Hoffnungssignal Rot-Grün

11. Oktober 2010, 18:49

Zuwanderung ist das Thema - und wie man damit umgeht, ist die Aufgabe der nächsten Jahre

Vielleicht hat es den Schock des Wiener Wahlergebnisses und der 27 Prozent für Straches FPÖ gebraucht, um der Stadt und dem Land endlich klar und unmissverständlich vor Augen zu führen: Zuwanderung ist das Thema - und wie man damit umgeht, ist die Aufgabe der nächsten Jahre. Soll man sie in der Migrantenstadt Wien mit einer RotSchwarz-Koalition angehen, die auf Bundesebene an dieser Frage jämmerlich scheitert? Es wäre zwar mühsam, aber realistischerweise bietet nur eine Koalition aus Rot und Grün die Chance, auf diese Herausforderung einigermaßen adäquat zu reagieren.

Straches Rezept, dem ungeliebten Mustafa eins aufs Nudelaug zu verpassen, hat vielen gefallen. Aber die Annahme ist wohl nicht vermessen, dass nicht wenige FPÖ-Wähler das nicht wörtlich genommen haben, sondern mit ihrem Votum eher die Botschaft vermitteln wollten: Hier ist ein Problem, kümmert euch drum. Von der Stadt-ÖVP kam zu diesem Thema genau gar nichts. Die unglückselige Frau Marek hatte ihren ganzen Ehrgeiz darein gesetzt, eine Art Mini-Strache abzugeben, Stichwort "Sicherheitsstadträtin". Viele potenzielle Wähler, vor allem solche mit christlichen Wurzeln, haben ihrer Partei deshalb die Unterstützung versagt. Schade, ein ernstzunehmendes bürgerliches Gegengewicht für die übermächtige Wiener SPÖ würde der Stadt nicht schaden. Man denkt mit Nostalgie an die Buseks und Marboes zurück.

Nicht, dass die Grünen eine ideale Regierungspartei wären. Zu Beginn des Wahlkampfs haben sie sich aufgeführt wie ein zerstrittener Kindergarten und damit ihrem Ruf der Unberechenbarkeit neue Nahrung gegeben. Dafür sind sie zu Recht bestraft worden. Aber Maria Vassilakou hat vernünftig argumentiert und ein Stadtrat Van der Bellen wäre ein interessanter Zuwachs für die Rathausmannschaft.

Und die SPÖ? Alle waren sich einig, dass Wien eine höchst lebenswerte und gut verwaltete Stadt ist. Spät, aber doch, hat die Stadtpartei auch die Brisanz der Zuwanderungsfrage erkannt und mit Hausordnungen im Gemeindebau und Sprach- und Bildungsprogrammen für Migranten gute Initiativen gesetzt. Vor allem auf den unteren Ebenen verfügt sie über kompetente Leute auf diesem Gebiet. Trotzdem haben ihr auch viele Sympathisanten den Verlust der absoluten Mehrheit gegönnt. Absolute Mehrheiten sind immer problematisch. Und für den Firmenfilz rund um das Rathaus, die Propaganda-Millionen und die Kumpanei mit Krone und Co. hat die Mehrheitspartei einen Dämpfer verdient.

Rot-Grün wäre ein Signal an alle, die sich einen Neustart heraus aus der lähmenden Stagnation der vergangenen Jahre wünschen und ein Signal für eine bessere, rationalere und menschlichere Integrationspolitik.

Eine solche Koalition würde viel Geifer, aber auch viele Hoffnungen hervorrufen. Und es ist keineswegs gesagt, dass sie das traditionell gute Verhältnis der Stadtverwaltung mit der Wirtschaft, die auch an Integration interessiert ist, ernsthaft stören würde. Der alte Haudegen Häupl müsste sich nur trauen. Sonst könnte der nächste Wahlerfolg der Strachetruppe noch drastischer ausfallen. (Barbara Coudenhove-Kalergi, DER STANDARD, Printausgabe, 12.10.2010)

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Dr. Lari and Mr. Fari
 
20
13.10.2010, 08:36
Gegen Frau Vassilakou oder Herrn vd Bellen ist überhaupt nix zu sagen.

aber das Problem sind die geistigen Bezirksschlieferln, eine Bande von querköpfigen Eigenbröd.. oder besser Eigenblödlern. Wie die sich aufführen konnte man im Sommer beobachten.
Wenn der Häupl mit denen nicht sooo gerne koalieren will, kann man das verstehen.
Weil wenn ihm die unterwegs wegbrechen, kann er eine neue Koalittion nur mehr unter Abgabe nicht nur sämtlicher Haare, sonern auch großer Teile der Haut bekommen. Und die Perspektive einer vorzeitigen Wahl wäre unter solchen Umständen auch eine eher dunkeldüstere...

kom mentar2
00
12.10.2010, 23:58
Constantini hört ORF nebenbei

Constantini hört ORF nebenbei: Wer gerade hoch gelobt wird wird dann gleich ausgewechselt!!

Darf ja nicht sein, dass ÖSterreich technisch guten Fußball spiel! Das geht nicht!

saronimo
14
12.10.2010, 18:29
Werde mir

das spannende wiener rot-grün Experiment aus Tirol anschauen.

Insulaner1
23
12.10.2010, 18:14
Um die derzeitgen Probleme zu lösen

brauchen wir MINDESTENS 15 bis 20 Jahre. Weil selbst bei den meisten 4 jährigen ist es mittlerweile bereits zu spät.Weil eigentlich müsste man die meisten Migrantenkinder bereits ab dem 1 Lebensjahr in der Kindergrippe mit einem Deutschkurs "beglücken". Mit 4 oder 5 Jahren ist es meiner Meinung nach schon zu spät.

Freigeistin1
00
13.10.2010, 14:43

Migrantenkinder gerne - aber sicher keine Kindergartenpflicht für Inländer!
Geht rechtlich aber auch gar nicht - da wir nicht einmal eine Schulpflicht (nur Ausbildungspflicht) haben!
Eltern müssen frei entscheiden dürfen, ob und wann ihre Kinder in den KiGa kommen.

wolf_vienna
76
12.10.2010, 17:44
Nicht falsch verstehen

Man möge mich bitte nicht falsch verstehen, ich bin für rot-grün in Wien. Auf jeden Fall hat diese Option mehr Zukunftspotential für die Stadt als rot-schwarz. Eines der Hauptprobleme dieser Stadt ist jedoch unbestritten die ungelöste Integration. Jetzt aber würden die Grünen in Wien mitregieren, was hieße, das die Zuwanderung erstens weiter voran schreiten würde und andererseits die Integration ungelöst bleibt. Ich fürchte, dass dann aber bei der nächsten Wahl noch weniger Menschen rot wählen würden. Was wiederum bedeutet, das Häupl die Option leider sausen lassen wird.

grübler1
06
12.10.2010, 19:11

Hinsichtlich Ihrer Befürchtungen bin ich ganz bei Ihnen. Im Falle rot-grün hiesse der Bürgermeister nach den nächsten Wahlen wahrscheinlich Strache, weil mit einer solchen Koalition mMn. der teilweise doch erforderliche Druck für Integrationsbemühungen noch geringer (oder "anders") wäre als jetzt und die Unzufriedenen an vorderster Front (Gemeindebau usw.) noch zunehmen würden. Und um die gehts ja als Stimmenpotential für die SPÖ. Sh. Wahlergebnisse Favoriten, Simmering etc.

bloody-nine
 
53
12.10.2010, 18:38
es war die fpö, die (inzwischen) jahrzehntelang

das zuwanderungsthema bewusst angeheizt und verschärft hat - aus rein zynischen gründen, weil sie es als taugliches werkzeug zur emotionalisierung und hetze und zum stimmengewinn erkannt hat.
das ungelöste integrationsthema (in ermangelung eines besseren begriffs) ist die einzige lebensader der fpö - woraus folgt dass eine lösung niemals MIT der fpö passieren kann, weil sie jeden konstruktiven vorschlag torpedieren wird. die fpö KANN NICHT für eine lösung der probleme, die sie selbst (über)thematisieren, sein. eine lösung kann es nur gegen sie bzw ohne sie geben.

Dr. Lari and Mr. Fari
 
02
13.10.2010, 08:39
das ist schon richtig.

Aber eine vernünftige und ehrliche Lösung mit den Grünen kann ich mir nicht vorstellen. Denen ist nämlich ein naives Gutmenschenprinzip wichtiger als der Rechtsstaat, und das ist keine gute Perspektive.
Die Schwarzen wären in jeder Hinsicht billig, die guten Ideen müßten aber sämtlich von SP-Seite kommen...

Chien de Pique
32
12.10.2010, 21:43
So sehr ich die Partei verabscheue, so dumpf sie ist, aber auf die Probleme, die heute an vielen Schulen bestehen oder die durch die Öffnung der Gemeindebauten entstehen könnten, hat sie etwa schon sehr früh hingewiesen,

auch auf die absolute Notwendigkeit des Deutschlernens - aber reagiert hat niemand, viele haben abgestritten, dass es Probleme gibt und geben wird (inklusive mir); wohl sehr zur Freude der FPÖ, die, da haben Sie völlig Recht, keinerlei Interesse an positiven, konstruktiven Entwicklungen hat. Die anderen, konstruktiven Parteien hätten aber reagieren müssen Die meiste Zeit hatte Rot-Schwarz eine Zweidrittelmehrheit (und in Wien Rot die Absolute), da gibt es keinerlei Ausreden, damit kann man ALLES. Je stärker die FPÖ wird, desto weniger kann man echte Lösungen erarbeiten.
Und primär angeheizt hat das Thema a) die Demografie und b) der beginnende (und wohl unaufhaltsame) wirtschaftliche Abstieg, die Deindustrialisierung Europas.

bloody-nine
 
13
12.10.2010, 22:36
das is einerseits richtig

aber man muss ja nicht davon ausgehen dass die konstruktiven parteien immer untätig bleiben (die destruktivität der fpö kann man getrost als dauerhaft annehmen). im übrigen muss man gerade im bildungsbereich die konstruktive rolle der övp stark hinterfragen: ihre ideologisch motivierte totalopposition gegen ganztagsschule/betreuung, ihr harter sparkurs während schwarzblau und ihre absolute reformresistenz generell in bildungsfragen hat da sicher nix geholfen. da gabs ja auch in der grossen koalition (vor 2000 und nach 06) nie eine gemeinsame linie. dass die spö mehr machen hätte können und müssen ist schon richtig.

robinsons freitag
00
13.10.2010, 18:02
Die (hemmende) Macht der Länder wird immer bei der notwendigen Staatsreform hervorgehoben. Wenn es aber um Verantwortung im Detail geht, wird immer Schwarz-Blau hervorgekramt.

madrid
00
12.10.2010, 17:12
Rot-Grün ist die einzige Alternative

Die ÖVP wurde nun schon zum zigten mal vom Wähler abgestraft, weil praktisch jeder auch bürgerliche wie ich von ihr schon den Eindruck hat, dass es nur mehr um die eigenen Posten und Priviligien geht.

Die SPÖ sollte diesem Wählerwillen nicht immer ignorieren und die größten Verlierer wieder in die Regierung holen, weil dann geht a) nichts weiter (siehe Bund und Steiermark) b) färbt das schlechte ÖVP-Image auf die SPÖ ab und c) könnte Pröll/Pröll einmal darüber nachdenken was sie falsch machen.

sixela
39
12.10.2010, 15:16
Alle waren sich einig, dass Wien eine höchst lebenswerte und gut verwaltete Stadt ist

Wer ist "alle"? Die versammelten sich links-liberal gebenden Journalisten sollten nicht von sich auf "alle" schliessen.

Lebenswert ja, aber TROTZ der miesen mit unnötigen Landes- und Magistratsbeamten vollgestopften Verwaltung!

Joe Bazooka
 
00
22.10.2010, 15:35

also bitte, entsprechende meinungsumfragen gibt es doch seit jahren immer wieder, die zufriedenheit mit der wiener lebensqualität sowie stadtverwaltung kann man inzwischen wirklich schon als dauerhaft hoch bezeichnen

Georg Schütt
22
12.10.2010, 15:03
" ...realistischerweise bietet nur eine Koalition aus Rot und Grün die Chance, auf diese Herausforderung einigermaßen adäquat zu reagieren."

Wieso sollte Rot-Grün können, woran Rot pur seit Jahrzehnten scheitert? Beide hängen doch denselben Romantisierungen nach.

LieberGut
105
12.10.2010, 14:41
Rot-GRÜN

nur so geht was weiter

Joe Bazooka
 
00
22.10.2010, 15:39

welches stricherl hätten's denn lieber?

Fritz Meyer
23
12.10.2010, 14:23
Am besten hätte die FPÖ die Absolute gewonnen.

Dann würden's in den kommenden Jahren endlich einmal ihr "besseres Konzept" anhand konkreter Politik beweisen müssen und danach wären's bei der nächsten Wahl wieder auf ein vernünftiges Mass (einstellig) geschrumpft.

mrbester
03
12.10.2010, 16:20
Wien darf nicht kärtnen werden!

madrid
01
12.10.2010, 17:14

In Kärnten hatte die FPÖ nie die absolute Mehrheit.

Dort hat zuerst die ÖVP, dann die SPÖ und dann wieder die ÖVP mit Haider koaliert.

PeteVIE
00
12.10.2010, 17:12
w.d.n.k.w.

warum - wollen sie keine zweisprachigen ortstafeln?

Karl Bergerle
11
12.10.2010, 14:31
Am besten hätte die FPÖ die Absolute gewonnen

das wäre dann so ähnlich wie 1938 - und das wollen wir alle nicht.
ich plädiere dafür Häupl soll mit Strache eine Koalition eingehen - nach weniger als 5 Jahren werden wir dann wissen, wie gut Strache regieren kann. Das vernünftige Mass (einstellig) wäre sehr schnell sichtbar.

Fritz Meyer
00
12.10.2010, 14:38
Sie meinen so wie unter Dollfuss?

Hm. Der war das aber schon seit 1932.

Karl Bergerle
10
13.10.2010, 16:20
Dollfuss

hatte zwar alle Parteien und auch den Schutzbund verboten, aber als Bürger konnte man noch leben, was dann 1938 nicht mehr für alle möglich war!

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