Wirtschafts-Nobelpreis: Österreicher Fehr wieder im engeren Kreis

8. Oktober 2010, 17:01
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Heute wird der Preis vergeben, Spekulationen über mögliche Preisträger gibt es schon länger

Fast alle NobelpreisträgerInnen 2010 sind schon bekannt, nur eine(r) fehlt noch: Heute Montag wird der Wirtschafts-Nobelpreis vergeben. Genauer: Der "Preis für Wirtschaftswissenschaften der schwedischen Reichsbank in Gedenken an Alfred Nobel".

Das "Name Dropping" läuft schon seit einiger Zeit, in diversen Blogs (etwa hier und hier) wie auch bei Wettanbietern. Das Wettquoten-Ranking auf der neuseeländischen Website iPredict beispielsweise führen Richard Thaler und Oliver Hart an. Der US-Amerikaner Thaler, Professor and der Universität von Chicago, gilt als einer der weltweit führenden Verhaltensökonomen, er berät unter anderem US-Präsident Barack Obama. Hart ist gebürtiger Brite, nahm später die US-Staatsbürgerschaft an und lehrt in Harvard. Seine Forschungsschwerpunkte sind u.a. Vertragstheorie und Corporate Finance.

Auf den Rängen drei bis zehn: Robert Shiller (USA), Jean Tirole (F), Martin Weitzman (USA), William Nordhaus (USA), Angus Deaton (GB), Eugene Fama (USA), Avinash Dixit (USA) und Robert Barro (USA).

Auf Platz elf (Stand Freitag, ca. 17 Uhr) findet sich ein Österreicher, dem schon in den den letzten Jahren stets Chancen zugebilligt wurden: Der gebürtige Vorarlberger Ernst Fehr, Leiter des Instituts für Empirische Wirtschaftsforschung der Universität Zürich. Er ist außerdem ständiger Gastprofessor am Massachusetts Institute of Technology (MIT).

Fehr, der als Pionier der Verhaltens-Ökonomie ("Behavioural Economics") und Wegbereiter für die Neuro-Ökonomie gilt, wurde gemeinsam mit Matthew J. Rabin von der University of Berkeley (USA) schon im Vorjahr als möglicher Nobelpreisträger für ihren Beitrag zur Verhaltensökonomie unter Einbeziehung der Aspekte von Präferenzen, Fairness und Kooperation gehandelt. Fehr zählt seit Jahren zu den meistzitierten Wirtschaftswissenschaftern, im Jahr 2008 landete er in einem Ranking deutschsprachiger Volkswirte, das vom deutschen "Handelsblatt" durchgeführt worden war, in der Kategorie "aktuelle Forschungsleistung" auf Platz zwei.

Als bisher einziger Österreicher wurde 1974 Friedrich August von Hayek (1899-1992) gemeinsam mit Gunnar Myrdal (Schweden) mit dem Wirtschafts-Nobelpreis für seine Arbeiten auf dem Gebiet der Geld- und Konjunkturtheorie und seine Analysen der wechselseitigen Abhängigkeit von wirtschaftlichen, sozialen und institutionellen Verhältnissen ausgezeichnet.

Der Finanznachrichtendienst Thomson Reuters hat schon im September eine eigene "Shortlist" mit vier Namen veröffentlicht: Alberto Alesina von der Harvard University (USA) für theoretische und empirische Studien zur Beziehung zwischen Politik und Makroökonomie. Nobuhiro Kiyotaki von der Princeton University (USA) und John Moore von der University of Edinburgh (Schottland), für die Erarbeitung des "Kiyotaki-Moore-Modells", das aufzeigt, wie Kreditbeschränkungen dazu führen, dass sich kleine Konjunktureinbrüche zu langanhaltenden Zyklen auswachsen.

Schließlich noch Kevin M. Murphy, der an den Universitäten Chicago und Stanford (USA) lehrt, für seine empirischen Forschungen zur Sozialökonomie, konkret zur auseinanderklaffenden Einkommensschere zwischen Arbeitern und Angestellten in den USA sowie seinen Theorien, wie die größer werdende Ungleichheit beim Einkommen zur stärkeren Nachfrage nach qualifizierten Arbeitsplätzen führt.

In so manchem Diskussionsbeitrag wird auch immer wieder der 43-jährige armenisch-türkische Ökonom Daron Acemoglu genannt. Er lehrt am Massachusetts Institute of Technology (USA), forscht besonders zu den Themen Politische Ökonomie, Entwicklungsökonomik, Wachstumstheorie und auch Einkommensungleichheit und zählt zu den 20 meistzitierten Wirtschaftswissenschaftern. Auch der gebürtige Inder Jagdish Bhagwati, der an der Columbia University (USA) lehrt und als "Globalisierungs-Verteidiger" gilt, wurde schon einmal - 2006, gemeinsam mit dem Preisträger von 2008, Paul Krugman - von Thomson als Top-Favorit gehandelt.

Wer wird das Rennen machen? Am Montag um 13 Uhr wissen wir's. Im Vorjahr wurden mit dem Wirtschafts-"Nobelpreis" der US-Wirtschafts- und Rechtswissenschaftler Oliver Williamson sowie die US-Politikwissenschaftlerin Elinor Ostrom ausgezeichnet. Mit Ostrom (im Bild bei der Preisvergabe mit König Karl Gustav von Schweden) erhielt damit erstmals eine Frau den "Preis für Wirtschaftswissenschaften der schwedischen Reichsbank in Gedenken an Alfred Nobel". (derStandard.at, 8.10.2010)

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