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Finanzkrise bringt Schuldensprung

Sepp Wall-Strasser, 11. Oktober 2010, 09:14
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    Grafik: erstellt nach Daten von Eurostat 05/2010 und Staatsschuldenausschuss 06/2010

Aus Finanzkrise mach Schuldenkrise: wie immer ist das Marketing der Vertreter der etablierten Finanzordnung genial

Während in den Tagen und Wochen nach dem Fall von Lehman Brothers die Ereignisse noch mit "Crash des Finanzsystems", "Finanzmarktkrise", "Krise des Finanzkapitalismus" und anderen Ausdrücken durchaus richtig benannt worden ist, so ist zwei Jahre später eine "Schuldenkrise" daraus geworden. Die Geschichtsfälschung ist (wieder einmal) perfekt geglückt: Schuld an allem sind "der Staat" und die Regierungen mit ihrer völlig verkehrten Sozial- und Budgetpolitik!

Und schon kann man fleißig die grimmigsten Sparpakte schnüren - von einer Dimension, wie es sie in Europa seit dem zweiten Weltkrieg nicht mehr gegeben hat. Vergessen wurde gemacht, dass es genau umgekehrt war. Erst die Finanzkrise hat die EU-Staaten in hohe Schulden gestürzt. Vorher war die Mehrzahl der EU-Staaten auf gutem Konsolidierungskurs, manche EU-Länder hatten sogar Budget-Überschüsse.

In Österreich war der Schuldenstand im Jahr 2007 mit 59,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts sogar unterhalb der Maastrichtgrenze. Nicht ein zu teures Sozialsystem - wie versucht wird, uns einzureden - führte zum Schuldenanstieg, sondern das zerstörerische Spekulationsdesaster auf den deregulierten Finanzmärkten, an dem Hedge-Fonds, Banken und Spekulanten damals und heute verdien(t)en.

Wenn bei Bauaufträgen, Sozialleistungen, Pensionen etc. gekürzt wird, schadet das der Wirtschaft und kostet Arbeitsplätze, weil Aufträge und Kaufkraft ausfallen. Die öffentlichen Budgets wurden durch die Krise mehrfach belastet: Viele hundert Milliarden Euro wurden zur Rettung von Banken aufgewendet, Konjunkturpakete mussten finanziert werden, um den völligen Wirtschaftseinbruch zu verhindern. Die gestiegene Arbeitslosigkeit hat enorme Kosten verursacht und gleichzeitig sind die Staatseinnahmen eingebrochen, weil bei schlechter Wirtschaftslage auch weniger Steuern hereinkommen. Europaweit droht nun ein Sparkurs mit Kürzungen öffentlicher Leistungen, Sozialabbau und höheren Massensteuern. Das belastet die Klein- und MittelverdienerInnen und wird zur nächsten Wirtschaftskrise führen. Das Budget wird damit erst recht nicht konsolidiert.

Um Schulden abzubauen, muss das Geld daher geholt werden, wo es der produktiven Wirtschaft am wenigsten schadet. Deshalb sind Vermögenssteuern für Millionäre, Finanztransaktionssteuer, Bankenabgabe, Spekulationssteuern der richtige Weg aus der Sackgasse. Wenn damit auch die ihren Beitrag leisten, die die Krise verursacht haben, so ist dies zwar gerecht, aber dennoch nur eine aktuell dringend nötige Wiedergutmachung. Vieles ist dabei nur Symptomkur. Denn das eigentliche Geschäft, das geleistet werden muss, ist jenes, welches wir mit strengen Kontrollen der Finanzmärkte und dem Verbot der schädlichen Spekulationen bezeichnen. Doch davon sind wir noch genau so weit weg wie vor zwei Jahren. Die nächste Krise ist daher wahrscheinlich nicht mehr weit.

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Posting 1 bis 25 von 26
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Nirvanacharly
 
01
30.10.2010, 06:23
die schulden gehören

denen die diese besitzen, die banken, denen fehlt ja das geld und nicht uns, stell dir vor es sind schulden und keiner geht hin.

Protagoras v. Abdera
02
29.10.2010, 12:45
Es war wichtig, das wieder einmal gerade zu rücken

Die Lektüre sei vor allem Krisenfrey empfohlen

max mop
31
12.10.2010, 21:57
linkslinks, und noch immer wenig verstanden

ich zitiere"..manche EU-Länder hatten SOGAR Budget-Überschüsse. In Ö. war der Schuldenstand im Jahr 2007 mit 59,5 Prozent des BIP (!) SOGAR unterhalb der Maastrichtgrenze.."
nur kurz (verdammt wenig zeichen): wer über den konj.-zyklus nachhaltig (+/- 0 nettoneuversch.) wirtschaften will, braucht in der hoch-konj. ÜBERSCHÜSSE. sonst kann er im abschwung ("krise"!) die öff. (sozial- und stabilisierungs-) mehrausgaben nie stemmen. hatten wir aber auch bis 2008 nicht. wir sind ständig um ca 1-3 % des bip "parallelverschoben" unter den zielwerten (s. zb langfr. staatsschuld: stetiger anstieg durch?: richtig: ständiges neu-defizit...) wir haben ein STÄNDIGES STRUKTUR-problem, kein kurzfr. "krisenproblem". das kommt wohl auch von bösen privaten...

Protagoras v. Abdera
03
29.10.2010, 12:46
Und dieses Strukturproblem trägt auch einen Namen: Abschaffung der Vermögenssteuern ab den 1990er Jahren

Alkolix
01
16.10.2010, 09:13
das problem

ist ein größeres

in hochzeiten werden hohe gewinne eingefahren - vermögen wird aufgebaut, aber halt nicht vom staat
die staatlichen einnahmen schwanken nicht in diesen größenordnungen

in der krise müssten diese vermögen dann abgebaut werden - nicht der staat wäre also in der verantwortung sondern jeder wirtschaftsteilnehmer

der staat ist aber nicht in der lage dafür zu sorgen, somit bleibt nur die verschuldung

erst wenn der gesellschaftliche schulden/vermögensstand negativ ist (exporte mal ausgenommen) wäre der staat in der lage vermögen aufzubauen - und das ist somit auch die zwingende konsequenz wenn er versucht in diesen zustand zu kommen

angelo6
00
12.10.2010, 08:29
dafür hat schwarz/blau/orange und dann rot/schwarz das Geld ausgegeben!

Bis zu 10 Milliarden für das teuerste Loch Österreichs (Koralmtunnel: schwarz/blau/orange), mehr als 3 Milliarden für unsere maroden Banken (Bankenhilfspaket HGAA/ÖVAG, Kauf Hypo Alpe Adria: rot/schwarz), 500 Mio für den Verkauf der AUA (rot/schwarz). Klar, dass das wer zahlen muss.

Dirty_Harry
04
11.10.2010, 12:55

Warum eigentlich haben Faymann&Pröll die Schulden der BayernLB-HGAA sozialisiert? Es gab hier keinen Grund, die Bank hatte in Österreich wenig Beschäftigte und Spareinlagen, die Abwicklung eines Konkursverfahrens wäre kein Problem gewesen.

Experte für äh alles
03
12.10.2010, 08:38

Weil dann die schwarzen Eigentümer der Bank bluten hätten müssen.

Alexander M. Swoboda
61
11.10.2010, 10:47
Falsche Analyse

Der rein zeitliche Zusammenhang zwischen Finanzkrise und steigenden Schulden reicht nicht für eine 1:1 Korrelation.

Wir haben uns in den letzten Jahrzehnten einen teuren Staat (Verwaltung, Sozialleistungen) geleistet, den wir uns nur leisten konnten, weil wir (v.a. die USA) durch kreatives Vorziehen von Konsum unser GDP künstlich angehoben haben. Davon haben fast alle zumindest indirekt, z.B. über Arbeitsplätze, die durch Export entstanden sind) profitiert.

Seit der Finanzkrise ist klar, dass der Einzelne nicht mehr über seine Verhältnisse (sei es durch eigene Schulden oder Export an Schuldner) leben kann, und genauso können auch die Staaten nicht mehr über Ihre Verhältnisse leben.

Wiesengrund
01
11.10.2010, 11:31

Für die Exportnationen trifft das schon mal nicht zu, denn deren Bevölkerungen leben nicht über, sondern unter ihren Verhältnissen.

Alexander M. Swoboda
11
11.10.2010, 11:35
Das ist ein weitverbreiteter Irrtum

Wenn die USA nicht über ihre Verhältnisse konsumiert hätten, hätte Deutschland nicht über seine Verhältnisse Kapazitäten aufbauen können um diesen Konsum zu befriedigen. Von diesem Aufbau, hat die deutsche Wirtschaft und damit auch die deutsche Bevölkerung profitiert.

Wiesengrund
00
19.10.2010, 02:08

Wohl kaum, denn die Löhne und Gehälter sind in Deutschland schon seit etlichen Jahren weit hinter dem Produktivitätszuwachs zurückgeblieben.

Wiesengrund
00
19.10.2010, 02:09

Exportorientierung bedeutet nämlich: Leben unter und nicht etwa über den eigenen Verhältnissen.

mike sierra
00
11.10.2010, 17:34
gute Analyse

Ich stimme der Analyse weitgehend zu.

Nur dass Schulden nicht absolut schlecht sind, sondern nur die, die man nicht mit Leichtigkeit bedienen kann. Denn was hat einer davon, wenn er sich durch langfristiges Ansparen das Haus erst mit 60 leisten kann, das er mit 30 gebraucht hätte?

Und wie bei freien Kapazitäten die Zeit dehnbar ist, so sind bei Überschüssen nach Fixkosten die aktuellen Bedürfnisse dehnbar. Konsequenz: Es wird ohnehin nichts gespart oder das Ersparte verspekuliert, und das Haus geht sich dann nie aus.

Gold und Silber kaufen
 
81
11.10.2010, 10:26
"Erst die Finanzkrise hat die EU-Staaten in hohe Schulden gestürzt."

Ja, das täte ihm so passen, gell?
Tatsache ist: Europa war schon vorher hoffnungslos überschuldet, die Krise ist nur das Sahnehäubchen. Die USA waren schon vorher zu hoch verschuldet, Japan gar mit über 200% vom BIP.
Man hat es sich im Westen zu leicht gemacht:
-Die USA haben sich mit ihren Kriegen übernommen
-In Europa ufern die Sozialstaaten aus, Probleme von Gesellschaft und Wirtschaft wurden nicht gelöst, sondern mit Geld beworfen, und das schon seit Jahrzehnten.
Die durch Staatsverschuldung geschaffenen Geldmengen haben die Finanzkrise überhaupt erst möglich gemacht- ein typisches Problem aller ungedeckten Schuldgeldsysteme. Genau diese wird es jetzt zerreissen.

Die völlig durchgeknalle Stimme der Vernunft
02
11.10.2010, 11:47
Interessanterweise ist es aber so

dass Staaten die möglichst geringe soziale Ungleichheiten haben auch den höchten BIP/Kopf haben.

Passt nichtt ganz in das Weltbild des bösen Sozialstaates oder?

Gold und Silber kaufen
 
31
11.10.2010, 15:32
Ihrer Meinung nach

müsste Nordkorea also das reichste Land der Welt sein?

Milchleber
01
29.12.2010, 20:00

seit wann hat Nordkorea einen Sozialstaat???

Immer lustig, wenn man zur Argumentation gegen soziale Staatsformen irgendwelche Diktaturen heranzieht ...

Wörtherseefähre Potemkin
03
11.10.2010, 17:31
Nordkorea... Na ja... Jedenfalls gibt es in...

... Nordkorea extrem hohe Soziale Ungleichheiten. Es ist einen 3-Klassen Gesellschaft. 1, das normale Volk, das Willkür und Hunger ausgesetzt ist, 2, Militär, das Gros der Truppe ist zumindest gut Ernährt und 3, die Kaste der Funktionäre und Parteibonzen, die in Übermäßigem Luxus leben.

Übrigens, dieses ewigen "Nordkoreakeulen" sind eine Beleidigung der Intelligenz des Lesers, bzw. lassen sie auf extremes Unwissen in wirtschaftlichen und Geopolitischen Themen schließen.

Gold und Silber kaufen
 
30
12.10.2010, 10:00
Bitte sehr! Wie wärs denn mit Kuba oder Veneuela?

Dieses ständige Gleichheitsgefasel der Linken beruht auf einem falschen Menschenbild, und alle linken Systeme beweisen es.
Die Menschen sind von Natur aus verschieden an Intelligenz, Begabungen und Charakter. Der Versuch, Gleichheit um jeden Preis herzustellen, führt daher immer zur Bestrafung von Fleiß und zur Belohnung von Faulheit. Die Ergebnisse sind bekannt und bedürfen keiner weiteren Erklärung.

Ziel muss vielmehr die Gleichheit der Chancen sein, z.B. durch Bildung. Ihr Auskommen müssen sich die Menschen aber selbst erschaffen, der Politik kommt lediglich die Aufgabe zu, sie dabei nicht zu behindern.

Feles
00
28.10.2010, 14:04
besuchen sie haiti

und dann besuchen sie kuba. beides sind karibikstaaten, die von kolonialherren ausgebeutet wurden. kuba hat die linke notbremse gezogen. damit wurden die kubaner nicht reich - aber sie mussten auch nicht länger hunger leiden und in verwahrlosung leben.

Peter Pan5
 
10
11.10.2010, 11:46
Was heißt da ungedeckte Schuldgeldsysteme!

Die Schulden sind durch die Guthaben der Sparer gedeckt.
Schulden sind die eine Seite der Medaille. Schulden und Guthaben sind untrennbare Zwillinge.

Wer die Schulden elleminieren will, muss die Guthaben ausradieren...

Gold und Silber kaufen
 
00
11.10.2010, 15:37
Diese "Deckung" ist keine,

Eine gedeckte Währung ist auf einen vorhandenen Sachwert (z.B. Gold) gegründet. Dies verhindert, dass Politiker und Hochfinanz für ihre Zwecke ganz einfach Geld erschaffen, weshalb besagte Gruppen schon immer ungedecktes Geld liebten.
Bitte sehr, sie haben es geschafft: Seit 1971 das Goldfenster geschlossen wurde, sind alle Währungen reine Luftnummern, elektronische Bits, bedrucktes Papier. Man kann sie beliebig vermehren.

Folge: Siehe Finanzkrise.

Am Ende steht die Währungsreform und die Einführung eines neuen gedeckten Geldes.

Alkolix
01
16.10.2010, 09:27
naja

hat uns immerhin fast 40 jahre eingebracht die deckung aufzulösen

die zwillingstheorie braucht keine deckung - ohne deckung wird die reihenfolge nur umgedreht

es wird zuerst die schuld erzeugt wandert dann aber wohl zangsläufig auf die guthabenseite

also wenn ich mir 1Mio ausborge hab ich 1Mio schulden aber auch 1Mio vermögen

wenn ich diese Mio ausgebe wandert sie irgendwo anders hin, das Vermögen bleibt aber - oder es werden schulden zurückgezahlt, dann wird schuld und vermögen wieder kleiner

solange das vermögen nicht zu den schuldnern wandert bleiben schuld und vermögen erhalten

um die schulden abzubauen müssen sie also die vermögenden dazu bringen ihr vermögen auszugeben

ob ihre forderungen ein anreiz dazu sind bezweifel ich

georgesoros
00
24.10.2010, 11:26
Sie genie

Und den zins und Zinseszins haben's in ihrem schönen einfachen Weltbild einfach mal ausgeklammert! Bevor sie nächstes mal über das geldsystem Posten sollten sie sich vielleicht zuerst damit beschäftigen dann werdens das die Sache ETWAS anderst gelagert ist!

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