Schutzraum für Pressefreiheit

8. Oktober 2010, 18:32
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Ein europäisches Zentrum für Pressefreiheit forderten Chefredakteure beim Leipziger Medienkongress - Es soll gegen Repressalien im Journalismus vorgehen - Vorbild: die EU-Beobachtungsstelle für Rassismus mit Sitz in Wien

Ganz neu beginnen müsste man nicht. "In Wien gibt es die EU-Beobachtungsstelle für Rassismus. Nach diesem Vorbild sollte man auch ein europäisches Zentrum für Pressefreiheit einrichten - möglicherweise hier in der Medienstadt Leipzig." Diesen Vorschlag machte am Freitag bei einer Podiumsdiskussion zum Thema "Medienfreiheit in Europa" die Chefredakteurin des STANDARD, Alexandra Föderl-Schmid.

Zustimmung kam von Hans-Ulrich Jörges, der Mitglied der Stern -Chefredaktion ist. "Wir brauchen eine Organisation, die sich um Journalisten kümmert, wo sie sich hinwenden können, wenn sie Repressalien ausgesetzt sind."

Sergei Sokolow, Herausgeber der russischen Tageszeitung Nowaja Gaseta, wies darauf hin, dass in Russland in den vergangenen Jahren 200 Journalisten ermordet wurden. "Es geht auch in Europa um Leben", erklärte Jorn Mikkelsen, Chefredakteur der dänischen Zeitung Jyllands-Posten, die 2005 die umstrittenen Mohammed-Karikaturen druckte. Sein Haus und seine Redaktion werden immer noch von Polizei bewacht.

"Immer mehr Druck durch die Justiz"

Angesichts solcher lebensbedrohlicher Situationen nähmen sich westeuropäische Klagen zwar zweitrangig aus, meinte Föderl-Schmid, man dürfe aber nicht vergessen, dass auch in Deutschland und Österreich "immer mehr Druck durch die Justiz gemacht wird" - etwa, wenn die Münchener Staatsanwaltschaft österreichische Journalisten verfolge, die aus deutschen Gerichtsakten zur Hypo-Affäre zitiert haben.

Den Medienpreis erhielt unter anderem Mohammed-Karikaturist Kurt Westergaard, was bis zur Verleihung geheim gehalten wurde. Die iranische Menschenrechtsaktivistin und Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi verließ aus Protest gegen die späte Information die Veranstaltung. (Birgit Baumann aus Leipzig, DER STANDARD; Printausgabe, 9./10.10.2010)

  • Die Pressefreiheit ist überall bedroht, warnten Alexandra Föderl-Schmid (DER STANDARD), Jorn Mikkelsen ("Jyllands-Posten"), Hans-Ulrich Jörges ("Stern") Freitag beim Leipziger Medienkongress (v. li.).
    foto: stefan hopf

    Die Pressefreiheit ist überall bedroht, warnten Alexandra Föderl-Schmid (DER STANDARD), Jorn Mikkelsen ("Jyllands-Posten"), Hans-Ulrich Jörges ("Stern") Freitag beim Leipziger Medienkongress (v. li.).

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