Fragen auf Facebook und Twitter beantworten lassen

9. Oktober 2010, 10:52
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Start-ups suchen die Nischen, die Google, Wiki und andere Online-Wissensquellen lassen

Eine Google-Suche und Wikipedia sind heute für viele Menschen der schnellste Weg, um Antworten auf Fragen zu finden. Aber was, wenn es noch keine online veröffentlichten Antworten gibt? Dann fragt man am besten sein Netzwerk, eine Praxis, die bereits viele auf Facebook und Twitter befolgen, indem sie Fragen in ihren Freundeskreis werfen, in der Hoffnung auf eine brauchbare Antwort. Zwei frühere Facebook-Entwickler, Adam D'Angelo und Charlie Cheever, wollen diese informelle Art von Suche in einer eigenen Art von sozialem Netzwerk zusammenfassen. Seit April 2009 arbeiten die beiden an der Umsetzung, nach einem Betatest per Einladung ist Quora nunmehr seit Sommer allgemein zugänglich.

Umgekehrtes Bloggen

"Es gibt viel Information, die nicht online, sondern in den Köpfen zu finden ist", erklärten die Gründer das Konzept von Quora dem Technologie-Blog TechCrunch. Quora sei weniger eine Frage-Antwort-Site, von denen es zahlreiche gibt, sondern eine Art "umgekehrtes Bloggen", sagten D'Angelo und Cheever: "Wenn man bloggt, schreibt man für ein Publikum. Wenn man bei Quora auf eine leere Frageseite kommt, gibt es einen Haufen Leute, die auf eine Antwort warten. Und irgendwo gibt es einen Experten, der für dieses Publikum schreiben kann."

Reisetipps

Oder eine Art umgekehrte Wikipedia. Statt wie in dem Online-Lexikon, das von tausenden Freiwilligen geschrieben wird, ungefragt sein Wissen zu einem Thema zu posten, warten die Quora-Mitglieder erst einmal auf eine konkrete Frage, ehe sie loslegen. Englisch ist die Muttersprache des Fragenetzwerks, die Themen sind noch stark techlastig, viele Fragen betreffen auch Reisetipps, etwa: "Was sollte man an einem Winterwochenende in Wien machen, und wo sollte man übernachten?" (Christkindlmarkt vor dem Rathaus, Museen samt Links, das Flex; und wohnen im Hotel Hadrigan, ist billig und fühlt sich an wie in einem Roman von John Irving).

Fragen werden in Themengruppen organisiert, in denen man browsen oder denen man folgen kann, nicht unähnlich einem Twitter-Strom. Folgen kann man auch anderen Quora-Mitgliedern, wenn sie sich als gute Frager oder Antworter herausstellen. 

Investoren interessiert

Investoren scheinen an das Konzept zu glauben, erst vor kurzem zog das Start-up weitere Millionen an Land. Das Feld für Frage-und-Antwort ist jedoch bereits gut gefüllt, wenn auch noch nicht sonderlich prominent. Yahoo und LinkedIn versuchen es mit Antworten von Menschen anstatt von Algorithmen, Google kaufte zwei ähnliche Startups (Mahalo, Aardvark) auf. Amazon betreibt einen experimentellen Service, bei dem Produkte anhand von Fotos zuerst maschinell, dann von Menschen identifiziert werden (oder auch nicht). (spu/ DER STANDARD Printausgabe, 9. Oktober 2010)

Der WebStandard auf Facebook

 

Link

Quora

  • Quora lässt Antworten im Netzwerk finden.
    screenshot: red

    Quora lässt Antworten im Netzwerk finden.

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