Frühgeborene

Früher Schmerz hinterlässt Spuren fürs Leben

12. Oktober 2010, 14:39

Deutsche Arbeitsgruppe plädiert für sorgfältige Schmerzbehandlung auf der Neugeborenen-Intensivstation

Schmerzhafte medizinische Prozeduren bei Frühgeborenen können die Schmerzempfindlichkeit bis ins Jugendalter beeinflussen. Das hat eine Studie an der Universität Gießen gezeigt. Das Ergebnis: Frühgeborene zeigen noch im Alter von elf bis 16 Jahren eine stärkere Gehirnreaktion auf schmerzhafte Reize als reifgeborene Kinder, die normalerweise zu beobachtende Gewöhnung bei wiederholter Reizung fehlte. "Eine sorgfältige Behandlung von Schmerzen auf der Neugeborenen-Intensivstation ist daher sehr wichtig", so Studienleiterin Johanna Hohmeister in einer Aussendung. Allerdings ist die medikamentöse Behandlung von Säuglingen eine große Herausforderung, da nicht geklärt ist, wie gut Schmerzmittel bei ihnen wirken und welche Nebenwirkungen sie in einem sich entwickelnden Organismus haben können. Auch durch eine Verbesserung der medizinischen Prozeduren könnten Schmerzen reduziert werden. Inwieweit solche Maßnahmen die beobachteten Effekte abfangen können, muss noch untersucht werden.

Erfassung des Schmerzerlebens

Bei Frühgeborenen befindet sich das schmerzverarbeitende System noch mitten im Reifungsprozess. Schmerzforscher vermuten daher, dass schmerzhafte Reize in dieser frühen Entwicklungsphase die Verarbeitung von Schmerz dauerhaft verändern können. Um diese These zu prüfen, untersuchte Hohmeister je neun früh- und reifgeborene Kinder im Alter zwischen elf bis 16 Jahren, die auf der Neugeborenen-Intensivstation behandelt worden waren, sowie neun reifgeborene Kinder ohne frühen Krankenhausaufenthalt. Sie beobachtete dazu die Gehirnaktivität der Kinder mittels funktioneller Kernspintomografie, während diese schmerzhafte Hitzereize auf die Haut bekamen. Parallel wurde auch das subjektive Schmerzerleben der Kinder während der Reize erfasst.

Die frühgeborenen, aber nicht die reifgeborenen Kinder reagierten auf die Reize stärker als die Kinder ohne frühen Krankenhausaufenthalt. Die Hirnaktivität bei schmerzhaften Reizen war bei ihnen intensiver und räumlich ausgedehnter. Während die subjektiv empfundene Schmerzintensität bei den Kindern ohne frühen Krankenhausaufenthalt im Verlauf der Reizwiederholungen nachließ, blieb dieser Gewöhnungseffekt bei den Frühgeborenen aus. Für ihre Studie wurde Hohmeister beim Deutschen Schmerzkongress in Mannheim mit dem ersten Preis der Kategorie Klinische Forschung des Förderpreises für Schmerzforschung 2010 ausgezeichnet. (red)

markes_do
00
13.10.2010, 14:09

hm, interessant. bei meinem sohn, ein ehemaliges frühchen, der starke medikamente auf der IS bekommen hat, ist das schmerzempfinden scheinbar eher runtergesetzt, der ist echt hart im nehmen. kA allerdings, ob, wenn ihm dann was weh tut, das intensiver und länger ist....haben ja keinen vergleich.

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