Ein trauriger Walzer

8. Oktober 2010, 18:58
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Matt Boroff präsentiert am Sonntag sein Solodebüt "Reaching For Sparks", Grinderman balzen im Gasometer

Wien - Matt Boroff versus Grinderman. Das erinnert an David gegen Goliath. Während Grinderman, die Blues-Berserker, am Sonntag im Gasometer den aktuellen Testosteronhaushalt ihres Meisters Nick Cave verhandeln werden, präsentiert Matt Boroff sein Soloalbum Reaching For Sparks im Rhiz. Zeitlich könnten sich für Music-Lover beide Konzerte ausgehen.

Matt Boroff ist ein in Vorarlberg lebender US-Amerikaner. Mit der Band The Mirrors spielt er mahlenden (grind!) Rock mit Blueswurzeln. Solo gibt er sich nun feingeistiger, was sich in einer vielfältigen Instrumentierung niederschlägt: Hörner, eine Mandoline, ein Cello, Stehbass oder eine Viola erinnern in ihrer Zusammenführung mitunter an Stücke des britischen Pop-Dandys Neil Hannon und seiner Band The Divine Comedy.

Schwelgerische Melodien versehen mit der Melancholie auslaufender Seeleute treffen auf eloquentes Songwriting und abwechslungsreiche Arrangements. Die Stimmung wirkt spätnächtlich, die Produktion patiniert wie es Joe Henry gerne hat, ein Geistesverwandter Borrofs. Reaching For The Stars hätte in jedem der letzten vier Jahrzehnte entstehen können. Es geht fast alles. Eine Hommage an Tom Waits wie I Am The Human Clock, Balladen, die auch Mark Everett von den Eels oder Mark Eitzel vom American Music Club gefallen müssten: verschnupft, schwarzhumorig. Wieder zieht jemand die Quetsche und stopft die Hörner. Die Welt, ein trauriger Walzer. Ein stärkeres Kontrastprogramm zu Grinderman kann man sich kaum wünschen: nachdrücklich empfohlen! (Karl Fluch / DER STANDARD, Printausgabe, 9./10.10.2010)

 

10. 10., Matt Borrof, Rhiz, 22.30
10. 10., Grinderman, Gasometer 20.00

  • Matt Borrof  präsentiert am Sonntag sein Solodebüt.
    foto: monkey

    Matt Borrof  präsentiert am Sonntag sein Solodebüt.

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    Für Nick Cave gibt's noch Restkarten.

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