1837 entworfener Dampf-Computer wird gebaut

  • Eine von Charles Babbages Skizzen zur Analytical Engine.
    foto: archiv

    Eine von Charles Babbages Skizzen zur Analytical Engine.

  • Modell des Dampf-Computers im Londoner Science Museums.
    foto: bruno barral (byb)

    Modell des Dampf-Computers im Londoner Science Museums.

Der Mathematiker Charles Babbage entwarf einen mechanischen Rechner mit 1,7-Kilobyte-Speicher

London - Der britische Informatiker John Graham-Cumming hat mit "Plan 28" ein Projekt ins Leben gerufen, um einen dampfbetriebenen Computer zu realisieren. Benannt ist das Projekt nach einer Skizze des Mathematikers Charles Babbage. "Er hat 1837 einen digitalen Allzweckcomputer entworfen, doch nie realisiert", erklärt Graham-Cumming. Mit der mechanischen "Analytical Engine", die das Steampunk-Genre mitinspiriert hat, war Babbage seiner Zeit weit voraus.

"All seine Ideen wurden in den späten 30ern und 40ern wiederentdeckt", betont Graham-Cumming. Denn elektronische Computer haben prinzipiell die gleiche Funktionsweise wie Baggages Entwurf. Dieser soll nun umgesetzt werden, um den Erfinder zu würdigen. Mit heutigen Computern kann das dampflokgroße Gerät natürlich nicht mithalten, doch historisch gesehen ist es durchaus beeindruckend.

Echter Allzweckrechner mit 1,7-Kilobyte-Speicher

Im Gegensatz zu anderen, oft zweckgebundenen Rechenmaschinen, hatte Babbage die Vision eines echten Allzweckgeräts. Sein mechanisches Design entsprach konzeptionell dem moderner Computer, so der Plan-28-Initiator. Beispielsweise ist die "Mill" der Analytical Engine das Äquivalent einer CPU, die einzelne Operationen ausführt. Den ersten Plänen zufolge sollten Daten während der Programmausführung in Speicherplätzen zu je 40 Dezimalstellen abgelegt werden - effektiv ein Arbeitsspeicher für den Dampf-Computer, der etwa 1,7 Kilobyte entspricht.

Das ist auf den ersten Blick nicht viel. "Zum Vergleich: Das Apollo-Computerleitsystem, mit dem Armstrong und Aldrin auf den Mond geschickt wurden, hatte 3,8 Kilobyte RAM", betont jedoch Graham-Cumming. Das war über 130 Jahre nach Babbages Erstentwurf. Der Mathematiker selbst hatte zudem in späteren Entwürfen sogar zehnmal mehr Speichereinheiten vorgesehen. Auch die Lochkarten-Ära hatte der britische Erfinder vorweggenommen, denn eben solche dienen in seinem Konzept als externes Langzeitarchiv für Programme.

Erste Programmiererin an der Seite von Charles Babbage

Eine wesentliche Rolle bei der Arbeit an der Analytical Engine spielte Charles Babbages Mitarbeiterin Ada Lovelace. Die 1815 geborene Tochter von Lord Byron war Mathematikerin und verfasste unter anderem einen Plan zur Berechnung von Bernoulli-Zahlen mit der Analytical Engine. Der Algorithmus galt später als das erste Computerprogramm - und Ada Lovelace somit auch als erste Programmiererin. Die in den 1970er Jahren entwickelte Programmiersprache Ada wurde nach ihr benannt.

Prüfung per moderner 3D-Modellierung

Babbage konnte zu Lebzeiten nur Teile der Analytical Engine bauen. Nach seinem Tod wurde die Umsetzung aus Kostengründen auf Eis gelegt. Mit Plan 28 sucht Graham-Cumming nun nach der nötigen Unterstützung, um den ersten Allzweckcomputer doch noch Realität werden zu lassen. Dazu muss zunächst eine Entscheidung fallen, wie genau die Analytical Engine auszusehen hat. Denn Babbage hatte seine Entwürfe in über 30 Jahren immer wieder angepasst.

Vor der eigentlichen Umsetzung schlägt Graham-Cumming vor, die Funktionstüchtigkeit der Maschine mithilfe moderner 3D-Modellierung zu prüfen. Dazu könnten auch die Macher moderner Steampunk-Werke wie des Films "Wild Wild West" beitragen. "Ich denke, wer hochwertige 3D-Games oder Filme macht, hat Fähigkeiten, die für die Simulation nützlich wären", meint der Informatiker. (red/pte)

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