Ein Aussichtsgipfel mit inneren Werten

    8. Oktober 2010, 16:54
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    Die älteste Schutzhütte auf dem Prochenberg, um den sich einige seltsame Geschichten ranken

    Es ist sicherlich kein Zufall, dass auf dem Prochenberg bei Ybbsitz bereits im Jahre 1866 die erste Schutzhütte gebaut wurde, die als die älteste in Niederösterreich gilt. Der Gipfel des Berges war damals unbewaldet und bot eine eindrucksvolle Rundsicht, über die es in alten Beschreibungen heißt: "Zu der unendlichen Ausschau auf das nordwärts ausgebreitete Flachland steht die Kette der Alpengipfel in prächtigem Gegensatz, die im Süden Gipfel an Gipfel reiht. Die stolzen Häupter des Ötschers und des Dürrensteins, die Voralpe und der Gamsstein, die Zacken der Gesäuseberge, die Riesen des Toten- und Sengsengebirges vereinigen sich zu einem eindrucksvollen Bilde, zu dem die Kammlinien der Voralpen und die grünen Täler den Vordergrund abgeben."

    Zwar umgibt jetzt Wald das kleine, gemütliche Schutzhaus, eine stählerne Warte ermöglicht aber immer noch den beeindruckenden Rundblick. Das "Gipfelkreuz" steht auf dem westlich gelegenen Kreuzkogel und bietet seit einem Windbruch ebenfalls eine schöne Aussicht.

    Um den Prochenberg ranken sich einige seltsame Geschichten. In der Tannhäuserhöhle am westlichen Abhang soll der berühmte Minnesänger auf seine Erlösung warten. Er bewacht einen riesigen Schatz, zu dem man nur vordringen kann, wenn man einen bestimmten Zauberspruch kennt. Einmal schon soll der Vorstoß zu dem goldenen Lager einem Einheimischen gelungen sein. Die Höhlenforscher allerdings konnten bisher nur eine Ganglänge von 18 m erkunden. Auch das Goldloch soll Wertvolles enthalten. Im Schreiloch - einer episodisch aktiven Wasserhöhle - vermutet man den Zugang zu einem unterirdischen See, in dem blinde Fische vorkommen. Diese werden angeblich bei Hochwasser in die Schwarze Ois geschwemmt.

    Wissenschaftlich gesichert ist der Fund eines Meteoriten im Jahre 1977. Das fast 15 kg schwere, vom Himmel gefallene Stück befindet sich jetzt im Wiener Naturhistorischen Museum.

    Ein Kuriosum: Der Prochenberg war schon mehrmals Austragungsort eines Downhill-Golfturniers mit neun Löchern, das starke Beachtung fand.

    Die Runde weist keine Schwierigkeiten auf, obgleich der Großteil des Rückwegs nicht markiert, aber beschildert ist.

    Die Route: Auffahrt von Ybbsitz zum Haselsteinhof, dort wählt man die rote Markierung, die in einem Bogen auf die Rückseite der Haselsteinwand führt, von wo man unmarkiert zur Oberkante des Felsens gelangt. Zurück zur roten Markierung und auf dieser weiter. Der zügig zur Höhe führende Steig mündet in einen Güterweg, der bei der Prochenberghütte endet. Gehzeit ab Haselsteinhof eineinhalb Stunden.

    Zurück auf dem Güterweg, auf dem man weiterhin bleibt und dem Wegweiser "Ybbsitz" folgt. In einer langen Serpentine - mit schöner Aussicht auf den Ort - gelangt man tiefer und erreicht schließlich den Ausgangspunkt. Gehzeit ab Hütte eineinhalb Stunden. (Bernd Orfer/DER STANDARD/Printausgabe/09.10.2010)

    Gesamtgehzeit drei Stunden, Höhenunterschied rund 500 Meter. Prochenberghütte von 1. Mai bis 26. Oktober an Sonn- und Feiertagen geöffnet, von Juli bis September auch an Samstagen. ÖK25V Blatt 4203Ost (Ybbsitz), Maßstab 1:25.000.

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