SPÖ Wahlsieger bei Migranten

10. Oktober 2010, 20:11
287 Postings

Wahlbeteiligung bei unter 30-Jährigen besonders niedrig - FPÖ punktet bei Arbeitern und Gemeindebau-Bewohnern, Grüne bei Jungen

Die Wahltagsbefragung von SORA im Auftrag des ORF (Anzahl der Befragten: 2.007) zeigt, dass 34 Prozent der WählerInnen bei einem Verlust der SPÖ-Absoluten eine rot-schwarze Stadtregierung wollen. Rot-Grün können sich 28 Prozent vorstellen, eine Koalition der SPÖ mit der FPÖ nur 19 Prozent. Unter den SPÖ-WählerInnen zieht die Mehrheit allerdings eine Koalition mit den Grünen (43 Prozent) einer Koalition mit der ÖVP (40 Prozent) vor.

Wahlbeteiligung bei Jungen sehr schwach

Die Wahlbeteiligung lag bei den unter 30-Jährigen bei schwachen 40 Prozent. 58 Prozent der Männer gingen zu den Wahlurnen, allerdings nur 52 Prozent der Frauen. 66 Prozent der Gemeindebau-BewohnerInnen gaben ihre Stimme ab und 55 aller WienerInnen mit Migrationshintergrund. Die weiteren Wahlbeteiligungen nach Berufsgruppen: Arbeiter (61 Prozent), Angestellte (59 Prozent), Selbstständige (61 Prozent), sonstige Erwerbstätige (55 Prozent), in Pension (46 Prozent), in Ausbildung (77 Prozent). Diejenigen, die nicht zur Wahl gingen, taten das wegen der unattraktiven Parteien (17 Prozent), den unattraktiven Kandidaten (16 Prozent) und als Protest gegen Politiker in Wien (14 Prozent). 12 Prozent der Nichtwähler geben an, sie hätten das Interesse an der Politik in Österreich generell verloren.

Männer wählen öfter FPÖ, SPÖ bei Frauen beliebt

Große Unterschiede im Wahlverhalten gibt es zwischen Männern und Frauen: 50 Prozent der befragten Frauen wählten SPÖ, bei den Männern waren dies nur 41 Prozent. ÖVP liegt bei den Geschlechtern gleichauf mit 14 Prozent. Die FPÖ punktet wiederum bei den Männern sehr stark (28 Prozent), Frauen entschlossen sich weniger häufig für die FPÖ (20 Prozent). Die Grünen liegen bei 14 Prozent (Frauen) und 12 Prozent (Männer).

Der Zeitpunkt der Wahlentscheidung liegt bei 70 Prozent der Befragten schon länger zurück, 18 Prozent entschieden sich vor zwei bis drei Wochen, 11 Prozent erst in den letzten Tagen. 75 Prozent der FPÖ-Wähler waren sich ihrer Sache schon seit längerer Zeit sicher, ganz im Gegensatz zu ÖVP- und Grün-WählerInnen: 18 bzw. 20 Prozent entschieden sich erst in den letzten Tagen. Auffallend auch die hohe Anzahl an spontanen KPÖ-Wählern: 56 Prozent konnten sich erst kurzfristig für die Partei aussprechen.

Strache: Gewinner bei Arbeitern

Die Wiener SPÖ war für WählerInnen mit Migrationshintergrund die beliebteste Partei und erhielt von dieser Gruppe 55 Prozent der Stimmen, die FPÖ konnte wiederum sehr stark bei den ArbeiterInnen punkten: 40 Prozent dieser Berufsgruppe gaben dieser Partei ihre Stimme. Von den Wiener PensionistInnen erhielt die FPÖ 28 Prozent, von den GemeindebaubewohnerInnen 29 Prozent. Die Grünen erhielten sowohl von 16 bis 21-Jährigen (21 Prozent) als auch WählerInnen in Ausbildung (26 Prozent) überdurchschnittlich viele Stimmen.

SPÖ-Wähler: Häupl wichtigstes Wahlmotiv

Das inszenierte Duell um Wien schlug sich auch bei den Wahlmotiven nieder. Für 73 Prozent der SPÖ-WählerInnen war das Ziel auch eine weitere Amtsperiode einen Bürgermeister namens Häupl zu haben ausschlaggebend für die Wahlentscheidung. 61 Prozent der SPÖ-Wähler attestieren der SPÖ eine gute Arbeit in der Landesregierung. Weniger wichtig waren den SPÖ-WählerInnen hingegen die Konzepte der SPÖ gegen Arbeitslosigkeit und Vorschläge zur Integration.

ÖVP punktet mit Wirtschaftspolitik

56 Prozent der ÖVP-Wähler entschieden sich für diese Partei, weil sie die Absolute der SPÖ stürzen wollten. 54 Prozent gaben an, dass die ÖVP ihre Interessen vertritt und 51 Prozent, dass die ÖVP die besten Konzepte für die Wirtschaft liefere. Die Spitzenkandidatin Christine Marek war nur für 24 Prozent der vorwiegende Grund, die ÖVP zu wählen.

Grüne als Gegenpol zur FPÖ

Die Grünen konnten bei ihren Wählerinnen und Wählern auch dieses Mal mit Umwelt- und Klimaschutz punkten. Für 77 Prozent war dieses Thema ein maßgeblicher Grund für ihre Wahlentscheidung. 64 Prozent der Grün-Wählerinnen sahen die Grüne als Gegenpol zur FPÖ. Nur 15 Prozent gaben an, dass sie die Grünen präferierten, um die SPÖ zu schwächen und deren Absolute zu verhindern.

FPÖ-Wähler wollten SPÖ-Absolute stürzen

Gleich 69 Prozent der FPÖ-Wähler gab als ihr wichtigstes Wahlmotiv an, die SPÖ-Absolute stürzen zu wollen. Die Haltung der FPÖ zum Thema Zuwanderung war der zweitwichtigste Grund. Spitzenkandidat Heinz-Christian Strache konnte im Gegensatz zu den Spitzenkandidaten der anderen Parteien enorm punkten: Für 38 Prozent der FPÖ-Wähler gab er den Ausschlag. Eine große Diskrepanz zwischen FPÖ-WählerInnen und WählerInnen der anderen Parteien zeigt sich bei der Beurteilung der Lebenssituation. 46 Prozent der FPÖ-WählerInnen sind der Meinung, dass Wien stark abgewirtschaftet hat und viel an Lebensqualität verloren hat. Bei den anderen Parteien liegt die Unzufriedenheit nur zwischen 8 und 17 Prozent.

Die wichtigsten Themen für alle WählerInnen, die auch Einfluss auf die Wahlentscheidung hatten: Schule beziehungsweise Bildung, Gesundheit und Sicherheit.(edt/derStandard.at, 10.10.2010)

Link

SORA

  • SORA-Umfrage: Wahlmotive der Wienerinnen und Wiener

    Download
Share if you care.