Wählerische Männchen verändern Aussehen der Weibchen

9. Oktober 2010, 17:53
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Deutsche Forscher schließen aus Flossengröße auf evolutionär wirksame Vorlieben von Buntbarschen

Bonn - Partnerwahl führt zu Selektion und damit auf lange Sicht zu Evolution. Durch die Bevorzugung bestimmter Körpermerkmale haben vor allem die Männchen im Tierreich teils spektakuläre sekundäre Geschlechtsmerkmale entwickelt - vom Pfauenrad bis zur vermutlich bizarrsten Stirnwaffe, die je ein Wirbeltier getragen hat: dem Hirschgeweih. Charles Darwin dachte noch, dass nur die Weibchen im Tierreich wählerisch seien und somit langfristig das Aussehen der Männchen beeinflussen. Dass das nicht immer stimmt, ist erst seit Ende der 1980er Jahre bekannt: Damals zeigte sich in Experimenten, dass zumindest bei manchen Tierarten auch die Männchen bei der Partnerwahl genau hinsehen.

Auf ein solches Beispiel weisen die Daten einer aktuellen Studie an der Universität Bonn hin: Buntbarsch-Männchen finden offenbar Partnerinnen mit großen Bauchflossen deutlich attraktiver als kleinflossige Weibchen. Und diese Vorliebe scheint an den Weibchen nicht spurlos vorbeigegangen zu sein: Ihre Bauchflossen scheinen im Verlauf der Evolution im Vergleich zu anderen Flossen immer größer geworden zu sein. Die Ergebnisse der Studie sind jetzt in der Zeitschrift "BMC Evolutionary Biology" erschienen.

Überprüfung mittels Computertrick

Die Forscher haben 73 Buntbarsch-Weibchen der Spezies Pelvicachromis taeniatus geröntgt und anhand der Knochenstrahlen die Größe der Flossen ermittelt. Mit einem interessanten Ergebnis: "Die Bauchflosse wird im Vergleich zu anderen Flossen besonders groß", sagt Sebastian Baldauf, Forscher am Institut für Evolutionsbiologie und Ökologie der Universität Bonn. Doch warum ist das so? Die Bauchflosse ist bei Buntbarsch-Weibchen auffällig bunt. Während der Balz stellen die Weibchen sie auf und wedeln sie vor den Männchen hin und her. Daher vermuteten die Forscher, dass die Flosse bei der Partnerwahl eine Rolle spielt und durch diese beeinflusst wird.

Um diese These zu überprüfen, haben die Forscher einen Partnerwahlversuch mittels Computeranimation durchgeführt. Aquarien mit je einem Männchen wurden zwischen zwei Computermonitore gestellt. Auf dem einen Bildschirm schwamm ein virtuelles Weibchen mit einer kleinen Bauchflosse hin und her, auf dem anderen genau dasselbe Weibchen mit einer großen Flosse. Die Männchen entschieden sich in den Experimenten für die Partnerin mit der größeren Bauchflosse.

Weibchen mit großen Bauchflossen haben es tendenziell also leichter, einen Sexualpartner zu finden und mit ihm Nachwuchs zu bekommen. Im Laufe der Evolution sollten sich die Flossen daher immer weiter vergrößern. Doch irgendwann ist Schluss: "Zu große Flossen behindern die Fische beim Schwimmen und erschweren beispielsweise die Flucht vor Feinden", sagt Sebastian Baldauf. Die Flosse kann daher in der Natur keine übertrieben großen Ausmaße annehmen, wie es häufiger bei Fischzuchten anzutreffen ist. (red)

  • Buntbarsch-Weibchen (vorne) haben im Laufe der Evolution große Bauchflossen entwickelt, um ihre Chancen bei der Partnersuche zu steigern.
    foto: sebastian baldauf, universität bonn

    Buntbarsch-Weibchen (vorne) haben im Laufe der Evolution große Bauchflossen entwickelt, um ihre Chancen bei der Partnersuche zu steigern.

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