Österreichs Meister der Hochsee

10. Oktober 2010, 17:30
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Nico Delle-Karth und Niko Resch gewinnen die Hochseestaats-­meisterschaft auf der Adria souverän. Lokal­augen­schein eines Sechstplatzierten

Biograd - Es ist zum Verzweifeln. Just als vom Kirchturm von Biograd der erste von zwölf Glockenschlägen erklingt, um Mitternacht, schiebt ein Lüfterl die Les Sables über die Ziellinie. Nicht nur auf der Auckland, die wie die meisten Schiffe der Einheitsklasse Bavaria 42 Match mit Spinnaker wenige hundert Meter dahinter in der Flaute hängt, sind das Signal und der Siegesjubel auf der Les Sables deutlich zu hören. Die Nic(k)os, also die Herren Delle-Karth und Resch, gewinnen in der vergangenen Woche nicht nur die Langstrecke, für die es zwei Wertungen gibt, sondern auch drei kurze, etwa eineinhalb Stunden dauernde Wettfahrten, werden dreimal Zweite. Schon vor der siebenten und letzten kurzen Wettfahrt stehen die Weltcupsieger im 49er als Hochseemeister fest.

Wind und Flaute

Um 13.20 Uhr wird die Langstrecke an der dalmatinischen Küste gestartet. Die Reise führt von Biograd auf der Kreuz Richtung Südosten, dem Südostwind entgegen. Nach 15 Seemeilen ist ein Inselchen zu umrunden. Vor dem Wind geht es dann 30 Meilen nach Nordwesten, wo ein weiteres Inselchen seiner Umrundung harrt. Der Wind bläst mit rund 20 Knoten. Die Yachten, keine wirklichen Renngeräte, werden von ihren großteils professionellen, achtköpfigen Crews so richtig ausgewunden, mit 12 Konten rauschen sie vor Wind und Welle zunächst unter den Regenwolken dahin und dann durch die Nacht. So gegen sechs dreht der Wind wie verheißen nach Westen, die 15 Meilen lange Rückreise kann zum überwiegenden Teil ebenfalls unter Spinnaker absolviert werden. Es gibt pausenlos etwas zu tun, denn wer gerade kein Schnürl zieht, sitzt auf der Kante.

Wenige Meilen vor Biograd geht der Wind schlafen. Es wird still. Die Crews sind angewiesen, zum Behufe der Gewichtsverlagerung katzengleich übers Deck zu schleichen. 18 Yachten sind in der One Design Klasse unterwegs. In dieser wird um den Staatsmeistertitel gekämpft, und das Gros der österreichischen Segelelite ist an Bord. Eine 42er muss gleich in der ersten Wettfahrt die Segel streichen. Beim Getümmel der acht Tonnen schweren Schiffe vor dem Start wird sie vom Bug einer Konkurrentin mittschiffs getroffen. Das Loch in der Bordwand ist nicht so flott zu flicken.

Klassenmeistertitel werden in den offenen Klassen mit und ohne Spinnaker vergeben. Insgesamt 42 Schiffe sind an der Regatta beteiligt. Als vor Biograd die Luft mal den einen, mal den anderen an die Spitze schiebt, sind viele noch weit draußen. Um 13.20 Uhr des folgenden Tages, 24 Stunden nach dem Start, ist das Zeitlimit erreicht, wird die Langstrecke für beendet erklärt. Elf Schiffe müssen in den Hafen dieseln.

Die Auckland, die auf der Langstrecke kurz vor dem Ziel in Führung liegt, wird Fünfte und beendet die Meisterschaft als Sechste. Skipper Matthias Schmid hat es nicht leicht. Gleich drei Regatta-Neulinge dienen auf der Auckland, darunter der Standard als Pit, verantwortlich für die Leinen im Cockpit wie Spifall oder Großfall, Topnant oder Baumniederholer, an der Winsch Zukurbler für den Bediener des Spinnakers. Schmid, im 470er aktuell Siebenter der Weltrangliste, stehen als Profis sein 470er-Vorschoter Florian Reichstädter, 49er-Kadersegler Thomas Zajac, 470er-Nachwuchshoffnung David Bargehr und Marcel Formann, vormals Regattasegler und nun Physiotherapeut beim Segelverband, zur Seite. Das Team spielt sich ein, wird in der letzten Wettfahrt Vierter.

Einheitsklasse hin oder her, die Charteryachten und ihre Tücher sind unterschiedlichen Zustands. Deshalb werden sie vor der Regatta verlost. Die Spinnaker werden ebenfalls verlost. Und als das Gerücht die Runde macht, dass sich einige vor dem Anheben der Meisterschaft gemeinerweise von anderen Schiffen bessere Spibäume mit klaglos funktionierenden Verschlüssen besorgten, ist die Aufregung groß, werden auch diese verlost. Die Nic(k)os freilich sind rechtschaffene Sieger.(Benno Zelsacher, DER STANDARD Printausgabe, 11. Oktober 2010)

  • Die Les Sables mit den beiden Nic(k)os an Bord, Delle-Karth und Resch, 
sah meist nur das Motorboot mit dem Fotografen an Bord von vorn.
    foto: oesv

    Die Les Sables mit den beiden Nic(k)os an Bord, Delle-Karth und Resch, sah meist nur das Motorboot mit dem Fotografen an Bord von vorn.

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