Zeit lässt sich nicht in Listen pressen

11. Oktober 2010, 10:05
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Über den Zusammenhang von Persönlichkeit, Karriere und Zeit referierte Ronny Hollenstein beim aktuellen HR Circle

"Ein sinnvoller Umgang mit der Zeit erschöpft sich nicht nur im Erstellen von Checklisten und deren Priorisierungen", das betonte Ronny Hollenstein beim aktuellen HR Circle. Als Beispiel wie man es besser machen kann, verwies der Kommunikationsexperte und Personalberater in seinem Vortrag auf das Buch "Die neue Psychologie der Zeit" von Philipp Zimbardo und John Boyd: "Es zeigt beeindruckend dass der Umgang mit der Zeit ein wesentliches Persönlichkeitsmerkmal ist, das unser Verhalten bestimmt." 

Perspektive aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

Wie wir unser Leben wahrnehmen, hat laut Zimbardo viel mit unseren Zeitperspektiven zu tun. Und damit haben wiederum die Vergangenheit, positiv wie negativ, die Gegenwart, hedonistisch oder fatalistisch und schließlich die Zukunftsperspektiven zu tun. 

Ein hedonistisch veranlagter Mensch habe zum Beispiel das Talent in einer sonst unnützen Wartezeit etwas Produktives zu tun, ein fatalistisch veranlagter denke sich eher "wozu planen, es kommt ja sowieso anders". Am besten sei es ein gutes Mittelmaß zu finden, meinte Hollenstein: lebe jemand zu viel in der positiven Vergangenheit, solle er nicht darin verharren, sondern Kraft daraus tanken und offen für Neues sein. Kleine Übungen können helfen das "Jetzt" zu genießen: Spielen mit Kindern versetze beispielsweise ins "Hier". Zuviel Fokus auf Gegenwart oder Zukunft kann in der Karriere auch kontraproduktiv sein. "Oft ist es besser zu warten und später die Früchte zu ernten", so Hollenstein.

Psychologie statt To Do Listen

"Die Leute gehen oft aus Zeitmanagementseminaren mit langen To Do Listen und sind überfordert, weil man sie ja nur die Tools von jemand anderen übernehmen", weiß der Kommunikationsexperte aus Erfahrung. Auch bei der Planung der eigenen Karriere solle man sich fragen 'Sind das meine Ziele?'. "Man erntet später, was man sät. Manche müssen irgendwann erkennen, dass sie ihre Karriere zwar gut geplant haben, aber die Karriereleiter nicht auf das richtige Haus gehängt haben", brachte es Hollenstein auf den Punkt.

Zeitpsychologie aus HR-Sicht

Aus dem Publikum kam der Vorschlag die Zeitpsychologie "unter dem Punkt Selbstkompetenz" zu subsummieren und sie auch als Zeit der jeweiligen Firmenkultur zu sehen. Für Hollenstein ist es ein "wichtiges Führungs- und Motivationsthema", denn eine Führungskraft müsse erst sich selbst kennen und führen können, erst dann funktioniere das mit Mitarbeitern. (Marietta Türk, derStandard.at, 11.10.2010)

Link

www.hrcircle.at

Nächster HR Circle Termin (exklusiv für Mitglieder):

21.10.2010 DI Elisabeth Alder-Wuerrer (Sektionsleitung SVC im ÖAGG): Interkulturelle Vernetzung für Personalisten

  • Zeit ist etwas sehr Individuelles
    foto: photodisc

    Zeit ist etwas sehr Individuelles

  • Ronny Hollenstein
    foto: derstandard.at/türk

    Ronny Hollenstein

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