Constantini warnt vor Überfall und setzt auf Maierhofer

10. Oktober 2010, 16:10
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Teamchef erwartet am Dienstag in Brüssel druckvolle Gastgeber, der lange Duisburger scheint im Sturm gesetzt - Aufhalten soll ihn Daniel van Buyten - Bilanz gegen Belgien ungeheuerlich

Wien - Nach einem freien Samstagnachmittag hat für die österreichischen Fußball-Teamspieler am Sonntag der Countdown für das EM-Qualifikationsspiel gegen Belgien begonnen. Trainer Dietmar Constantini stimmte seine Truppe mit einem Video von der 0:1-Heimniederlage der Belgier gegen Deutschland auf den Gegner ein, der nach drei Partien bei drei Punkten hält und deswegen am Dienstag in Brüssel unter Siegzwang steht.

Der Tiroler zeigte sich beim Auftritt der Belgier im September gegen Deutschland vor allem von den ersten 45 Minuten beeindruckt. "Da waren sie gleichwertig, ein paar Tage später haben sie in der Türkei geführt. Da sieht man, welche Qualität diese Mannschaft hat."

Constantini geht davon aus, dass die Gastgeber von Beginn an großen Druck ausüben werden. "Sie werden vor uns sicher nicht so viel Respekt haben wie vor Deutschland. Sie werden überfallsartig beginnen und versuchen, uns hinten einzuschnüren", vermutete der 55-Jährige. Namentlich warnte er vor Jungstar Romelu Lukaku (Anderlecht) und Antreiber Marouane Fellaini vom FC Everton.

Allerdings sieht der Tiroler in der weiten Auswärtsreise der Belgier beim 2:0 am Freitag in Kasachstan und er ihnen aufgenötigen Favoritenrolle einen Vorteil für Österreich. "Das ist ein Spiel, in dem uns die meisten nichts zutrauen. Da kann man nur überraschen", meinte Constantini. Er stimmte der Annahme zu, dass im Kampf um einen Platz unter den Top-2 der Gruppe A selbst ein Unentschieden zu wenig sein könnte.

Lob für Linz

Auch deswegen wolle man vor dem Gegner nicht in Ehrfurcht erstarren. "Wir haben aus unseren ersten beiden Spielen die erwarteten sechs Punkte gemacht. Die Mannschaft ist gut drauf, jetzt schauen wir, dass wir in Belgien nicht die Punkte abliefern, sondern holen." Man wolle einen Abwehrkampf vermeiden, denn: "Wenn man auf einen Punkt spielt, hat man am Ende meistens keinen."

Der Teamchef wird Stefan Maierhofer wieder an vorderster Front aufbieten - nicht nur aufgrund der Verletzung von Kapitän Marc Janko, sondern auch aufgrund der engagierten Darbietung des Duisburgers beim 3:0 gegen Aserbaidschan. "Technisch ist er vielleicht nicht der Überspieler, aber er ist ein Typ, der alle mitreißt", meinte Constantini.

Ob Roland Linz wieder in die Rolle der hängenden Spitze schlüpfen wird, ließ der Teamchef offen, behauptete aber, die Leistung des Austrianers hätte sowohl gegen Kasachstan als auch gegen Aserbaidschan "gepasst". Dennoch könnte auch Zlatko Junuzovic die zentrale Rolle übernehmen, dahinter dürfte mit Julian Baumgartlinger ein zusätzlicher defensiver Mittelfeldspieler in die Mannschaft rücken.

Treffsicherer Verteidiger

Belgiens Schlüsselspieler ist Kapitän Daniel van Buyten, der 32-jährige Innenverteidiger hat im aktuellen Kader von Teamchef Georges Leekens die meisten Tore geschossen, neun Stück in 58 Partien. Beim 2:3 in der Türkei traf er zweimal. In der Defensive zeigte der 1,96 Meter hohe Lackel (wiegt 96 Kilogramm) zuletzt gewisse Schwächen, seine Wendigkeit und Schnelligkeit wirkten verbesserungswürdig. Das wird sich aber aufgrund des fortgeschrittenen Alters nicht mehr ausgehen. Constantini hält sich mit Kritik zurück. "Die steht mir nicht zu, er hat Klasse, ist Stammverteidiger bei Bayern München."

Vater Franz van Buyten tingelte in den 1960er-Jahren als Catcher durch Europa, er wurde am Wiener Heumarkt gefeiert. Franz spielte meist die Rolle des Guten, der im Ring und irgendwie auch auf der Welt für Gerechtigkeit sorgte, im Sinne von würgte. Daniel wollte als Bub auch Catcher werden, der Senior wusste das zu verhindern. "Er hat mir gesagt, das ist zu gefährlich, orientiere dich lieber zum Fußball." Der Sohn gehorchte. Das Verhältnis zu den Eltern ist äußerst intensiv. "Ich verdanke ihnen alles." Als der Vater im April 2009 einen Schlaganfall erlitt, dachte Daniel über das Karriereende nach. "Dass es nie mehr so wird wie früher, an dieser Vorstellung musste ich lange knabbern." Van Buyten sieht die EM-Chancen Belgiens übrigens noch intakt: "Vorausgesetzt, wir schlagen Österreich."

Lange nicht gesehen

Österreichs Bilanz gegen Belgien ist hervorragend, in zwölf Partienbrachte es das Team bei einem Torverhältnis von 37:12 auf neun Siege, zwei Unentschieden und eine Niederlage. Das letzte Aufeinandertreffen liegt allerdings schon 31 Jahre zurück.

1979 trennte man sich in der EM-Qualifikation zweimal unentschieden (auswärts 1:1, zu Hause 0:0). Ein Jahr zuvor hatte die Mannschaft um Krankl, Prohaska und Pezzey das Nachsehen gegenüber jener goldenen Generation Belgiens, die bei der EM 1980 mit Spielern wie Pfaff, Gerets, Vercauteren und Van der Elst erst im Finale an Deutschland scheiterte und 1986 bis ins WM-Semifinale vordrang. (Christian Hackl/APA/red)

Bilanz Österreich - Belgien (12 Spiele - 9 Siege, 2 Remis, 1 Niederlage, Torverhältnis 37:12):

13.12.1925 (FS), Lüttich: Belgien - Österreich 3:4
22. 5.1927 (FS), Wien: Österreich - Belgien 4:1
8.1.1928 (FS), Brüssel: Belgien - Österreich 1:2
11.12.1932 (FS), Brüssel: Belgien - Österreich 1:6
11.6.1933 (FS), Wien: Österreich - Belgien 4:1
14.10.1951 (FS), Brüssel: Belgien - Österreich 1:8
23.3.1952 (FS), Wien: Österreich - Belgien 2:0
24.5.1959 (FS), Brüssel: Belgien - Österreich 0:2
14.6.1959 (FS), Wien: Österreich - Belgien 4:2
22.3.1978 (FS), Charleroi: Belgien - Österreich 1:0
28.3.1979 (EM-Q), Brüssel: Belgien - Österreich 1:1
2.5.1979 (EM-Q), Wien: Österreich - Belgien 0:0

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    Marouane Fellaini, ein auffälliger Belgier.

  • Daniel van Buyten ist privat ein sanfter Mensch. Auf dem Platz wird er 
aber schon deutlich.
    foto: epa/warnand

    Daniel van Buyten ist privat ein sanfter Mensch. Auf dem Platz wird er aber schon deutlich.

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