Idylle am Fluss

8. Oktober 2010, 18:17
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Robert Schabus bemüht sich in seinem Film "Die Wien"(Samstag, 20 Uhr, Okto) um eine Bildsprache abseits der Alltagsgeschichten-Ästhetik

Selbst die Kleingartensiedlung sieht aus, als könnten dort ein paar glückliche Menschen leben - trotz der hohen Gartenzäune, der pastellfarbenen Häuschen und der überdimensionalen Sat-Schüsseln.

Robert Schabus bemüht sich in seinem Film Die Wien (Samstag, 20 Uhr, Okto) um eine Bildsprache abseits der Alltagsgeschichten-Ästhetik. Statt die tristesten Winkeln am Ufer des Wienflusses abzufilmen, beschäftigt er sich lieber damit, die ansehnlicheren Seiten ins bestmögliche Licht zu rücken. So grün, sauber und einladend sieht selbst der überzeugteste Stadtmensch seinen Lebensraum selten, was wohl auch damit zusammenhängt, dass ein Gutteil des verwendeten Materials Luftaufnahmen sind - und der gesamte Film in ein paar strahlend-sonnigen Septembertagen 2009 aufgenommen wurde.

Die Doku zeichnet den Weg des Wienflusses nach, von seiner Quelle, dem Kaiserbründl in Pressbaum, bis zur Urania, wo er in den Donaukanal mündet. Allerdings wollen die sehr statischen Bilder nicht recht zum Inhalt passen. Denn die Leute, die stets aus dem Off zu Wort kommen, klingen erst recht wieder nach klassischer Sozialreportage.

"Mein Mann wird 80, wenn wir mit unseren Krediten fertig sind", sagt etwa eine an den Speckgürtel gezogene Gemeindebedienstete, "jetzt stehe ich da und habe keinen Job", sagt ein junger Migrant, der im Stadtpark Fußball spielt. Und ein Donaukanalfischer schimpft auf Ausländer, die "nicht einmal gscheit Deutsch können, und trotzdem eine Angelerlaubnis bekommen". Neue Geschichten hat die von Okto kofinanzierte Doku keine parat. Dafür jede Menge Schönwetteraufnahmen. (Martina Stemmer, DER STANDARD; Printausgabe, 9./10.10.2010)

  • "Die Wien", Samstag, 20 Uhr, Okto.
    foto: okto.tv

    "Die Wien", Samstag, 20 Uhr, Okto.

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