"Spargel ist so verrückt wie er aussieht"

13. Oktober 2010, 17:00
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Auch im 21. Jahrhundert widersetzen sich Obst und Gemüse der maschinellen Ernte

"Bis jetzt gibt es keine Maschine für die Spargelernte und ich glaube auch nicht, dass das funktionieren könnte. Spargel ist viel zu empfindlich und außerdem wächst jede Stange anders." Birinci Sulzmann ist Spargelbäurin. Mit 35 Hektar Land zählt der Familienbetrieb zu den größten Produzenten von Marchfelder Spargel.

Spargelstechen kann nur händisch erfolgen

Je nach Witterung dauert das Spargelstechen sechs bis acht Wochen. Es beginnt üblicherweise Ende April und geht bis Mitte Juni. Traditionellerweise muss der letzte Spargel spätestens am 24. Juni, dem Johannistag, gestochen sein. "Das Spargelstechen kann nur händisch erfolgen", erklärt Sulzmann die Tätigkeit ihrer Saisonarbeiter. Der Spargelstecher geht durch die Reihen um zu begutachten, wo sich die Erde leicht hebt. Darunter verbirgt sich eine Spargelstange. Mit den Händen gräbt er die Stange frei und trennt sie in 25 bis 30 Zentimeter Tiefe mit dem Spargelmesser ab. Er füllt das Erdloch auf und glättet den Damm, damit man neue Wölbungen oder Risse gut erkennen kann. Nach der Ernte wird der Spargel sofort auf den Hof gebracht, mit Eiswasser gekühlt, nach Durchmesser sortiert und anschließend im Kühlhaus gelagert. Danach erfolgt die Verpackung, der österreichweite Versand an Gastronomie und Handel beziehungsweise der ab Hof-Verkauf.

Kompliziertes Liliengewächs

"Spargel ist so verrückt wie er aussieht", dokumentiert Birinci Sulzmann den komplizierten Prozess des Liliengewächses vom Anbau bis zur Ernte. Frisch gesetzter Spargel kann im ersten Jahr noch nicht gestochen werden. Im Vordergrund stehen Düngung, Pflanzenschutz und Unkrautbekämpfung. Im zweiten Jahr sind zehn bis vierzehn Tage Ernte sinnvoll, denn bleiben zu viele Spargeltriebe am Wurzelstock, wird das Spargelkraut zu dicht und krankheitsanfällig. Erst im dritten Jahr nach der Pflanzung kann geerntet werden. Obwohl das Unkraut maschinell entfernt werden kann, sind dennoch zwei bis drei händische Durchgänge pro Jahr nötig. "Wir arbeiten nach den Produktionsrichtlinien zum integrierten Anbau von Spargel. Das bedeutet, dass umweltschonend und mit sparsamem Rohstoffeinsatz gesunder Spargel von höchster Qualität produziert wird", so Sulzmann.

Zehn Jahre Ernte, zehn Jahre Pause

Etwa zehn Jahre lang wirft eine Spargelpflanze Ertrag ab. Danach ist der Boden für mindestens zehn Jahre nicht mehr für den Spargelanbau geeignet, da das Phänomen der sogenannten "Wiederanbauerkrankung" droht: Die Wurzeln des wieder angebauten Spargels sind oft stark mit dem Schimmel Fusarium oxysporum befallen. Man braucht also sehr viel landwirtschaftliche Fläche, um lukrativen Spargelanbau betreiben zu können. "Je nach Ertragslage können von einer Person zwischen dreieinhalb und fünf Kilo Spargel pro Stunde händisch gestochen werden", weiß Sulzmann. Angesichts dieser Zahlen und der Tatsache, dass die Sulzmanns ihre Spargelstecher ordnungsgemäß anmelden und überdurchschnittlich gut bezahlen, ist Spargel eigentlich eine günstige Delikatesse.

140.000 Tonnen Äpfel per Hand gepflückt

"Der Apfel ist ein hoch sensibles Produkt, das durch eine maschinelle Ernte Druckstellen oder Verletzungen erleiden würde", erklärt Petra Pasch, Verantwortliche für die Unternehmenskommunikation der Erzeugerorganisation OPST Partner Steiermark GmbH. OPST steht hinter den Marken "frisch-saftig-steirisch", "Von Herzen Biobauern Österreich" und "Mozart" und hält mit 75 Prozent Marktanteil die Marktführung im gesamten österreichischen Apfelanbau. 140.000 Tonnen Äpfel im Jahr 2010 stammen von 1.000 steirischen Obstbauern und werden zu 50 Prozent exportiert. Von Ende August bis Oktober ist Erntezeit. "Die Herausforderung für die Apfelbauern liegt in der Bestimmung des richtigen Erntezeitpunkts für jede Sorte. Das ist wichtig für den Geschmack, die Ausbildung des Aromas und die Lagerfähigkeit", weiß Pasch. Jeder Apfel wird händisch gepflückt, vorsichtig in Pflückkörbe gelegt, damit keine Druckstellen oder Verletzungen entstehen und in Großkisten ins Lagerhaus geliefert. Dort ermöglicht es die moderne Lagertechnik, das ganze Jahr lang heimische Äpfel zu genießen.

Traktoren und Erntewagen

Bei den wenigen Maschinen, die in der Erntezeit zur Unterstützung des Menschen eingesetzt werden, handelt es sich um Traktoren und Erntewagen. "Diese ermöglichen den Erntearbeitern, auch in den oberen Zonen des Baumes zu pflücken und bewahren sie davor, zu viel Gewicht tragen zu müssen", so Pasch. Die Äpfel landen entweder in umgehängten Pflückkörben, die vorsichtig in Kunststoffgroßkisten entleert werden oder es wird direkt in die Kunststoffgroßkisten gepflückt.

Pflückanleitung

Genaue Anweisungen legen fest wie ein Apfel gepflückt werden muss, damit er ein Qualitätsapfel bleibt. In weiterer Folge wird der Apfel im Wasserbad sortiert und anschießend in die Verpackung gelegt. Pasch: "Die händische Arbeit ist unverzichtbar. Das ist ein großer Aufwand der sich lohnt, denn nur so ist es möglich, beinahe das ganze Jahr frisch-saftig-steirisch Äpfel auf den Markt zu bringen."

Winterschnitt und Ausdünnen

Wenn die Ernte und Sortierung vorbei ist, folgt der Winterschnitt. Auch dieser kann nicht maschinell durchgeführt werden. Im Frühsommer sorgen die Obstbauern beim sogenannten "Ausdünnen" durch gezieltes Pflücken der reifenden Äpfel dafür, dass nur eine bestimmte Anzahl am Baum bleibt, was sich bis in das nächste Erntejahr positiv auf die Größe und Qualität auswirkt. In der restlichen Zeit unterstützen Gebläsesprüher und Obstbautraktoren die Pflegearbeiten. Pasch: "Immer wieder werden in unsere Organisation Tests von verschiedenen neuen Geräten durchgeführt, aber in jahrzehntelanger Erfahrung ist deutlich geworden, wo Maschinen zu Einsatz kommen können und wo die Handarbeit unersetzbar ist. Für die perfekte Apfelernte ist viel Gefühl und Gespür der handelnden Personen notwendig. Dieses kann mit Sicherheit nicht maschinell ersetzt werden." (tin, derStandard.at, 13, Oktober 2010)

  • "Bis jetzt gibt es keine Maschine für die Spargelernte und ich glaube auch nicht, dass das funktionieren könnte." (Birinci Sulzmann)
    foto: bmlfuw/rita newman

    "Bis jetzt gibt es keine Maschine für die Spargelernte und ich glaube auch nicht, dass das funktionieren könnte." (Birinci Sulzmann)

  • Erst im dritten Jahr nach der Pflanzung kann geerntet werden.
    foto: bmlfuw/rita newman

    Erst im dritten Jahr nach der Pflanzung kann geerntet werden.

  • Genaue Anweisungen legen fest wie ein Apfel gepflückt werden muss, damit er ein Qualitätsapfel bleibt.
    foto: www.opst.at

    Genaue Anweisungen legen fest wie ein Apfel gepflückt werden muss, damit er ein Qualitätsapfel bleibt.

  • Die Äpfel landen in umgehängten Pflückkörben, die vorsichtig in
 Kunststoffgroßkisten entleert werden.
    foto: www.opst.at

    Die Äpfel landen in umgehängten Pflückkörben, die vorsichtig in Kunststoffgroßkisten entleert werden.

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