Windows Phone 7: Gut von Apple gelernt

11. Oktober 2010, 15:30
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Microsoft stellte das neue Handy-Betriebssytem vor - Start am 21. Oktober - Noch keine "Copy&Paste"-Funktion

Microsoft nimmt Anlauf für einen Neustart im Markt für Smartphones. Dafür hat der Konzern einen mit Windows Phone 7 einen Paradigmenwechsel vollzogen, den Apple-Chef Steve Jobs mit dem iPhone eingeläutet hat. Die Features eines Gerätes werden nicht mehr von Mobilfunkern und Herstellern bestimmt, sondern von den Entwicklern des Betriebssystems und darauf laufenden Apps.

Alle heimischen Mobilfunker an Bord

Am Montag stellte Microsoft-Österreich gemeinsam mit „seinen wichtigsten Partner" A1 das neue Handy-Betriebssytem in Wien vor. Ab 21. Oktober bieten 60 Mobilfunker in 30 Ländern die Windows-Handys an. In Österreich werden neben A1 auch T-Mobile, Orange und „3" Windows Phone 7 anbieten. Zusätzlich werden auch vertragsfreie Handys in den Markt geworfen.

"Endlich hat es Microsoft verstanden"

A1 Marketing- und Vertriebschef Alexander Sperl zeigte sich durchaus überzeugt. "Endlich hat es Microsoft verstanden". Für ihn ist WP 7 die „Smartphone-Innovation" des Jahres, die neuen Wind in den Markt bringt - und durchaus eine Chance gegen das iPhone von Apple hat. A1 wird drei WP7-Handys und eigene Apps zum Start anbieten.

"Motor ausgetauscht"

Petra Jenner, die Chefin von Microsoft Österreich betonte, dass man den "Motor ausgetauscht" habe und nun eine „neue Technologie" auf den Markt bringt. Konkrete Absatzzahlen wollte sie nicht nennen: "So viel wie möglich", so die Ansage. Ziel sei es, eine "durchgängige Erfahrung" auf PC, Smartphone und TV zu schaffen, so die Microsoft-Österreich-Chefin. Zum Start wird es für das Mobiltelefon 150 eigene Anwendungen, sogenannte "Apps", im Windows-"Marketplace" geben. Microsoft integriert in das Handy-Betriebssystem seine anderen Produkte wie etwa die Bürosoftware Office, die Spielekonsole Xbox und den Medienplayer Zune und schafft Synchronisationsmöglichkeiten. 50 Xbox-Live-Spiele wird es zum Start geben. Spiele können laut Microsoft aber "von jedem" entwickelt werden.

Microsoft hat den Erfolg des iPhone nicht kommen sehen, wie viele andere Unternehmen auch nicht. Zum Start von Apples Handy im Jahr 2007 hatte CEO Steve Ballmer nur spöttische Bemerkungen übrig. Doch die rasant sinkenden Marktanteile von Windows Mobile zeigten den Redmondern schnell, dass ihr alter Ansatz - das Desktop-Windows für einen kleinen Bildschirm zu adaptieren - nicht mehr funktioniert. Windows Mobile war zu überladen und überforderte die Kunden mit zu vielen Funktionen, zieht Design-Direktor Bill Flora gegenüber Wired Bilanz. Ende 2008 zog Microsoft die Notbremse und beschloss ein komplett neues Betriebssystem zu starten, mit dem die Altlasten von Windows Mobile abgeschüttelt werden sollten.

Kontrolle über das Design

Windows Phone 7 soll nun die von vielen gelobte User-Experience des iPhone liefern. Apple kontrolliert Hardware und Software und kann somit alles perfekt aufeinander abstimmen. Nachteil ist, dass dadurch Features, die Apple aus unterschiedlichen Gründen nicht passen, ausgesperrt bleiben. Das nehmen jedoch viele Nutzer in Kauf. Microsoft will zwar nicht selbst zum Hardware-Designer werden, hat jedoch strenge Kriterien definiert, die Hersteller befolgen müssen, wollen sie Windows Phone 7 verwenden. So muss es drei Hardware-Buttons und einen Touchscreen geben. Die Hardware wird dabei strengen Tests unterzogen, um die User-Freundlichkeit zu gewährleisten.

Neue Oberfläche

Das Betriebssystem verfolgt einen anderen Ansatz als das des iPhones. Microsoft bündelt Inhalte auf dem Homescreen in sogenannten Hubs, in denen beispielsweise Kontakte aus Telefonbuch und Social Networks zusammengeführt werden. Ähnliche Oberflächen bzw. Widgets haben einige Hersteller für ihre Android-Smartphones entwickelt.

Noch nicht State of the art

Erste Tester bestätigen Windows Phone 7 zwar eine hohe Usability. Doch fehlt es zum Start auch an Features, die iPhone und Android schon länger bieten, wie etwa Copy-and-Paste oder eine Funktion, die erlaubt das Handy als Modem zu nutzen. Seitens Microsoft hieß es am Montag, dass man „Copy-and-Paste" nachliefern will. Beobachter bezweifeln, dass Microsoft damit Kunden überzeugen kann, sich für Windows Phone 7 statt iPhone oder Android zu entscheiden. Möglicherweise schafft es Microsoft aber auch dem Markt zu zeigen, dass ein Ansatz funktioniert, der theoretisch nicht funktionieren sollte. Das gelang 2007 schließlich auch Apple-Chef Steve Jobs mit dem iPhone. (sum/APA)

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  • Microsoft-Chef bei der Vorstellung von Windows Phone 7 - Mit Windows Phone 7 will sich das Unternehmen im Kampf um die Kunden
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