Hautfarbe beeinflusst Polizeikontrolle

Maria Sterkl
11. Oktober 2010, 16:50
  • Wie oft man aufgehalten wird, lässt sich für manche schwer beeinflussen: Roma und Menschen mit schwarzer Hautfarbe sind in einigen Ländern stärker von Polizeikontrollen betroffen
    foto: apn/ fritz reiss

    Wie oft man aufgehalten wird, lässt sich für manche schwer beeinflussen: Roma und Menschen mit schwarzer Hautfarbe sind in einigen Ländern stärker von Polizeikontrollen betroffen

  • Der Bericht der Grundrechteagentur als Download

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In der EU werden AfrikanerInnen und Roma häufiger von der Polizei kontrolliert als die Mehrheit

Die Polizei behandelt nicht alle Menschen gleich streng. Wer „anders" aussieht, ist in einigen Ländern stärker von Polizeikontrollen betroffen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Erhebung der EU-Grundrechtsagentur, die in mehreren EU-Staaten durchgeführt wurde.
Menschen unterschiedlich zu behandeln, ist PolizistInnen nicht grundsätzlich verboten. Sollten sie ihr Verhalten jedoch nicht den jeweiligen Umständen anpassen, sondern der Hautfarbe, Religion oder Herkunft der „beamtshandelten" Person, dann ist dies widerrechtlich. Diese Praxis wird im Fachjargon „Ethnic Profiling" genannt. Sie ist in der EU weiter verbreitet, als manche annehmen möchten.

Öfter kontrolliert

Die Zahlen sind zum Teil alarmierend: 42 Prozent der Franzosen/Französinnen mit nordafrikanischen Wurzeln wurden in den letzten zwölf Monaten mindestens einmal von der Polizei kontrolliert - im Gegensatz zu 22 Prozent der französischen Mehrheitsbevölkerung.

In Griechenland wurden 56 Prozent der Roma mindestens einmal kontrolliert, während dies nur 23 Prozent der Mehrheitsbevölkerung von sich behaupten konnten. 15 Prozent der GriechInnen geben an, sie hätten bei einer Verkehrskontrolle im letzten Jahr einen Alkohol- oder Drogentest machen müssen - bei den griechischen Roma waren es 41 Prozent. 75 Prozent der türkischstämmigen Befragten in Deutschland gaben an, sie seien bei der letzten Polizeikontrolle nach ihrem Personalausweis gefragt worden - doch nur 43 Prozent der Mehrheitsbevölkerung mussten sich ausweisen.

Hautfarbe beeinflusst

Allgemein gilt: Ethnic Profiling hat weniger etwas mit Herkunft zu tun, als mit Aussehensmerkmalen. Jene Gruppen, die besonders stark von diskriminierenden Polizeikontrollen betroffen sind, haben gemeinsam, dass ihre Hautfarbe dunkler ist als jene der Durchschnittsbevölkerung, also meist Menschen mit afrikanischen oder afroamerikanischen Wurzeln, oder aber Roma. 

Länder-Unterschiede

Bei den befragten Roma zeigten sich auffallend große Unterschiede von Land zu Land: So waren 56 Prozent der griechischen Roma im vergangenen Jahr von Polizeikontrollen betroffen, wobei jedeR von ihnen im Schnitt 5,8 Mal kontrolliert wurde. Nur 17 Prozent meinten, die Kontrollen hätten nichts damit zu tun, dass sie Roma seien. Dagegen äußerten nur fünf Prozent der rumänischen und zwei Prozent der bulgarischen Roma die Vermutung, sie seien aufgrund ihrer Minderheiten-Zugehörigkeit angehalten worden.

Der FRA-Bericht führt dies jedoch nicht darauf zurück, dass Roma in diesen Ländern besser integriert wären - im Gegenteil: Die starke Segregation der Roma in Rumänien und Bulgarien sei verantwortlich dafür, dass sie weniger Berührungspunkte mit der Mehrheitsgesellschaft - und somit auch mit PolizeibeamtInnen - hätten, meinen die Studien-AutorInnen. Ein anderes Bild zeigt sich in Ungarn: Hier gaben 41 Prozent der befragten Roma an, in den vergangenen 12 Jahren kontrolliert worden zu sein - gegenüber 15 Prozent der ungarischen Mehrheitsbevölkerung.

Für alle untersuchten Länder gilt: Drei Mal pro Jahr oder öfter von der Polizei angehalten zu werden, ist statistisch gesehen ein reines Minderheitenphänomen. Nirgends sind Angehörige der Mehrheitsbevölkerung derart häufig von Kontrollen betroffen. Griechische Roma werden im Schnitt sogar 5,8 Mal jährlich kontrolliert, Angehörige der griechischen Mehrheitsbevölkerung hingegen 1,8 Mal pro Jahr.

Wenig Vertrauen in Polizei

Diskriminierendes Verhalten von PolizeibeamtInnen in Kauf zu nehmen, könne „nachteilige soziale Wirkungen" haben, warnt Morten Kjaerum von der EU-Grundrechteagentur (FRA): Es sei erwiesen, dass solche Erfahrungen das Vertrauen von Minderheiten in die Polizei untergraben. Dies wiederum wirke sich negativ auf das gesellschaftliche Zusammenleben aus.

Kein einziges EU-Land außer Großbritannien hat bislang wirksame Maßnahmen ergriffen, um Ethnic Profiling zu begegnen: Nur im Vereinten Königreich wird gezielt erhoben, wie der Umgang der Polizei mit Minderheiten in der Praxis aussieht. Die übrigen Staaten tappen diesbezüglich weiterhin im Dunklen. Die Grundrechtsagentur bemängelt dies: Nur, wer wisse, wo Diskriminierung vorkomme, könne sie wirksam bekämpfen. (mas, derStandard.at, 11.10.2010)

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das gleiche gilt für Anzug- Tragende im Vergleich zu legerer oder gar alternativ oder sonstwie "anders" Gekleideten

eine österreichische Bekannte- im Gothic- Look- wäre fast festgenommen worden, weil die Beamten im Zug fix der Meinung waren, ihre Pille in der Handtasche seien irgendwelche getarnten "Drogen"

Und mein Nachbar, Pendler, die Wurzeln in Kamerun, wird regelmäßig im Zug kontrolliert- als Einziger!

Vertrauen ist gut.

Aber da war doch irgendwas, das besser sein soll als Vertrauen...

Wir Nicht-Polizsiten hier können leich treden...

...aber um einen Polizisten verstehen zu können muss man (Sprichwort - nicht wörtlich nehmen) erstmal ein paar Meilen in seinen Schuhen gehen.
Ein Polizist, der über Jahre hinweg seinen Job ausübt verfügt über Erfarhung und auch über eine gewisse Menschenkenntnis die er sich im Verlauf der Jahre angeeignet hat. Von den Reaktionen auf die Exekutive in gewissen Kreisen ganz zu schwiegen...
Und betreff Ethnicprofiling: Wenn es eine Statistik gibt (JA, ich weiß, darüber kann man sich vortrefflich streiten! Aber bitte nicht hier!) die angibt, dass diese und jene Volksgruppe (egal ob Türken, Roma, Kärntner, etc.) gerne dieses und jene Verbrechen begehen würden/könnten, macht es da keinen Sinn in diese Richtung zu ermitteln?

ich weiß von einem Polizeischüler, dass einem das ältere Kollegen schon ganz gern eintrichtern

ich empfehle hinkünftig sogenannten "Migranten"

den Staat zu klagen.

Beinhart. Diskriminierung, und all deren Folgen.

Hetze, und all deren Folgen.

Benachteiligung, und all deren Folgen.

Und dann schau ma uns an wie weit die Blauwähler damit kommen, wenn sie die von Strache so gerne präsentierte "Ois a Österreicha wird ma im eigenen Land diskriminiert" Parole vor nem Richter einklagbar machen wollen.

Nur so zum Vergleich.

Na dann viel Vergnügen beim Klagen... und kein Klagen, wenn die Klage in die Hose geht.

Dagegen klagen dass man kontrolliert wird? Also gleich alle Verbrecher frei herum laufen lassen?

Ethnic profiling der bayrischen Grenzpolizei

Ich reise seit vielen Jahren ca. einmal im Jahr mit dem Zug über die Grenzstationen Salzburg bzw. Passau. Ich habe eine dunkle Hautfarbe. Ich bin bis auf einmal jedesmal von den deutschen Beamten kontrolliert worden.
Die Ausnahme: Ich bin spät drangewesen und habe den Regionalzug gerade noch erwischt. Keine Kontrolle. Da konnten sie den Zug nicht mehr besteigen, die Herrn Kontrollbeamten.

Ist allerdings die Bundespolizei (früher BGS), auch wenn die in Bayern offenbar deutlich überpräsent ist und ohne Zweifel Racial Profiling macht.

naja der durchschnittpolizist ist halt ein depp mit macht, nicht mehr und nit weniger!

Da pflichte ich ihnen bei. Ich fahre oft mit dem Zug von Tirol nach München. Dasselbe Schema: Farbige, Langhaarige, Jugendliche in Rapper,Skater Outfit etc. werden kontrolliert. Ich sitze mit einem Buch im Abteil und werde nicht mal nach den Ausweis gefragt. Ich hatte früher selbst lange Haare und einen Bart und wurde ständig kontrolliert. Heute könnte ich schmuggeln ohne Ende und die "üblichen Verdächtigen" werden kontrolliert.

Polizisten sind auch nur Menschen, und Ihnen ist es doch eigentlich wurscht - hauptsache die Dienststunden sind abgesessen und man kann nach Hause. Ist so-wie überall.

alles absurde statistiken ...

zur weihnachtszeit werden vermehrt einehimische kontrolliert, weil die polizei weiß wer stammgast bei den maroni .. ich meine punschstandln ist! und das ist mit sicherheit nicht der mirko, huseyin oder mgwongo

da wird dann auf "saurosa" als gesichtsfarbe geachtet - zu recht so!

aber

Diskriminierendes Verhalten von PolizeibeamtInnen in Kauf zu nehmen, könne „nachteilige soziale Wirkungen" haben ..und bitte schaun Sie sich mal Reportagen an, was das so nach sich ziehen kann

Mein Bruder (kein Migrationshintergrund), zuvor nie in Kontakt mit der Polizei gekommen, kam nach 6 Monaten Pakistan/Indien Auslandssemester und Reisen zurück. Er hatte sehr dunkle Haut durch die viele Sonne bekommen, lange dunklezersauste Haare und einen längeren Vollbart...wie man halt aus Indien zurückkommt ;)
Am 2. Tag seiner Rückkehr wurde er ,nachdem er beim Geldautomaten Geld abgehoben hat, von der Polizei kontrolliert. "Standardkontrolle" hier es, als er fragte, warum er kontrolliert wurde...

stellen sie sich vor ... ich, ganz ohne dunkle hautfarbe fahr um 8 uhr abends am gürtel entlang und ... wurde von der polizei kontrolliert ...

... ich hatte neulich fahrscheinkontrolle in der s-bahn - puh !

Und.....????

...

das ende ihrer geschichte ist unbefriedigend!

denken --> posten

umgekehrt geht auch - macht sogar mehr spaß.
(aber da sind sie wahrscheinlich auch schon drauf gekommen)

was ist hier anders als in afrika?

ich wurde in mali innerhalb von 3 wochen gezählte 42 mal kontrolliert.

jedesmal war ich um einige cfa ärmer

und jetzt? es scheint auf der ganzen welt gleich zu sein und das seit urzeiten.

das leicht erkennbare fremde (hautfarbe?) erregt mehr aufmerksamkeit

wenn die autorin uns europäern/österreichern schlechtes gewissen einreden/schreiben wollte, dann hat sie das thema verfehlt.

setzen fünf

wie ich noch...

...mit indonesischem reisepass gereist habe, wurde mich an der österreichischen grenze ständig gefragt, ob ich vorhabe, um asyl anzusuchen. weiters hat man mich und mein gepäck ständig durchsucht, in vollen schlafabteilen ist man ständig der einzig überprüfte. all da hat schlagartig aufgehört, nachdem ich einen nl pass bekommen habe. es war ein seltsames gefühl, von dem einen auf den anderen tag ist man kein hauptverdächtiger mehr, bis dahin war das sonnenklar.

Ja selbstverständlich ist das so, dass Hautfarbe ein Faktor für Kontrolle sein kann.

Als ich mal 4 Wochen lang durch Cuba mit dem Rucksack unterwegs war, wurde ich so oft von der Polizei kontrolliert, dass ich bei 30 zum zählen aufhörte.

Lapidarer Kommentar: Wir haben gleich gesehen, dass sie nicht von hier sind.

Dass ist doch überall auf der Welt gleich - in Nairobi, Khartum, Harare werden wahrscheinlich die Europäer öfter aufgehalten.

in kuba denkt man sich beim anblick einen weissen: "ahja, ein tourist"

in österreich denken sich viele bei einem schwarzen: "soso, ein drogendealer"

weisst eh, äpfel und birnen und sowas...

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