Nachlese

Morddrohungen gegen Nestlé-Gewerkschafter

11. Oktober 2010, 17:01

Paramilitärs versuchen auf diese Weise immer wieder Arbeitnehmervertreter einzuschüchtern

Bogota - In Kolumbien haben Gewerkschafter, die sich für den Schutz der Rechte von Nestle-Arbeitern einsetzen, Morddrohungen der rechtsgerichteten Paramilitärs erhalten. Dies bestätigten gegenüber der Nachrichtenagentur SDA die bedrohten Mitarbeiter der Lebensmittelgewerkschaft Sinaltrainal in Bugalagrande. In der Stadt in der westlichen Provinz Valle de Cauca wurde 1944 das erste Werk des schweizerischen Nahrungsmittelkonzerns in Kolumbien errichtet.

Die "Aguilas Negras" (Schwarze Adler) hatten bereits im September in den Straßen von Bugalagrande Flugblätter mit gezielten Morddrohungen gegen sechs namentlich genannte Sinaltrainal-Mitarbeiter verteilt. Die Paramilitärs versuchen auf diese Weise immer wieder Arbeitnehmervertreter einzuschüchtern. In den Schreiben wurden die Gewerkschafter aufgefordert, innerhalb von zwei Wochen die Stadt zu verlassen.

Vorwürfe an Nestle

Sinaltrainal wertet die Morddrohungen als Reaktion auf eine jüngste Aktion an allen Nestle-Standorten in Kolumbien, die an den Mord des ehemaligen Nestle-Mitarbeiters Luciano Romero vor fünf Jahren erinnerte. Die Gewerkschaft fordert eine Aufklärung der Hintergründe und wirft Nestle vor, das Attentat in Auftrag gegeben zu haben. Nach Ermittlungen der kolumbianischen Behörden konnte zwar der Mörder Romeros überführt, die Vorwürfe gegen Nestle aber nicht bestätigt werden.

In einer schriftlichen Stellungnahme vom Montag aus der Konzernzentrale im schweizerischen Vevey verurteilte Nestle jede Form von Gewalt und Drohungen gegenüber ihren Angestellten oder deren Familienmitgliedern und wies den Vorwurf zurück, in ein Attentat auf Romero verwickelt zu sein oder es in die Wege geleitet zu haben. Im Gegenteil habe Nestle sich um angemessenen Schutz seiner Mitarbeiter bemüht.

Wer sich in Kolumbien für Arbeitnehmer-Rechte einsetzt, lebt gefährlich. Das bestätigt die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI). In den vergangenen zwanzig Jahren seien in dem südamerikanischen Land 2.000 Gewerkschafter ermordet worden. In 90 Prozent der Fälle seien die Schuldigen nie vor Gericht gestellt worden, sagte ein Sprecher von Amnesty Schweiz am Montag der SDA.

Abgenommen hat in Kolumbien nach der umstrittenen "Politik der demokratischen Sicherheit" der konservativen Regierung von Staatspräsident Juan Manuel Santos und dessen Vorgängers Alvaro Uribe in den vergangenen Jahren allerdings die Gewalt der linksgerichteten Guerilla-Gruppierungen FARC und ELN.

Erstmals habe die Bedrohung durch rechtsgerichtete paramilitärische Verbände in diesem Jahr die Gewalt der Guerilla überflügelt, geht aus einer jüngst in Bogota veröffentlichten Studie der Menschenrechtsorganisation Indepaz hervor.

Insgesamt sollen den illegalen paramilitärischen Verbänden etwa 13.000 Mitglieder angehören. Sie werden für eine Vielzahl von Morden, Gewalttaten und Drohungen verantwortlich gemacht. (APA/sda)

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20 Postings
viajero1
00
15.10.2010, 10:14

die corporación nuevo arco iris stellte 2009 fest, dass die bewaffneten aktionen der neuen paramilitärischen gruppen bereits 2008 das level von farc und eln erreicht haben, 2009 waren es doppelt so viele registierte übergriffe, aber dies war auch schon zwischen 1997 und 2000 so, als die auc das land kontrollierten, der kurzfristige rückgang der vorfälle nach der demoblisierung hängt auch damit zusammen, dass viele der von da an registrierten übergriffe durch die staatlichen sicherheitskräfte begangen werden, vergleicht man diese erkenntnisse mit der darstellung uribes und santos für den gleichen zeitraum bekommt eine ahnung von der dimension der zahlenspiele der regierung ...

viajero1
00
13.10.2010, 18:03

kann mich den kommentaren nur anschließen, aber es ist wieder einmal erstaunlich, dass die rechten stimmen dieses forums nichts kommentieren, immer wenn die beweislast zu erdrückend erscheint, halten sich diverse poster erstaunlich zurück, die sonst immer wieder die nackten fakten so verdrehen wie es ihnen passt, also jungs, hausaufgaben machen, bin gespannt, aber wahrscheinlich kommt eh nur heiße luft von rechts , wie so oft...

viajero1
00
13.10.2010, 18:16

na da hab ich unsere rechten kollegen doch noch gefunden, dankbarer artikel zu venezuela, im venezuela-forum ist ja auch viel leichter, ich lach mich kaputt, wenn ich nicht wissen würde, worüber ich schreibe, würde ich mich von komplexen zusammenhängen wie im falle kolumbiens auch zurückhalten...

Nicolas Castillo
00
13.10.2010, 10:54
Herr Santos kann jetzt zeigen ...

dass es ihm Ernst ist mit seiner Wahlkampfprosa, Extremisten links und rechts zu bekämpfen.

Fritz Meyer
00
12.10.2010, 14:25
Und Nestlé...

berühmt für ihr offenes "Bekenntnis" zu Arbeitsrechten und Gewerkschaften (und Gentechnologie), weiss natürlich von überhaupt gar nichts...

dabu dabu
00
12.10.2010, 12:12
meinungsmacher liebe nestlé :-(

leider macht nestlé verdammt gute pr. es gibt da eine diplomarbeit auf der publizistik aus dem jahr 2000, wo als hypothesen u.a. angenommen wurde, dass die medien (also die meinungsmacher quasi) nestlé auch so schlimm finden, wie die meisten hier im forum. ergebnis der studie anhand von zeitungsmeldungen: die hypothesen waren falsch. die medien finden nestlé gut...also auch der großteil der bevölkerung. da gibt es dann leider auch nicht viele, die sich mit diesem konzern öffentlich kritisch auseinandersetzen, und die werden ewig so weitermachen...

cipf
 
07
12.10.2010, 10:32

Soso. Gewerkschaftler werden ermordet weil sie sich für die Rechte von Arbeitnehmern einsetzen.
Qui Bono?
Der Arbeitgeber?
Da brauch ich nicht einmal Okhams Rasiermesser dafür, um hier auf das Naheliegendste zu kommen.

trollvottel
02
12.10.2010, 10:47

Vor allem weiß man ja, wieviel Skrupel die Nahrungsmittelindustrie hat, wenns darum geht, Leute zu ermorden, systematisch zu vergiften, verfetten zu lassen und möglichst süchtig nach meist ungesunden Nahrungsmitteln zu machen ...

... ein paar Auftragskiller anzuheuern, mei, die bringen eine Handvoll Leute um, nicht so schlimm.

An den Produkten dieser Sch**e sterben sicher mehr Leute.

Mike Müller
 
04
12.10.2010, 10:21
Immer das selbe spiel

der Skandal ist, abgesehen davon das diese Leute bedroht werden, solche Firmen wie Nestle einfach solch ein billig statment abgeben kann und alle sind zufrieden. Die Schweiz macht trotz diesem Wissen sogar Freihandelsabkommen mit Kol wie die EU auch. Klar direkt sind sie vermutlich nicht mit den Adlern verbunden aber sie haben nicht umsonst Subfirmen die das dann erledigen. Es darf einfach nicht sein das Firmen mit solch einem Statment ohne weitere Überprüfung von Aktivitäten dazu davon kommen. Im Strafgesetz (im Schweizer auch) gibt es die den Tatbestand der Beihilfe oder Unetrlassene Hilfeleistung. Sie sollen offenlegen das und was sie unternehmen zum Schutz der Gewerkschafter.
Zitat Jean Ziegler " Krake von Vevey" hat schon was.

monoton
05
12.10.2010, 08:53
boykottiert nestle!

diese firma hat schon oft bewiesen, das sie keine probleme hat über einem berg von leichen ihre geschäfte zu machen.
dieser moralsch verkommene haufen hatte auch keine probleme tausende säuglinge zu ermorden

MondXicht
00
12.10.2010, 08:07

So ist das, wenn man in eine nach außen hin "demokratische" Bananenrepublik investiert - international anerkannt und die Anwaltskosten spart man sich auch gleich.

Ulrike Reiter
00
11.10.2010, 21:39
Flucht zum Leben

Kolumbien – ich habe viele Kollegen von dort und die kommen wahrlich nicht aus der Unterschicht dieses Landes. Die alle sind vor der Brutalität dieses Landes geflüchtet. Den Leuten dort ist es völlig egal, ob sie von der FARC oder Uribe & Co. bedroht werden. Das Ergebnis sind immer das Gleiche: Tod, Verstümmelung, Todesangst und niemand kann sich dem entziehen.

ente,ente,ente,ente,ente,ente,ente,...
00
11.10.2010, 20:42

das sind eben "unsere" terroristen...aber hauptsache irgendwelche islamisten im hintersten absurdistan wegbomben.

Horst Holzinger
113
11.10.2010, 19:31
Ein alter Hut.

Bekannterweise werden reihenweise Gewerkschafter von Sinaltrainal umgebracht, wenn die Gewerkschaft und Coca Cola Tarifauseinandersetzungen haben. Dies ist auch der Grund, weshalb in München bei öffentlichen Anlässen der Stadt kein Coca Cola ausgeschenkt wird. Auf Beschluss des Stadtrates.

Es gibt einen berühmten film vor einigen Jahren, wo die Firmenbosse von Coca Cola mit einem Vertreter der US-Südkommandos und Vertretern der Aguila Negra an einem Tisch sitzen und mit einem Sinaltrainal-Gewerkschafter über die Tarife verhandeln.

Man merke wohl: Gewerkschafter vs. Firmenboss+Todesschwadrone+Vertreter der US Süd Kommandos!

Mal gucken, ob ich noch rauskriege, wie der Film hiess. Vielleicht erinnert sich jemand noch an diesen Film?!

Michail Bakunin
03
12.10.2010, 09:23

Isidro Gil wurde am 5. Dezember 1996 in der Coca-Cola Abfüllanlage 'Bebidas Y Alimentos de Urabá' in Kolumbien von Paramilitärs erschossen. Der Mord war die Antwort des Unternehmens auf den Forderungskatalog, den Isidro Gil als Gewerkschaftsvorstand dem Unternehmen zur Eröffnung der Tarifverhandlungen vorgelegt hatte.

Der Film rekonstruiert den Fall im Detail und bettet ihn in die jüngere politische Geschichte der Region Urabá ein, wo 1995 bis 1998 durch tausendfaches Morden die erfolgreiche Linkspartei Union Patriotica und alle sozialen Bewegungen ausgerottet wurden.

http://www.anarchia-versand.net/product_i... after.html

So sieht`s aus, wenn Konzerne Krieg gegen Arbeitnehmerrechte führen.

buena1vista1
02
12.10.2010, 08:33
Kann ...

ich bestätigen. Habe zu dieser Zeit bei CC gearbeitet und war schockiert ... vor allem, dass die einfach munter weitermachen, nachdem man sie überführt hatte und kein Sch**** mehr danach kräht.

Es wird so schnell vergessen.

Adam Markus
37
11.10.2010, 17:14

Kolumbien: Hort der Freiheit und Menschenrechte!

Dort kann man wenigstens gut sehen was es in einem Großteil der Welt bedeutet gegen das kapitalistische System zu kämpfen.

Dort kann man auch gut sehen, dass sich Konzerne nichts um Menschenrechte scheren, solange es um ihre Profite geht. Weil in einem Punkt bin ich mir sicher: Die rechten Todesschwadrone verüben ihre Attentate auf Nestlè Mitarbeiter sicher nicht aus lauter Freundschaft zum Konzern, sondern weil sie dafür bezahlt werden.

Aber zum Glük haben bei den Wahlen wieder einmal die Rechten gewonnen, sodass dieses strahlende Licht der lateinamerikaniscen Freiheit nicht so schnell von kommunistischen Agitatoren übernommen wird.

napfiatgott
11
11.10.2010, 21:18
..soweit ich weiss...

...ist der Kalte Krieg bereits vorbei. Und wenn Sie sich immer noch von den kommunistischen Agitatoren" fürchten, sollten Sie sich behandeln lassen.
Schuld ist allein das faschistiode Uribista-Regime, das Marionette Santos nun fortführt.
Und natürlich zahlt Nestle für die Beseitigung vom Gewerkschaftern, das haben Sie immer schon getan! Wär ja gelacht, wenn da irgendwelche dahergelaufenen Arbeitnehmervertreter glauben, Sie können die Mächtigen anpinkeln!

Ernst Guevara
010
11.10.2010, 19:32
wenn es nur so wäre!

in kolumbien reicht für ein todesurteil bereits, wenn du als anwalt die angehörigen von ermordeten oppositionellen vertrittst, wenn du dich als gewerkschafter für arbeitnehmerrechte engagierst oder wenn du für die rechte der vertriebenen kleinbauern und indigenas die stimme erhebst. du brauchst gar nicht erst den kapitalismus in frage stellen, um auf einer todesliste der oligarchie und ihrer todesschwadronen zu landen. für die kritiker des kapitalismus wird in kolumbien natürlich noch eine verschärfte gangart eingelegt, d.h. sie werden kollektiv ausgelöscht, so wie die tausenden parteimitglieder der union patriotica.

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