesagt?", "Wie bitte?" - etwa 13 Millionen hörgeschädigte Deutsche formulieren solche Sätze täglich, um einem Gespräch folgen zu können, darunter ein Drittel aller über 65-Jährigen. Da der Bevölkerungsanteil älterer Menschen deutlich wächst, steigen auch Alterskrankheiten an - darunter die wenig beachtete Altersschwerhörigkeit. Darauf machen deutsche HNO-Ärzte in einer Aussendung aufmerksam. Welche psychischen und sozialen Folgen die Erkrankung mit sich bringt und welche besonderen Therapiestrategien bei Patienten verfolgt werden müssen, diskutieren Experten auf einer Fortbildungsveranstaltung für HNO-Ärzte vom 28. bis 30. Oktober 2010 in Deutschland.

Medizinisches und psychologisches Problem

Schlechtes Hören im höheren Lebensalter, der sogenannte "symmetrische Hochtonverlust" des Innenohres, ist kein ausschließlich medizinisches Problem: Im Gegensatz zu anderen Alterskrankheiten wie Arteriosklerose, Muskelschwäche oder Knochenschwund hat der Verlust an Hörkraft vielmehr soziale und psychische Folgen, als dass er körperliche Leiden mit sich bringt. Die Schwerhörigkeit älterer Menschen wirkt sich primär in der Einschränkung kommunikativer Prozesse - vor allem im Sprachverstehen - aus. Treffend lässt sich die Situation Betroffener mit "social deafness" beschreiben. Diese bedingt Störungen der Umweltorientierung und der zwischenmenschlichen Verständigung. "Man kann das Ohr als das 'sozialste' Organ des Menschen bezeichnen. Der Prozess des Hörens ist sehr viel komplizierter als beispielsweise der des Sehens", erläutert Stefan Dazert, Dozentenkanzler der Fortbildungsgesellschaft der Hals-Nasen-Ohrenärzte mbH. "Jede Kommunikation und Begegnung der Menschen in der Gesellschaft ist immer mit Sprache und Ansprache verbunden, das Wahrnehmen von Signalen ist lebensnotwendig und unsere Kultur ist wesentlich auf das Hören ausgerichtet."

Vorwurfsvolle Haltung

Studien zeigen, dass die psychischen und sozialen Probleme im Zusammenhang mit Schwerhörigkeit bisher noch weitgehend ungelöst sind, denn das Image der Hörschädigung ist noch immer mit vielen negativen Assoziationen verbunden. "Oft werden Schwerhörige durch ihre schlechte Hörfähigkeit mit den Vorwürfen der Interesselosigkeit oder mangelnden Höflichkeit konfrontiert, was ihnen schließlich auch als Charakterschwäche ausgelegt wird", so Dazert. Daraus resultiert, dass viele Betroffene diese Behinderung zu verbergen versuchen. Die meisten Hörgeschädigten benutzen folglich keine Hörgeräte, um sich öffentlich nicht zu brandmarken. Doch genau dies bringt sie in einen Teufelskreis, den sie nicht zu durchbrechen vermögen: Bleibt die Hörfähigkeit eingeschränkt, tritt auch keine positive soziale Veränderung ein.

"Dabei ist das Problem der Schwerhörigkeit in vielen Fällen gut in den Griff zu bekommen", sagt Dazert. "Individuelle Hörfähigkeitsuntersuchungen und hörakustische Rehabilitationsmaßnahmen könnten Betroffene gezielt und schnell wieder in das soziale Leben zurückholen und ihnen die Lebensqualität in ihrem sozialen Umfeld zurückbringen. Hierzu bedarf es jedoch einer sensiblen Therapie, die auch auf die psychischen Umstände solcher Patienten eingeht. So kann dem Patienten nach und nach der Grund genommen werden, sich eines Hörgerätes - und damit einer schnellen Problemlösung - zu verweigern."

Die Behandlung und Versorgung älterer, schwerhöriger Menschen ist folglich eine große soziale Herausforderung. Der demographische Wandel in unserer Gesellschaft lässt eine ansteigende Zahl Hörgeschädigter erwarten, wodurch sich die Notwendigkeit zu mehr Informationen und Aufklärung über die "Altersschwerhörigkeit" ergibt. (red)

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14 Postings
stuffy
40
13.10.2010, 09:12
Medizinisches und psychologisches Problem

Wieso .....

Man kann doch froh sein, wenn man viele Dinge nicht mehr hört ....

- das sinnentleerte Geschwafel von Politikern ...
- die Keiferei der Angetrauten ...
- den Krawall der Nachbarn
- den Straßenlärm
- die Körpergeräusche von Kollegen
- (beliebig erweiterbar)

Da wird die Welt doch gleich doppelt so schön <;o)

alexanderletten
 
04
13.10.2010, 10:03

Stellen Sie sich folgendes vor:

Sie sitzen mit Freunden zusammen und einer erzählt einen Witz/Anekdote/Erlebnis, die Pointe kommt und alle lachen; Sie auch, aber Sie wissen nicht, warum.
Sie lachen einfach mit obwohl Sie ursprünglich traurig sind, weil Sie nichts vestanden haben. Sie müssen natürlich nicht lachen, aber es kommt aufs gleiche Ergebnis raus.

Die Probleme sind auch manchmal nicht die fehlende Akustik, sondern die Deutlichkeit.;-)

trollvottel
16
12.10.2010, 15:34

Auch ich hab zwei Hörgeräte verschrieben bekommen, benutze aber keins ... die, die ich mir leisten könnte, klingen wie ein ans Ohr geschraubter Blechkübel.

Auch die höhere Preisklasse fühlt sich ständig wie ein Fremdkörper an, nervt durch üble Tonqualität, bringt in Gesprächen nicht sofort volles Hörverstehen ... und verstärkt meist nur Geräusche, die man lieber nicht gehört hätte, Kindergebrüll und Teeniegeschnatter und Rülpser; ich finde für die Innenstadt eher Ohropax geeignet als einen Geräuschverstärker.

Nur mit einem Ohr telefonieren zu können ist auf Dauer nicht so schlimm, das ständige Lippenlesen in Meetings aber schon :/ naja vielleicht schaff ichs, mich über meine Technophilie dran zu gewöhnen (B Hörgerät-Bluetooth-Adapter ...)

Chocoholic
00
13.10.2010, 10:22
Ich habe gehört, daß es besser ist, sehr früh mit dem

Hörgerät anzufangen, damit man bei geringer Hörproblematik sich an das Gerät gewöhnen kann, um dann später davon profitieren zu können.Am Besten wäre es ja, wenn Sie sich aussuchen könnten, ob Sie, auch mit Blechstimmen hören gut an einem Gespräch teilnehmen können oder ob sie einfach entscheiden, es nicht zu tun.

alexanderletten
 
03
12.10.2010, 20:54

Lippenlesen ist eine gute Hilfe.
Ich merke immer wieder, wie unbewußt man darauf zurückgreift, weil man sonst schnell ins schleudern kommt. Für Gesprächspartner die nicht wissen, dass man Schwierigkeiten mit dem Gehör hat, kann die ständige Mundbeobachtung doch etwas verwirrend sein.
;-)

angry cockroach
00
15.10.2010, 20:17

z.b. werden mundwinkel auf dranpickende essensreste überprüft;)

fertigprodukt
00
13.10.2010, 10:10

aber es kann einen wahnsinnig machen, wenn man schlecht synchronisierte filme (oder dokus) im fernsehen sieht..... ;-)

h 90
00
13.10.2010, 03:38

ich denke Problem wirds aber wenn sich das ganze in einer Fremdsprache abspielt (fuer beide Fremdsprache) oder?

alexanderletten
 
00
13.10.2010, 10:33

Natürlich.

h 90
02
13.10.2010, 10:44

Mir ist das nur eingefallen, weil ich Englisch obwohl ich es recht gut spreche und verstehe am Telephon kaum verstehe.
Und ich bin nicht schwerhoerig, aber scheinbar packts mein Hirn nicht die Worte zu identifizieren wenn die Tonqualitaet etwas schlechter ist.
Headset fuer beide Ohren hilft da etwas (aber auch kein Wunder).

alexanderletten
 
01
13.10.2010, 11:23

Dialekte zB. können beim telefonieren schon ziemlich anstrengend sein.
Viele relevante Sachen sind ja nachzuvollziehen(kombinieren), aber die kleinen vermeintlichen Nebensächlichkeiten oder auch mal Scherze sind da schon schwer verständlich, weil die ja eher leger bzw. schneller gesprochen werden.;-)

RS69
 
07
12.10.2010, 17:18

Einfach ansprechen. Ist ja kein Thema - wenn man's weiss, kann man drauf reagieren.

Ich hab auch 2 Kunden, die ich jeweils nur von einer Seite anspreche - und besonders aufpasse, ob sie bei Hintergrundlärm Alles gehört haben. Im Zweifelsfall fasse ich - in grösserer Runde - das gesagte einfach noch mal zusätzlich kurz zusammen.

phoenixx78
04
12.10.2010, 20:33

.. finde ich super.... wenn sie das so machen!!! Kompliment!

RS69
 
00
13.10.2010, 15:18

Viel auch Eingeninteresse - ist ja mein Problem, wenn mein Kunden mich nicht verstehen. ;-)

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