Streikwelle hält an - Sarkozys Pensionsreform weiter unter Beschuss
Zwei Jahre mehr arbeiten. So stellt sich die französische Regierung den Ausweg aus dem Pensionsdebakel vor. Das aktuelle System sei anders nicht finanzierbar. Die Franzosen reagieren darauf so, wie sie fast immer reagieren: mit Streik. Dieses Mal ohne Befristung und mit zahlreicher Unterstützung.
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In Frankreich rufen die großen Gewerkschaften am Dienstag zu Streiks im Transportwesen auf. Zu erwarten sind landesweit massive Verkehrsbehinderungen. Besonders viele junge Leute beteiligen sich an den Protesten. Der Studentenverband Unef ruft zu einem "Tag der toten Universität" auf, damit die Studenten zu den Demonstrationen gehen können.
Grund für die Proteste ist die Pensionsreform der Regierung, die mitunter das Antrittsalter von 60 auf 62 Jahre beinhaltet. Schon seit Anfang September gibt es in Frankreich eine Protestwelle. Der am Dienstag angesetzte Streik ist allerdings zum ersten Mal in diesem Jahr nicht auf einen Tag befristet.
Aufgrund der Erfahrungen aus den letzten Protesten erwarten die Gewerkschaften am Dienstag eine sehr hohe Teilnehmerzahl. Die Arbeitnehmer-Vertreter gaben an, dass bisher drei Millionen Franzosen
auf die Straße gegangen sind. Das Innenministerium prognostiziert knapp 900.000 Teilnehmer. Der Streik wird sich vermutlich besonders schwer auf den Flugverkehr auswirken: Am Pariser Flughafen Charles de Gaulle soll etwa jeder dritte Flug ausfallen, in Paris-Orly könnte es sogar jeder zweite sein.
Unternehmer fürchten schlechten Ruf
Nach einer Umfrage des Ifop-Instituts sind etwa 70 Prozent der Befragten
für die geplanten Streiks und Demonstrationen. Besonders unter den 18-
bis 24-Jährigen besteht Einigkeit: 84 Prozent finden die Proteste
gerechtfertigt. Auch unter den Beamten und Staatsbediensteten herrscht
hohe Zustimmung.
Seitens des Unternehmerverbands Medef hagelt es allerdings Kritik. "Die Verlässlichkeit Frankreichs steht auf dem Spiel", ärgert sich dessen Chefin, Laurence Parisot. Durch die Streiks würden unzählige Sitzungen ausfallen.
Im Europa-Vergleich gehen die Franzosen im Schnitt relativ früher in Pension. Das gesetzliche Pensionsantrittsalter für Männer liegt in 15 der 27 EU-Ländern bei 65 Jahren. Der Trend geht dabei immer höher. So will beispielsweise Deutschland bis 2029 von 65 auf 67 Jahre erhöhen.
Bei der in Frankreich geforderten Erhöhung soll es auch Ausnahmen für Mütter und Eltern behinderter Kinder geben, kündigte die Regierung kürzlich an.
Am Freitag stimmte der Senat dem Punkt des höheren Antrittsalters von 62 Jahren bereits zu. Noch ist aber unklar, wann genau alle Punkte der Reform verabschiedet werden können. Zurzeit liegen dem Senat noch Hunderte Änderungsanträge der Opposition vor. Und auch für kommenden Samstag sind landesweite Proteste geplant. (APA/dpa/AFP/derStandard.at/dan)