Alles muss raus aus dem Wahlmöbelhaus

8. Oktober 2010, 20:03
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Im städtischen Logistikzentrum in Floridsdorf wird unter Hochdruck gearbeitet

Schließlich müssen die Wahlurnen und Wahlzellen rechtzeitig ausgeliefert sein, damit für die Wahl am Sonntag alles parat steht.

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Draußen ist es stockfinster, doch im Logistikzentrum der MA 54 in Floridsdorf ist kurz nach sechs Uhr früh bereits alles hell erleuchtet. Lkws im Retourgang piepsen an der Verladerampe, in den Büros und in den Hallen herrscht Hochbetrieb.

Auch Leopold Harrich ist im Eilschritt in den riesigen Lagerhallen unterwegs, hat für jeden ein munteres "Guten Morgen" parat, begrüßt die Lkw-Fahrer mit Handschlag. "Wir sind zum Glück seit Jahren ein gut eingespieltes Team", erzählt der langjährige Leiter des städtischen Logistikzentrums, während vor den Fenstern langsam der Morgen über der Großfeldsiedlung dämmert.

Harrich zählt die Wahlen schon gar nicht mehr, für die er mit seinen Leuten die Urnen und Zellen ausgeliefert und wieder abgeholt hat. Dafür hat er die Zahlen der "Wahlmöbel" sofort bei der Hand: 1605 Wahlzellen, 875 Urnen, 331 Zellen für barrierefreie Wahllokale, 28 Krankenwahlzellen, 2454 Tische und 4840 Sessel müssen bis Samstag für die Wien-Wahl bereit stehen. Im Lager im 21. Bezirk wurden sie vor drei Wochen noch einmal gewartet. "Die Stapel, an denen ein Zettel mit einem Hakerl hängt, sind schon überprüft", erklärt Harrich. Am Donnerstag war bereits rund die Hälfte ausgeliefert. Der Spitzentag ist jedes Mal der Freitag vor einer Wahl.

24 Fahrzeuge zu Spitzenzeiten unterwegs

Vor dem Gebäude in der Feistlgasse stehen die Lkws in Zweierreihen aufgefädelt. Sie sind bereits am Vorabend für die ersten Touren des Tages beladen. 17 Fahrzeuge sind am Donnerstag im Einsatz, 24 am Spitzentag Freitag. Harrich verteilt knapp vor sieben Uhr die Zettel mit den Touren an die Lkw-Teams: "Schau, zuerst geht es in die Volksschule in der Meissnergasse, dann zum Mira-Lobe-Weg." Gerhard Windisch nimmt die blaue Mappe mit dem Lieferscheinen, beim Lkw wartet bereits sein Fahrer Dragan Matic.

Windisch und Matic werden am Vormittag drei Schulen im 22. Bezirk anfahren. "Dann kommen wir in die Zentrale zurück, beladen neu, und dann geht es weiter in den 21. Bezirk", schildert Windisch. Der gelernte Bauspengler ist einer von Harrichs Kernteam, seit zehn Jahren bei der MA 54. Wenn nicht gerade Wahlurnen auszuführen sind, beliefern die beiden in ganz Wien Amtsgebäude, Schulen und Kindergärten - von Möbeln bis zum Klopapier bringt die MA 54 alles für den täglichen Betrieb.

Vor der Schule in der Meissnergasse greift Windisch zum Handy: "Hallo, wo können wir denn zufahren?" Der Schulwart kommt, die beiden Männer begrüßen einander freundschaftlich. "Ich kenne viele Schulwarte seit Jahren", erzählt Windisch. Ein paarmal muss er mit seiner Sackrodel zwischen dem Lkw und dem Hintereingang hin und her, bis alle Wahlurnen und Zellen im Schulgebäude sind. Der Schulwart unterschreibt den Lieferschein, aufstellen wird er die Wahlmöbel am Freitag nach Schulschluss.

MA-54-Tischlerei baut provisorische Rollstuhlrampe

Beim nächsten Stopp, der Schule am Mira-Lobe-Weg, treffen Windisch und Matic auf zwei Kollegen aus der zwei MA-54-Tischelerei. Sie bauen die Rampe für Rollstuhlfahrer vor dem Gebäude zusammen, montieren Geländer. Windisch selbst muss die Wahlzellen und die Urnen mit der Sackrodel in den zweiten Stock hieven. Für den Transport der Tischrahmen aus Metall hat Windisch eine eigene Technik - er schlüpft drunter, trägt das Gestell auf seinen Schultern. "Bei gewissen Dingen lasse ich mir nicht ins Handwerk pfuschen", sagt er lachend.

Windisch hat noch mindestens vier Lieferungen vor sich. "Es kann aber auch sein, dass es noch mehr werden", sagt er, "wenn sich danach noch ein, zwei Touren ausgehen, macht man sie natürlich." Darum ist es derzeit auch oft bereits wieder stockfinster, wenn Gerhard Windisch nach Hause geht. (Bettina Fernsebner-Kokert, DER STANDARD-Printausgabe, 9./10. 10. 2010)

  • 875 Wahlurnen müssen transportiert werden.
    foto: standard/andy urban

    875 Wahlurnen müssen transportiert werden.

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