Schwere Zeiten für Torhüter

11. Oktober 2010, 16:09
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Das trefferreichste Wochenende der bisherigen Saison stellte vor allem die Goalies vor einige knifflige Aufgaben

Am fünften Wochenende der EBEL-Saison standen vielfach die Goalies im Mittelpunkt des Geschehens: Gleich vier von ihnen wurden in den Freitagsspielen ausgewechselt, am gesamten Wochenende fielen 85 Tore - also im Schnitt um 2,7 mehr pro Spiel als letzte Woche.

Schützenfest in Zagreb
Die Doppelrunde an diesem Wochenende begann mit einer wahren Demütigung des stark ersatzgeschwächten Tabellenletzten aus Linz (ohne Goalie Westlund, den gesperrten Robert Lukas sowie die verletzten bzw. angeschlagenen Purdie, Bronilla, Leahy, Grabher-Meier und Haidinger) in Zagreb. Die Kroaten, die mit Kapitän Letang, MacLean und Filewich auch drei Stützen vorgeben mussten, führten schon nach 36 Minuten mit 9:0. Auch wenn ab diesem Zeitpunkt keine Tore mehr fielen, die Klatsche für Linz war die höchste in der EBEL seit Innsbrucks 1:10-Niederlage in Székesfehérvár im Jänner 2009. Überragend bei Medveščak: John Hecimovic mit vier Toren und drei Vorlagen. Der 26jährige hat nun schon in acht Spielen in Folge gepunktet, erzielte allerdings sieben seiner zehn Saisontreffer im Powerplay.
In seinem erst vierten EBEL-Spiel von Beginn an machte der etatmäßige Backup der Linzer, Lorenz Hirn, nach dem siebten Gegentreffer für Christoph Lindenhofer Platz, dessen Ligapremiere allerdings nach nur gut 13 Minuten mit der Rückauswechslung endete. Hirn, im Vorjahr überraschend Österreichs Einsergoalie bei den World Juniors, steigerte sich im letzten Abschnitt, spielte dann auch im sonntägigen Heimspiel gegen Villach über weite Strecken überzeugend und blieb spielübergreifend mehr als 68 Minuten lang ohne Gegentor. Wie lange er noch im Tor der Black Wings stehen wird, ist allerdings offen. Stellt sich die Verletzung von Standard-Torhüter Alex Westlund als schlimmer heraus, könnten die Oberösterreicher schon sehr bald am Transfermarkt aktiv werden.

Capitals demontieren Top-Goalies
Die beiden bisher stärksten und konstantesten Torhüter der Liga, Salzburgs Reinhard Divis und Zagrebs Robert Kristan, fanden an diesem Wochenende in der Wiener Albert Schultz-Halle ihre Meister. Schon am Freitag wurde Reinhard Divis erstmals seit seiner Rückkehr nach Österreich letzten Oktober in einem EBEL-Spiel ausgewechselt, nach 20 Minuten und drei Gegentoren bekam Thomas Höneckl seine Chance und zeigte einige sehenswerte Saves.
Nach dem 7:1 über Meister Salzburg dominierten die Capitals am Sonntag auch ihr zweites Heimspiel des Wochenendes. Leidtragender war Medveščak-Goalie Robert Kristan, der wie Divis bereits bei zwei Saison-Shutouts hält, in Wien aber sechs Mal hinter sich greifen musste.

600 Spiele für Dieter Kalt
An der Tabellenspitze stehen auch nach der zehnten Runde die „Rotjacken" aus Klagenfurt. Am Freitag gelang ihnen nach einer 1.055 Tage andauernden Durststrecke wieder ein Sieg in Székesfehérvár. Dieter Kalt absolvierte dabei - diverse länderübergreifende Ligaformen der 90er-Jahre inkludiert - das 600. Bundesligaspiel seiner an Erfolgen so reichen Karriere. Überhaupt spielt der 36jährige bisher eine starke Saison, die vor drei Wochen neuformierte Linie mit ihm, David Schuller und Gregor Hager sammelte in den letzten sechs Spielen 19 Scorerpunkte und steht auch in der Plus/Minus-Bilanz gut da. Obwohl Kalt in seiner Karriere sieben Jahre im Ausland verbrachte, weist seine Biographie nun um 100 Spiele mehr auf als die Geschichte der Vienna Capitals, die am Sonntag gegen Medveščak ihren „500er" feierten.

68 Saves von Hetényi
Zurück zu den Torhütern: Fehérvár-Goalie Zoltán Hetényi sah sich beim überraschenden Punktgewinn seines Teams in Salzburg mit unglaublichen 70 Torschüssen konfrontiert. Nach einem für ihn schwierigen Saisonstart hinter einer deutlich fehleranfälligeren Abwehr als im Vorjahr und ohne die mental wichtige Absicherung eines adäquaten zweiten Torhüters auf der Bank ist der 22jährige in der Saison angekommen und scheint auch den mittlerweile wieder fitten Finnen Tommi Satosaari als Nummer eins zu verdrängen.

Damit hätten neun von zehn Teams in der Liga einen klar festgelegten Standard-Goalie. Lediglich beim Villacher SV herrscht bisher in der Verteilung der Spielzeit zwischen den beiden Torhütern eine relative Ausgeglichenheit (siehe Grafik). Wenig überraschend fällt auch auf, dass die neu in die EBEL gekommenen Schlussmänner bisher mit einigen Anpassungsschwierigkeiten zu kämpfen haben: Vier von fünf Neuzugänge weisen eine Save-Percentage von unter 90 Prozent auf, einzig Wiens Adam Hauser liegt über dieser Marke. Dessen Try-out-Vertrag bei den Capitals endet in zwei Wochen, eine Entscheidung über eine mögliche Verlängerung ist noch ausständig. (derStandard.at, 11. Oktober 2010)

  • Nur 17 Treffer kassierte Zagrebs Robert Kristan bei seinen ersten acht Einsätzen. Am Sonntag in Wien setzte es nun gleich deren sechs auf einen Schlag.
    foto: johann pittner

    Nur 17 Treffer kassierte Zagrebs Robert Kristan bei seinen ersten acht Einsätzen. Am Sonntag in Wien setzte es nun gleich deren sechs auf einen Schlag.

  • Spielanteile ("Time on ice") der Standard- (blau) und Backup-Goalies (rot) der EBEL-Vereine nach zehn Runden. Die Spalten rechts weisen kumuliert GAA (Goal against average) und SVS% (Save percentage) aller Torhüter eines Klubs aus.
    foto: derstandard.at/hannes biedermann

    Spielanteile ("Time on ice") der Standard- (blau) und Backup-Goalies (rot) der EBEL-Vereine nach zehn Runden. Die Spalten rechts weisen kumuliert GAA (Goal against average) und SVS% (Save percentage) aller Torhüter eines Klubs aus.

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