En Grève

Frankreich steht wieder still

12. Oktober 2010, 08:51

Erneut gehen die Franzosen landesweit gegen die Pensionsreform auf die Straße, die Regierung will hart bleiben

Paris - In Frankreich ist am Dienstag erneut landesweit gegen die Pensionsreform der Regierung von Präsident Nicolas Sarkozy gestreikt worden. Die Streiks drohen das Land auf längere Zeit zu lähmen. Die Pariser Verkehrsbetriebe RATP beschlossen am Dienstag, ihren Ausstand auch am Mittwoch fortzusetzen. Bereits am Dienstag fuhr auf mehr als der Hälfte der Metrolinien der Hauptstadt nur jeder zweite Zug. Auch die Eisenbahner wollen ab Mittwoch täglich entscheiden, ob der Streik weitergeht. Laut der Gewerkschaft CGT folgte am Dienstag mehr als die Hälfte der Eisenbahner dem Aufruf, die Arbeit niederzulegen.

Die Leitung der Staatsbahn SNCF sprach von einer Beteiligung von 40 Prozent, mehr als beim vorangegangenen Streiktag am 23. September. Von den Hochgeschwindigkeitszügen TGV, die zwischen Paris und der Provinz verkehren, fuhr nur jeder dritte.

Am Pariser Flughafen Orly fiel jeder zweite Flug aus, am Hauptstadtflughafen Charles de Gaulle war es jeder dritte. Auch Schulen und Postämter blieben geschlossen. Laut Bildungsministerium legte etwa jeder fünfte Lehrer die Arbeit nieder, laut Gewerkschaften war es fast jeder zweite. Bei der Post beteiligten sich nach Angaben der Arbeitgeber 16 Prozent der Mitarbeiter, nach Gewerkschaftsangaben 30 Prozent.

Am Nachmittag war in Paris eine weitere Großkundgebung geplant, landesweit erwarteten die Gewerkschaften mehr als drei Millionen Menschen zu den Protestaktionen. In Toulouse versammelten sich am Vormittag laut Gewerkschaften 145.000 Menschen, den Behörden zufolge waren es 30.000.

Regierung bleibt hart

Die Regierung machte unterdessen deutlich, dass sie trotz der Proteste an der Pensionsreform festhalten will. Im Senat setzte die Regierungspartei UMP am Montagabend die Verabschiedung eines besonders umstrittenen Passus des Gesetzes durch. 174 Senatoren stimmten dafür, dass das Alter, ab dem Franzosen künftig die volle Pension unabhängig von den Beitragsjahren beziehen, schrittweise von 65 auf 67 Jahre erhöht wird. Gegen die Umstellung ab dem Jahr 2016 stimmten 159 Senatoren. Der andere zentrale Artikel des Reformwerks, die Anhebung des Pensionseintrittsalters von 60 auf 62 Jahre, war bereits vergangenen Freitag im Senat gebilligt worden.

"Wir sind nicht hier, um zu tun, was leicht ist, wir haben nicht immer die Zustimmung des Volkes", sagte Arbeitsminister Woerth vor dem Senat. Es sei "schwierig, den Franzosen zu sagen, dass sie mehr arbeiten müssen, bis hin zum Alter von 67 Jahren, aber es muss getan werden". Die Nationalversammlung hat die gesamte Reform bereits abgesegnet, der Senat will bis Freitag über die Neuerungen debattieren. Sarkozys Regierung hofft, die Reform bis Ende des Monats abzuschließen.

Einer Umfrage zufolge unterstützen mit 69 Prozent mehr als zwei Drittel der Franzosen den Streik am Dienstag. 61 Prozent sprachen sich für länger währende Protestaktionen aus. Laut einer am Dienstag veröffentlichten Ifop-Umfrage für die Zeitung "France-Soir" vertrauen derzeit 53 Prozent der Franzosen den Gewerkschaften. Das sind zehn Prozentpunkte mehr als bei einer ähnlichen Umfrage im Juni.(APA)

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13 Postings
Mike Geweihtrager
10
12.10.2010, 15:59
Fernsehzuschauer und Leser linker Zeitungen bekommen wie immer ein völlig falsches Bild.

Ihnen werden derzeit fast täglich aus irgendeiner Stadt Europas ein paar aufgeregt mit Fahnen und Transparenten, Gebrüll und Lärmmaschinen demonstrierende Menschen gezeigt. Und Kommentatoren jenseits aller Objektivität zeigen ihre Begeisterung über die (endlich!) stattfindenden Generalstreiks und vermitteln den Eindruck, ganz Europa stehe still.
Das ist nur falsch: Nur eine sehr selektive und kleine Auswahl der Arbeitnehmer streikt, nämlich vor allem jene in ohnehin geschützten Bereichen.

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00
14.10.2010, 12:53
das haben streiks so an sich,...

...dass man auf der straße nur einige der streikenden sieht.

was frankreich angeht, so hege ich den verdacht, sie seien ZUMINDEST unterinformiert, um nicht zu sagen gaenzlich ahnungslos.

oder aber sie werden von bettencourt/alike entlohnt.

jedenfalls macht ihnen ihr nick alle ehre: cornuto.

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00
12.10.2010, 13:12
Frankreich ist in Bewegung

...und das ist nicht nur das Gegenteil dessen, was der "standard" titelt, sondern vor allem: Gut so!!!! - Die lassen sich wenigstens nicht alles von den reichen Eliten aufdrücken. Des Österreichers/Der Österreicherin Demokratieverständnis ist nach wie vor monarchistisch orientiert: "G'schamsta Diena, fia dia Herrn und Damen Bolitika..."

Zischfrisch Keli
11
12.10.2010, 09:42

Respekt. Ich frage mich immer wieder, warum in Österreich diese Protestkultur nicht funktioniert. Das Unbehagen ist enorm, dennoch geht keiner auf die Straße.

Bertel Mann
00
12.10.2010, 19:33
Weil es bei uns kein Streikrecht gibt. Leider!

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00
12.10.2010, 09:56
auch wenn's abgedroschen klingt:...

...es beginnt beim schul- und unterrichtssystem.

emilie emilie
00
17.10.2010, 19:50

in frankreich frontalunterricht und die schüler schreiben mit, daran kann's also nicht liegen

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00
18.10.2010, 09:59
es beginnt damit, dass die lehrer von keinerlei lokalkaiser ernannt werden...

...und auch spaeter von keinem abhaengig sind.

die werden mittels concours ermittelt.

weiters werden sehr wohl "die republik" und "die demokratie" behandelt.

tatsache ist, dass im durchschnitt muendigere buerger aus dem dortigen system ausgeworfen werden als hier.

s.a. die proteste am wochenende.

LPTàC hofft auf die allerheiligen-ferien zur beruhigung der lage. das sagt wohl alles. hoertefeux wiederum behauptet, die schueler wuerden von trotskistischen gewerkschaften manipuliert: die scheixxen sich an bis uebers kreuz.

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01
12.10.2010, 09:32
WER genau hatte 2007 versprochen, er werde NIE das pensionssystem antasten?...

...richtig: la petite tête à claques (das kleine watscheng'sicht, LPTàC).

wohlgemerkt: die leute sehen ein, dass eine pensionsreform noetig ist.

aber was eine "reform" wert ist, die ein môssieu woerth mit einer mâdâme parisot (chefin des medef, sowas wie IV und wirtschaftskammer in union) ausgehandelt hat, kann sich sogar ein konservativer geist meiner ausrichtung auf 'm kleinen finger abzaehlen.

ohne auf einige der idiotischen details naeher einzugehen, nur soviel: solange parisots medef nicht durch auflagen und abgaben gezwungen wird, leute ueber 40 in beschaeftigung zu halten, solange LPTàC seinen freunderln vom fouquet's und zb bettencourt die milliarden nachhaut, solang wird's rauchen.

Dr. Lari and Mr. Fari
 
00
12.10.2010, 10:00
IHR Herr Wuerth? IHRE Frau Parisot??

:-)))

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00
12.10.2010, 14:36
machen s' nur so weiter, dottore!...

...ich schick ihnen LPTàC zum umkrempeln ihrer arbeit.

ha!

Dr. Lari and Mr. Fari
 
00
14.10.2010, 08:36
Naja, dem bin ich körperlich sicher überlegen,

und wie man ihn "spirituell" außer Gefecht setzt, hat er auch schon demonstriert (und mein Weinkeller ist sehr gut gefüllt!).

:-)))

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