Regierung stimmte für Treueschwur auf Staat

11. Oktober 2010, 13:05

Nicht-jüdische Einwanderer sollen auf "jüdischen und demokratischen" Staat schwören - Araber empört

Jerusalem - Das israelische Kabinett hat mit der Zustimmung zu einem verbindlichen Treueschwur bei der Einbürgerung nicht-jüdischer Einwanderer den Konflikt mit den Arabern weiter angeheizt. Die Regierung billigte am Sonntag ein Gesetz, nach dem Einwanderer ein Loyalitätsversprechen auf den "jüdischen und demokratischen" Staat ablegen sollen. Arabische Abgeordnete hatten das Vorhaben als rassistisch bezeichnet, weil es die Rechte der arabischen Minderheit in Israel untergrabe. Auch die Spannungen mit den Palästinensern wurden dadurch zu einer Zeit verstärkt, in der sich der Friedensprozess in einer kritischen Phase befindet.

Die Gespräche zwischen der israelischen Regierung und den Palästinensern sind ins Stocken geraten, weil Israel sich weigerte, einen Baustopp für jüdische Siedlungen im Westjordanland zu verlängern. Das nun beschlossene Gesetz zum Treuschwur wird unter anderem von der nationalistischen Partei "Yisrael Beitenu" unterstützt, der Außenminister Avigdor Lieberman angehört.

Gesetzesänderung betrifft vor allem Palästinenser aus besetzten Gebieten

Die israelische Zeitung "Jerusalem Post" schrieb am Sonntag, die Gesetzesänderung dürfte vor allem Palästinenser aus den besetzten Gebieten betreffen, die israelische Araber heiraten und dann die israelische Staatsbürgerschaft beantragen. Israelische Araber, die bereits in dem Land leben, sollten davon nicht betroffen sein. Etwa 20 Prozent der 7,6 Millionen israelischen Staatsbürger sind Araber.

Justizminister Yaakov Neeman sprach sich allerdings während der Kabinettssitzung dafür aus, den Treueschwur künftig auch von jüdischen Neueinwanderern zu fordern. Ein Ministerausschuss soll sich mit diesem Vorschlag befassen. Nach israelischem Gesetz können Juden aus aller Welt nach Israel einwandern.

Zu den Gegnern der Gesetzesänderung zählten fünf Minister der sozialdemokratischen Arbeitspartei, darunter auch Verteidigungsminister Ehud Barak, sowie drei Minister der Likud-Partei von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu.

"Basis unserer Existenz"

Netanyahu sagte während der Sitzung, die Definition Israels als jüdischer und demokratischer Staat sei die "Quintessenz der zionistischen Vision". "Niemand hat das Recht, uns über Demokratie und Aufgeklärtheit zu belehren. Es gibt keine andere Demokratie im Nahen Osten und keinen anderen jüdischen Staat auf der Welt." Die Kombination beider Werte sei "die Basis unserer Existenz, und wer sich uns anschließen will, muss dies anerkennen".

Israel fordert auch von den Palästinensern eine Anerkennung Israels als jüdischer Staat. Auch die gemäßigte Autonomiebehörde des palästinensischen Präsidenten Mahmoud Abbas lehnt dies jedoch bisher unter Hinweis auf die arabische Minderheit in Israel ab.

Die israelische Zeitung "Yedioth Ahronoth" schrieb, Netanyahu wolle mit der Gesetzesänderung das rechte Lager in seiner Koalition besänftigen. Ziel sei es, auf diese Weise mehr Unterstützung für eine mögliche Verlängerung des Baustopps in den Palästinensergebieten zu sichern, schrieb das Blatt unter Berufung auf Mitglieder von Netanyahus Likud-Partei. Ein auf zehn Monate befristetes Moratorium im Westjordanland war am 26. September abgelaufen. Die Palästinenser wollen die Friedensverhandlungen mit Israel nur dann fortsetzen, wenn der Baustopp verlängert wird.

Empörung unter Arabern

Der geforderte Treueschwur auf den "jüdischen Staat" hat bei den Arabern Empörung ausgelöst. "Israel wird von einem rassistischen zu einem faschistischen Staat", schrieb die libanesische Zeitung "Al-Safir" am Montag. Die Zeitung "Khaleej Times" aus Abu Dhabi erklärte, durch das geplante Gesetz wolle man die Palästinenser zwingen, "alle ihre Rechte auf das Land aufzugeben, das seit Tausenden von Jahren ihre Heimat ist". Ein Kommentator der jordanischen Zeitung "Al-Dustur" schlug vor, die Regierung solle den Namen des Landes ändern in "Jüdische Republik Israel".

Die israelische Regierung hatte am Sonntag eine Gesetzesänderung beschlossen, wonach künftig jeder nicht-jüdische Neubürger einen Treueschwur auf den "jüdischen und demokratischen Staat Israel" leisten muss. Die in Israel lebenden Araber - rund 20 Prozent der Gesamtbevölkerung - fühlen sich durch dieses Gesetz, das noch vom Parlament abgesegnet werden muss, diskriminiert. (APA/dpa/dapd)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 179
1 2 3 4 5
Lichtfreak
01
1.11.2010, 16:24
Religionsfreiheit in Israel?

Was geschieht mit einer jüdischen Israelin, die einen muslimischen Palästinenser heiratet?

- Können die in Israel heiraten?
- Dürfen sie dann dort leben?
- Hat er dieselben Rechte (100%) wie es ein jüdischer Ehemann auch hätte?

Wäre nett, wenn ein Insider dies beantworten würde.

omar chamra
11
22.10.2010, 11:21
In Israel entscheidet - wie in Österreich - nicht die Regierung

sondern das Parlament über Gesetze. Und der Vorschlag der Regierung wurde auch adaptiert. Unabhängig von der Religion sollen alle neuen Bürger diesen Eid ablegen.
Auch in den USA müssen neue Staatsbürger einen Eid ablegen. Und es gibt noch eine Reihe von Staaten, wo das im Gesetz verankert ist.

seek+destroy
22
22.10.2010, 14:28
naja es geht ja ums juedisch

man muss nicht auf die christl. usa, oder roem.kath. oesterreich.. oder deutschnationale oesterreich schwoeren.

Cutting Edge
22
24.10.2010, 13:07
Bitte lesen Sie sich vorhergehende Diskussionen durch,

bevor Sie mit dem wiederkehrenden Irrtum schreiben, bei dem Wort "jüdisch" sei ausschließlich die mosaische Religion gemeint.

- Israel ist ein säkulärer Staat, der sämtliche Bekenntnisse seiner Bürger aufgrund der Toleranzpflicht in der Verfassung respektiert.
- Es geht bei dem Eid auf den jüdischen Charakter und die jüdische Identität Israels, auch dass Israel die offizielle und einzige nationale Heimstätte des jüdischen Volkes ist.
-Israelis, welche nichtjüdisch sind, haben die selben Staatsbürgerschaftsrechte. Ausgenommen davon sind nur die Palästinenser, welche in den Besatzungszonen leben.
- Wer die Bezeichnung "jüdischer Staat" nicht anerkennt, erkennt Israel nicht an, denn die Verfassung stützt sich auf den Zionismus.

lassen Sie mich durch
01
19.10.2010, 07:45

Regierung stimmte für Treueschwur auf Staat

an sich eine tolle idee,ich persönlich gebe den ganzen tag Treueschwöre von mir,ich meine jede Politiker tut es auch und hält sich nicht mal 5 minuten dran.

das ist doch alles nur show.

Enrico Furioso
03
18.10.2010, 20:20
einen Eid auf den Staat Israel für Einwanderer könnte ich ohne Probleme verstehen.

Was ich nicht verstehe ist, dass der Eid auf den jüdischen Staat geleistet werden soll. Religion, so lese ich in vielen Postings, ist damit nicht gemeint, es wird nicht auf die jüdische Religion ein Eid geleistet. Aber ebenso soll kein Eid auf die jüdische Rasse geleistet werden. Worauf aber, wenn nicht-jüdische Einwanderer weder auf Religion, noch die Rasse schwören , worauf schwören sie dann?

Dass sie, wiewohl keine Juden, sich so verhalten, als wären sie welche? Also zwar nicht in die Synagoge gehen, aber so tun, als gingen sie? Oder zwar von Geburt keine Juden sind, aber so tun, als wären sie als Juden geboren? Mir erscheint diese ganze Eid-Geschichte würdig der Geistesverfassung eines Avigdor Lieberman, also ziemlich verwirrt.

Horst Holzinger
33
17.10.2010, 18:17
Vom Treueschwur auf den Staat,

bis zum Treueschwur auf eine Person ist nur noch ein Schritt.

Fritz Wunderlich
30
19.10.2010, 09:58

als chavista hatten sie mit diesem schritt kein problem

Mein freies Wort
00
17.10.2010, 12:22
Seine Heimat zu verteidigen und nicht zu bekriegen ist hier vielen schon zuviel abverlangt?

Eine Gemeischaft solle Schutz bieten.

Damit wird verlangt, daß nicht wie in Europa das Islamexperiment mit EU-Hassern als Einschleichbürger wiederholt wird.

senfdressing
817
11.10.2010, 17:34

Auf ein Land (Israel) einen Schwur leisten, versteh ich ja noch.
Auf eine fremde Religion schwören müssen, ist ziemlich daneben.
Und auf eine andere "Rasse" schwören - hm, tja.

Empfehle zur einfacheren Durchführung vielleicht einen Rassenausweis, und Kreuz- oder Halbmondemblem für die Andersrassigen.

Fritz Wunderlich
82
16.10.2010, 15:22

ein waschechtes, rassistisches posting
vor allem, wenn man bedenkt, dass die mehrheit der juden in israel nachkommen der vertriebenen und enteigneten sephardim und misrahim aus libyen, libanon, syrien, irak, iran, jemen usw. sind

niemand wirft rassismus deutschland oder frankreich vor, wenn man auf den französischen oder deutschen staat schwört

Jimmy_Ringo
04
22.10.2010, 11:14
Fritzi

trollst du überall herum? :-)

frag die Dani B., die den Tod von Millionen Palästinenser bejaht hat, wenn damit Israel erhalten bleibt, wie das ist wenn man im Forum postet und sonst nix zu sagen hat. :-)

Emet mTsiyon
133
12.10.2010, 21:08
nur für sie nochmals:

es steht schon zig-male hier im forum als antwort an die tatsachenverdrehfraktions-einträge. das ist kein schwur auf einen glauben. vielleicht zur sicherheit nochmals: DAS IST KEIN SCHWUR AUF EINEN GLAUBEN!
in israel haben per gesetz ALLE religionen mehr freiheiten und möglichkeiten sie auszuleben als in jedem anderen land. dazu gehört auch eine grundlegende rücksichtnahme und der respekt den anderen religionen gegenüber, ein respekt der auch gelebt wird. allein daher wäre ein schwur auf einen bestimmten glauben nicht möglich.

hmmmm!!!???
47
14.10.2010, 08:15

auf welchem planeten leben sie denn?

Emet mTsiyon
72
14.10.2010, 13:37

fest mit beiden beinen auf dem planeten erde und nicht auf dem planeten der 1000 schlechten märchen über israel.
die anti-israelische propagande lebt von verdrehen der realität in israel, aber trotzdem sieht die wahrheit anders als in den lügenmärchen der israelbasher aus. möchte ihnen einen lokalaugenschein vorort empfehlen.

Tower Hill
28
13.10.2010, 07:00
Also ist der Eid nicht religiös,

sondern völkisch?

Der Kobold
15
13.10.2010, 22:11
*brüll*

you made my day, Tower Hill!
Problematik pointiert mittels pfui-Wort auf den Punkt gebracht.

Tower Hill
05
14.10.2010, 06:54
Genau darum gehts doch.

Dieses Herumwinden um j. als Religion ist Schwachsinn. Isr. ist ein säkulärer Staat. Zwar mit einem Haufen orthodoxer Vollpfosten, die auch in der Knesset hocken, aber trotzdem säkulär.

Emet mTsiyon
10
14.10.2010, 13:43

gratuliere zu ihrer erkenntnis - also warum sollte dann ein eid auf eine religion geschworen werden?

Tower Hill
00
14.10.2010, 14:35
Mhmm, wie kommen Sie darauf,

daß ich den Eid als religiösen ansehen würde? Dieser Meinung war ich nie.

Emet mTsiyon
10
14.10.2010, 17:19

sorry, das war von mir jetzt eine unbegründete annahme - da habe ich nicht genau genug gelesen, mir ist das "völkisch" noch schwer im magen gelegen

Tower Hill
05
14.10.2010, 17:37
Böses Wort, ich weiß.

Aber zutreffend, denke ich.

Fritz Wunderlich
10
14.10.2010, 18:50

in diesem sinne sind dann auch die deutsche und französische verfassungen völkisch?

nein, denn es kommt auf die gesamte verfassung an, nicht auf einen paragraphen, wie einfache gemüter und bildungslücken hier annehmen

Tower Hill
12
15.10.2010, 06:45
Soweit ich weiß, müssen in D auch diejenigen, denen eine Einbürgerung

gesetzlich zusteht (Russlanddeutsche, etc.) das ganze Brimbamborium wie Deutschkurs, Wissenstest und Eid mitmachen.

Das Problem ist mMn nach die Ungleichbehandlung der Zuwanderer. Warum sollte ein Orthodoxer, der den Staat ablehnt (und oft genug von ihm lebt), anders behandelt werden als ein Pal.? Ansonsten ist ein Eid auf eine Verfassung nichts schlechtes. Unsinnig halt, weil schwören lässt sich vieles. Aber warum nicht.

Emet mTsiyon
00
15.10.2010, 09:10

weil juden grundsätzlich das recht auf die statsbürgerschaft zusteht, jedoch ist die ausweitung des eides auf jeden neuen staatsbürger bereits überlegt worden und umstritten

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 179
1 2 3 4 5

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.