Dumm wie Brot

10. Oktober 2010, 20:36
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Seit heute begeht unser wohl-genährtes Land die Brotwoche

Als ob wir den Mund vor lauter Wurstsemmeln, Serviettenknödeln und sonstigen Mehlspeisen nicht eh schon voll hätten: Seit heute begeht unser wohl-genährtes Land die Brotwoche, eine Initiative zur Maximierung des Brotverbrauchs, die vom Gesundheitsministerium (wem sonst?) und anderen Interes-sengruppen propagiert wird.

Die Getreidewirtschaft ist auch im Boot, womit die Notwendigkeit gesteigerten Mehlkonsums sicher ganz neutral evaluiert wird.

Keine Frage: Verglichen mit anderen, vom Steuerzahler finanzierten Initiativen zur Absatzsteigerung der Agrarindustrie (die unvergessene "Hauptsache: Fleisch!"-Kampagne der AMA etwa) nimmt sich diese harmlos aus - vorausgesetzt, man blendet Kleinigkeiten aus: die Zunahme von Gluten-Allergikern etwa, die schon auch mit dem Konsum von immer mehr, immer eiweißhaltigerem Turboweizen zusammenhängt.

Oder dass sich unter dem Titel "Herzgesund mit Brot" tatsächlich Ärzte und Ernährungswissenschafter dafür hergeben, für den erweiterten Konsum brotähnlicher Substanzen zu trommeln.

Demnach sollen wir täglich vier "dicke Scheiben" Brot oder Gebäck verdrücken, um das Herz zu stützen - mindestens. Aber sicher doch. Wer danach aufgeht wie ein Germteig, ist freilich selbst schuld. Dick, so die Expertise, wird man nämlich nur vom Brotbelag. Und dessen Produzenten haben diesfalls ja nicht mitgezahlt. (corti/DER STANDARD, Printausgabe, 11.10.2010)

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